Gunther von Hagens "Ich bedaure meine öffentlichen Überlegungen"

Gestern zauberte der umstrittene Erfinder der Plastination eine kuriose Geschäftsidee aus seinem schwarzen Hut: Tote in Scheiben, käuflich für jedermann. Doch nach heftiger Kritik sieht Gunther von Hagens sein Vorhaben nun ganz anders - und betreibt Schadensbegrenzung.


Hamburg - "Mein Ziel ist es, Anatomie zu demokratisieren und menschliche Präparate an Menschen zu verkaufen", sagte Gunther von Hagens gestern SPIEGEL ONLINE. Seine Anwälte hätten bereits mit der rechtlichen Prüfung begonnen, die Preisliste ratterte er auswendig runter.

Plastinator Gunther von Hagens: "Auch für mich ist der Dackel als Scheibe eine Alternative"
AP

Plastinator Gunther von Hagens: "Auch für mich ist der Dackel als Scheibe eine Alternative"

Heute ließ der Leichenpräparator verlauten: "Der geplante qualifizierte Verkauf von Plastinaten auf hohem ethischen Niveau erwies sich bei näherer Prüfung schwieriger als zunächst gedacht." Die Idee, Plastinate auch an Privatpersonen abzugeben und nicht mehr zwischen Laien und Experten zu unterscheiden, habe zu "intensiven Diskussionen mit Mitarbeitern, Körperspendern und engagierten Journalisten" geführt. Er habe danach erkennen müssen, "dass eine solche Entscheidung mehr Fragen aufwirft, als sie löst".

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE hatte der umstrittene Anatom gestern noch betont, dass jene Käufer "achtungsvoll im Sinne des Körperspenders" handeln müssten und das jeweilige Präparat nicht umfunktioniert werden dürfe: "Eine Urinblase als Vase oder ein Magen als Karnevalsmaske" entspreche einer "Entmenschlichung". Ebenso "ein Penis mit Hoden als Revolver oder ein Bein als Golfschläger". Wie er sicherstellen wollte, dass die Käufer keinen Unfug mit den Plastinaten betreiben, konnte der Mediziner gestern nicht beantworten.

Heute gab er zu, es sei schwierig, "die Merkmale eines qualifizierten Nutzers eindeutig zu bestimmen und zu entscheiden, inwieweit wissenschaftliche Interessen als Privatperson berücksichtigt werden dürfen".

Konservierte Körperteile sollen nun doch nur an "etablierte, öffentlich anerkannte Lehr- und Forschungsinstitutionen" gehen. "Ich bedaure, dass meine öffentlichen Überlegungen vorübergehend Zweifel an meiner hohen ethischen Verantwortung als Plastinator genährt haben könnten. Ich versichere deshalb, in Zukunft Überlegungen von solch emotionaler Tragweite nur nach gründlicher Prüfung in die öffentliche Diskussion einzubringen", zeigte sich der sonst redselige Plastinator ziemlich kleinlaut.

jjc



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