Haiti Tausende kämpfen gegen die Cholera

Erst das verheerende Erdbeben im Januar, jetzt die nächste Katastrophe: Auf Haiti ist die Cholera ausgebrochen. Fast 200 Menschen sind gestorben, mehr als 2000 erkrankt. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen.

AP

Port-au-Prince - Auf der Karibikinsel Haiti grassiert die Cholera. Neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben sind nach offiziellen Angaben fast 200 Menschen an der gefährlichen Infektionskrankheit gestorben. In den Krankenhäusern kämpften mehr als 2500 Menschen gegen Durchfall, Fieber und Erbrechen. Die Zustände seien chaotisch. Die Regierung rief am Freitagabend (Ortszeit) den Notstand aus. Internationale Hilfsorganisationen versuchen jetzt, eine Epidemie zu verhindern.

Bei dem Erdbeben am 12. Januar wurden in Port-au-Prince und in der Umgebung weit über 220.000 Menschen getötet. Mehr als eine Million Menschen leben seither auf engstem Raum in Obdachlosenlagern.

Und nun noch die Cholera. In der Bevölkerung kam es offenbar zu ersten Panikreaktionen, die Menschen stürmten Krankenhäuser und Sanitätseinrichtungen, um Hilfe zu erhalten. Wie der US-Nachrichtensender CNN weiter berichtete, will ein amerikanisches Expertenteam nach Haiti reisen, um das richtige Antibiotikum im Kampf gegen die Krankheit zu bestimmen.

Unicef beginnt mit Hilfslieferungen

Das Kinderhilfswerk Unicef bringt außerdem Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete südlich der Stadt Gonaives. Unter anderem seien Durchfallmedikamente für 10.000 Patienten sowie Seife, Wasserreinigungstabletten und fünf große Zelte unterwegs, in denen provisorische Gesundheitszentren errichtet werden sollen, teilte die Hilfsorganisation in Köln mit.

Gesundheitsminister Alex Larson appellierte an die Bevölkerung, auf die Hygiene zu achten. In der Küstenstadt Stadt Saint-Marc rund hundert Kilometer nördlich von Port-au-Prince wurden Menschen auf Plätzen notdürftig versorgt.

Bei der Cholera handele es sich um den besonders gefährlichen Typ O1. Regierungschef Jean-Max Bellerive sagte, es stehe noch nicht fest, woher die Cholera-Bakterien stammten. Die Behörden vermuten, dass nach den Regenfällen der vergangenen Wochen Latrinen überliefen und das bakterienverseuchte Wasser in den Fluss Artibonite gelangte. Der erste Cholera-Fall war am vergangenen Dienstag aufgetreten. Die Cholera ist für Haiti eigentlich untypisch. Eine Epidemie hat es in dem Land seit Jahrzehnten nicht gegeben.

Angst vor Übergreifen der Epidemie auf Port-au-Prince

Hilfsorganisationen, die seit dem Erdbeben im Land sind, konzentrierten sich auf die überfüllten Obdachlosenlager in der Hauptstadt Port-au-Prince. "Unsere Leute gehen in die Lager, um die Menschen über die Cholera aufzuklären", sagte Reginald Lubin, ein Mitarbeiter von World Vision. Es werde Seife verteilt und den Menschen erklärt, warum sie sich möglichst oft die Hände waschen müssten.

Aus den Lagern mit den insgesamt rund 1,5 Millionen Bewohnern wurden bisher keine Choleraerkrankungen bekannt. Viele Camps gelten als besser versorgt als die verarmten ländlichen Gebiete und verfügen durch die internationale Hilfe in der Regel über sauberes Trinkwasser.

Dennoch warnten Helfer. Estrella Serrano von World Vision sagte: "Wenn die Krankheitswelle Port-au-Prince erreicht, wo Familien in überfüllten, unhygienischen Lagern hausen, dann wird es verheerend."

Die Cholera ist eine lebensbedrohliche Krankheit, die durch Bakterien (Vibrio cholerae) ausgelöst wird. Die meisten Menschen infizieren sich durch Trinkwasser, das von Fäkalien verschmutzt ist. Die Bakterien setzen sich im Dünndarm fest und sondern ein Gift ab. Typische Symptome sind starke Durchfälle sowie Erbrechen. Unbehandelt führt die Cholera oft zum Tod. Insbesondere Kinder sind gefährdet. Bei schneller Diagnose und Behandlung - vor allem mit sauberem Wasser, lebenswichtigen Salzen (Elektrolyten) und einem Antibiotikum - ist die Prognose aber gut.

kng/dpa/dapd/Reuters



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