Haftstrafe für Autobahnraser DaimlerChrysler will "Turbo-Rolf" feuern

Testfahrer Rolf F., der auf der Autobahn 5 einen tödlichen Unfall verursacht hat und vom Karlsruher Amtsgericht zu 18 Monaten Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde, wird auch seine Anstellung verlieren. Eine DaimlerChrysler-Sprecherin kündigte unverzüglich Schritte an.




Stuttgart - "Wir werden unverzüglich die Beendigung des Arbeitsverhältnisses in die Wege leiten", sagte eine Sprecherin in Stuttgart. Der Fahrer habe mit seinem Verhalten gegen interne Regeln des Unternehmens verstoßen.

Der 34 Jahre alte DaimlerChrysler-Ingenieur war vom Karlsruher Amtsgericht am Morgen zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Richterin Brigitte Hecking sah es als erwiesen an, dass der DaimlerChrysler-Ingenieur im vergangenen Juli durch Drängelei auf der A 5 bei Karlsruhe den Unfall verursacht hatte, bei dem eine 21-jährige Frau und ihre zweijährige Tochter ums Leben kamen.

Mit dem Urteil folgte das Schöffengericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr und neun Monate Haft ohne Bewährung sowie einen einjährigen Führerscheinentzug gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen Freispruch beantragt.

Unfallwagen: "Eine gewisse Genugtuung, auch wenn es nicht viel ist"
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Mit dem Strafmaß habe das Gericht "nicht das Volk oder die Presse befriedigen" wollen, betonte Hecking. Die Indizien hätten eindeutig gegen den Angeklagten gesprochen. Dass der Angeklagte der Fahrer war, schloss das Gericht aus den Aussagen von vier Zeugen. Sie hatten einen hoch motorisierten dunklen Mercedes mit Böblinger Kennzeichen, Doppelauspuffanlage, Fließheck und je zwei Scheinwerfern auf jeder Seite beschrieben. Diese Angaben hätten nur auf das Fahrzeug gepasst, das der Angeklagte an diesem Tag fuhr.

Der Fahrer, der den Wagen der Frau halb auf dem linken Grünstreifen überholt hatte, habe den Unfall vermutlich gar nicht bemerkt, sagte die Richterin. Zum Zeitpunkt des Aufpralls sei er bereits rund 150 Meter entfernt gewesen. Der Mann habe sich nach dem Unfall verdächtig gemacht. Immer wieder habe er sich nach dem Stand der Ermittlungen erkundigt. Durch eine fingierte Weg-Zeit-Berechnung habe er versucht, den Eindruck zu erwecken, dass er erst zehn Minuten nach dem Unfall den Autobahnabschnitt passiert habe.

Die Richterin kritisierte Kollegen des DaimlerChrysler-Ingenieurs, die sich auf Erinnerungslücken berufen hatten. "Ich habe es noch in keinem Verfahren erlebt, dass mit derartiger Widerwilligkeit Angaben gemacht werden", sagte die Richterin. Das Gericht habe den Eindruck, dass "erheblich etwas zu verbergen" sei. Um so glaubwürdiger seien Aussagen der Kollegen gewesen, dass der Mann schon länger als rücksichtsloser Raser bekannt gewesen sei. Der tödliche Unfall sei Folge eines solchen "grob verkehrswidrigen und rücksichtslosen Fahrstils".

Über die Bewährung habe das Gericht am längsten beraten, sagte die Richterin. Aber es gebe keine mildernden Umstände bei der Tat. Die Freiheitsstrafe sei deshalb nicht zur Bewährung auszusetzen.

Die Mutter der getöteten Frau sagte nach dem Urteilsspruch: "Das ist eine gewisse Genugtuung, auch wenn es nicht viel ist." Nebenkläger Paul Kleiser, der den Vater des getöteten Kindes vertrat, sagte: "Spätestens nach den Zeugenaussagen und den Sachverständigen hätte der Angeklagte zugeben müssen, dass er es war. Dann hätte er wahrscheinlich auch eine Bewährungsstrafe erhalten."

Der Angeklagte, der nach wie vor bestreitet, mit dem Unfall etwas zu tun zu haben, nahm das Urteil ruhig und ohne äußere Erregung entgegen. Unmittelbar nach der Verkündung verließ er den voll besetzten Gerichtssaal durch einen Seiteneingang. Die Verteidigung kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.



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