Haiti Mädchen von Unicef-Foto 2008 überlebt Erdbeben

Ihr Bild ging vor gut einem Jahr um die Welt: Die zwölfjährige Landa aus Port-au-Prince war auf dem Unicef-"Foto des Jahres 2008" zu sehen. Nun verbreitete die Fotografin Alice Smeets die gute Nachricht: Landa und ihre fünf Geschwister haben die Erdbebenkatastrophe überlebt.

Alice Smeets mit dem Unicef-"Foto des Jahres 2008": Landa und ihre Geschwister haben überlebt
DPA

Alice Smeets mit dem Unicef-"Foto des Jahres 2008": Landa und ihre Geschwister haben überlebt


Hamburg - Im weißen Sonntagskleid, mit nackten Füßen, stapft das Mädchen durch öliges Brackwasser, in dem Schuhsohlen, verrottete Dosen und Plastiktüten schwimmen. Im Hintergrund sind zwei schwarze Schweine und die windschiefen, vom Rost zerfressenen Hütten des Slums Cité Soleil, des größten Armenviertels von Port-au-Prince, zu sehen. Dieses Bild der belgischen Fotografin Alice Smeets wurde 2008 zum Unicef-"Foto des Jahres" gekürt.

Für Smeets verkörperte das kleine Mädchen damals die Situation der Menschen in Haiti. Egal, wie schlecht es ihnen gehe, sie seien sehr stolz und wollten immer weitermachen, sagte die Fotografin damals.

Nun wird das Mädchen aus den Elendsvierteln der Millionenstadt wieder zu einem Symbol - für ein Wunder: Die zwölfjährige Landa und ihre fünf Geschwister haben die Erdbebenkatastrophe in dem Karibikstaat überlebt, teilte die Fotografin am Montag mit. Weitere Auskünfte waren von ihr nicht zu bekommen - die 22-Jährige ist in Haiti, wie sie SPIEGEL ONLINE in einer E-Mail schrieb.

Seit Sonntag ist Smeets vor Ort und will in den kommenden Tagen die Situation nach dem Beben mit dem Fotoapparat dokumentieren.

Fotostrecke

24  Bilder
Haiti: Kampf ums Überleben und die Vorherrschaft
Bei ihrem ersten Aufenthalt in Haiti, im Juli 2007, machte Smeets die Aufnahme von Landa. Damals kannte sie das Mädchen nicht, wusste nicht einmal ihren Namen. Das Bild war ein Schnappschuss. Eigentlich hatte die Belgierin ein Porträt von dem Mädchen aufgenommen und ihm danach gesagt, es könne jetzt zurück zu seinen Freunden laufen. "Da ist dieses Bild entstanden. Das Porträt selbst war noch nicht einmal besonders gut", sagte Smeets, nachdem sie den Preis gewonnen hatte.

Nach dieser Reise kehrte die junge Dokumentarfotografin immer wieder nach Haiti zurück. Das Land faszinierte sie zunehmend, sie begann Geld zu sammeln, Projekte zu unterstützen und darüber in ihrem Blog zu berichten.

Smeets begleitete die Wahl 2009, machte Reportagen über Voodoo-Rituale, besuchte Waisenhäuser - und fand Landa, das Mädchen, das ihr zu ihrem größten Triumph verholfen hat. Am 13. Februar 2009 verkündete Smeets in ihrem Blog, einer ihrer Kontakte habe das Kind gefunden: "Sie heißt Landa Gerome. Und sie geht zur Schule."

Smeets unterstützte das Mädchen und ihre Familie künftig. Im März 2009 zogen die Geromes mit Hilfe von Smeets und anderen Spendern aus Cité Soleil in ein besseres Viertel. Sie bekamen ein Haus, mit Betten, zum ersten Mal in ihrem Leben schliefen Landa und ihre Geschwister auf Matratzen. Die Kinder bekamen die Möglichkeit, in eine bessere Schule zu gehen.

siu/mit Material von dpa

insgesamt 1801 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Palmstroem, 16.01.2010
1. Die Frage kommt zu spät
Zitat von sysopDie Erdbebenkatastrophe in Haiti hat die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wieder auf den gebeutelten Karibikstaat und seine Probleme gelenkt. Haben die USA und Europa es über die Jahre versäumt, hier mehr für politische Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven zu tun? Diskutieren Sie mit!
Die Frage müsste heißen:"Hätten die USA und Europa mehr für Haiti tun müssen!" Jetzt liegt das Kind im Brunnen!!!
Brand-Redner 16.01.2010
2. Genau
Zitat von PalmstroemDie Frage müsste heißen:"Hätten die USA und Europa mehr für Haiti tun müssen!" Jetzt liegt das Kind im Brunnen!!!
Wirtschaftliche Not gebiert nun mal keine politische Stabilität. Wer diese haben will, ohne jene zuvor abzuschaffen, verhält sich so ignorant und lächerlich wie ein Baumeister, der das Dach vor den Fundamenten aufsetzen will. Aber in der Politik scheint ja alles möglich. - Gestern las ich, Deutschland wolle Haiti 1,5 Millionen Euro Spenden bzw. Spendengüter zukommen lassen: Was für eine Wahnsinnssumme - das ist ja fast mehr, als im Bundestag jährlich für neue Schreibgarnituren ausgegeben wird, nicht wahr? - Ist das noch Dummheit oder schon Zynismus?
forumgehts? 16.01.2010
3.
Zitat von sysopDie Erdbebenkatastrophe in Haiti hat die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wieder auf den gebeutelten Karibikstaat und seine Probleme gelenkt. Haben die USA und Europa es über die Jahre versäumt, hier mehr für politische Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven zu tun? Diskutieren Sie mit!
Nein, denn wenn ich richtig informiert bin, haben sich bisher nicht einmal die Chinesen für dieses Gebiet interessiert. Und das heisst, dass da nun wirklich nichts zu machen und/oder zu holen ist.
archelys, 16.01.2010
4. Brunnenkinder
Zitat von PalmstroemDie Frage müsste heißen:"Hätten die USA und Europa mehr für Haiti tun müssen!" Jetzt liegt das Kind im Brunnen!!!
Es liegen schon viele Kinder im Brunnen, Herr Palmstroem, und Sie staunen nur. Nun aber sind drei "Präsidenten" im Einsatz. Vielleicht bohren die auf Haiti wieder einen Brunnen, dieses Mal in Schrägbohrung nach Kuba. Da müssen wir wieder sehr aufpassen, dass kein Kind reinfällt...
Rainer Helmbrecht 16.01.2010
5. Titel verweigert!
Zitat von PalmstroemDie Frage müsste heißen:"Hätten die USA und Europa mehr für Haiti tun müssen!" Jetzt liegt das Kind im Brunnen!!!
Eins hätten die USA auf jeden Fall machen können, sie hätten nicht durch Dumpingpreise die Agrarwirtschaft dieses und vieler anderer armen Länder kaputt mache brauchen. Europa ist da auch nicht besser, die durch Subventionierte Produkte die Märkte und die heimischen Produkte kaputt machen und Bauern zu arbeitlslosen Stadtbewohnern verkommen lassen. Selbstlose Hilfe ist eine große Tat, aber durch unreelle Marktmacht, andere ländliche Strukturen zu zerstören ist eine Sauerei. So wie das leer fischen vor den Küsten armer Länder. Wie groß die Schuld ist kann ich nicht beurteilen, aber dass wir Schuld auf uns geladen haben, ist unzweifelhaft. MfG. Rainer
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.