Karibische Inseln Hurrikan "Matthew" trifft Haiti mit voller Wucht

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilometern hat Hurrikan "Matthew" Haiti erreicht. Es gibt mehrere Tote, Dutzende Häuser wurden beschädigt. Der Wirbelsturm gilt als schlimmster der vergangenen zehn Jahre.

AFP

Der Hurrikan "Matthew" hat mit voller Wucht den Karibikstaat Haiti erreicht. Im Westen des Landes seien mehrere Ortschaften teilweise überschwemmt worden, teilte der Zivilschutz mit. Tausende Menschen suchten Schutz. In der Hauptstadt Port-au-Prince kam das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen. Schulen und Geschäfte wurden geschlossen.

In Haiti kamen nach Berichten des Radiosenders Metropole vier Menschen ums Leben. Auch in der benachbarten Dominikanischen Republik wurden nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes vier Personen getötet.. In Kolumbien war bereits in der vergangenen Woche ein Mann getötet worden, in St. Vincent und den Grenadinen starb ein Jugendlicher.

"Matthew" traf am frühen Morgen in Haiti nahe des Ortes Les Anglais auf Land. Der Hurrikan der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde brachte starken Regen, heftigen Wind und hohe Wellen mit sich.

Die Regierung und das Rote Kreuz mobilisierten Tausende freiwillige Rettungskräfte. Auch internationale Hilfsorganisationen brachten sich in Stellung. "Wir bereiten alles für einen schnellen Nothilfeeinsatz vor", sagte der Leiter der Auslandshilfe des Arbeiter-Samariter-Bunds (ABS), Carsten Stork.

Nach dem Erdbeben 2010 leben viele noch in Zelten

Es sei zu früh für genaue Angaben, doch er gehe von starken Schäden im Süden der Insel aus, sagte der Chef des haitianischen Zivilschutzes. Haiti gilt als ärmstes Land des amerikanischen Kontinents. Sechs Jahre nach einem verheerenden Erdbeben, bei dem rund 250.000 Menschen ums Leben kamen, leben immer noch Tausende Obdachlose in Zelten.

Bei der Evakuierung stießen die Behörden oft auf Widerstand. Ein Großteil der Leute hat Angst vor Plünderungen. Deswegen sind die Bewohner erst bereit zu gehen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt - oder es schon zu spät ist. Viele Anfragen müsse sie inzwischen ablehnen, da der Weg zu den Hilfesuchenden abgeschnitten sei, sagte die Chefin einer örtlichen Hilfsorganisation.

"Matthew", vom US-Hurrikanzentrum NHC als stärkster Wirbelsturm in der Region seit zehn Jahren eingestuft, bedroht auch andere Karibikstaaten. Laut NHC bewegt er sich auf den Osten von Kuba zu. Dort brachten die Behörden rund eine Million Menschen in Sicherheit. Die US-Streitkräfte zogen ihr nicht-essenzielles Personal von der Militärbasis Guantánamo ab. Überschwemmungen wurden auch in Jamaika erwartet.

Das Auge von "Matthew" dürfte nun zunächst über den Golf von Gonave und dann weiter nach Nordwesten ziehen. Der Wirbelsturm soll den Prognosen zufolge am Osten Kubas vorbeiziehen und am Mittwoch die Bahamas streifen.

"Einige Schwankungen in der Intensität sind in den nächsten Tagen möglich, aber wir gehen davon aus, dass "Matthew" bis mindestens Mittwochnacht ein mächtiger Hurrikan bleibt", teilten die Experten des US-Hurrikanzentrums mit.

jal/dpa/AP/AFP



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