Haiti Zahl der Cholera-Toten steigt auf über 1000

Die Lage auf Haiti spitzt sich zu. Inzwischen sind mehr als 1000 Menschen an der Cholera gestorben. Während die Seuche umvermindert um sich greift, entlädt sich der Unmut der Einwohner in gewaltsamen Protesten gegen die Uno-Blauhelme.

DPA

Port-au-Prince - Haitis Gesundheitsministerium teilte am Dienstag in der Hauptstadt Port-au-Prince mit, dass bislang 1034 Menschen an der Seuche gestorben seien. 16.800 Menschen seien wegen einer Cholera-Infektion in Krankenhäusern behandelt worden.

Hilfsorganisation gehen jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Opferzahlen noch höher sind. Wie die Regierung weiter mitteilte, hat sich die Cholera inzwischen vom zentralen Department Artibonite vor allem nach Norden in die Cap-Region ausgebreitet. Zudem bestätigen Gesundheitsbehörden der Dominikanischen Republik den ersten Cholera-Fall in dem Land, das an Haiti grenzt. Das Gesundheitsministerium teilte mit, bei dem Infizierten handle es sich um einen Haitianer, der kürzlich aus seinem Heimatland in die Dominikanische Republik zurückgekehrt sei.

Zuvor waren bei Protesten mehrerer tausend Demonstranten in Haiti zwei Menschen ums Leben gekommen. In der Stadt Cap-Haitien wurde während einer Demonstration vor einem Uno-Stützpunkt am Montag ein Mann von Blauhelmsoldaten erschossen, wie die Uno berichtete. Der Vorfall werde untersucht, allerdings gehe man davon aus, dass der Soldat in Notwehr gehandelt habe, teilte die Uno mit.

Laut Polizei starb ein weiterer Mann im Laufe der Proteste, bei denen die Demonstranten den Uno-Soldaten vorwarfen, die schwere Cholera-Epidemie ausgelöst zu haben. Die Protestierenden in Cap-Haitien setzten ein Polizeigebäude und mehrere Fahrzeuge in Brand.

Auch in der Stadt Hinche kam es laut einem Bericht des Rundfunksenders Kiskeya zu einem Protest gegen die Vereinten Nationen. Mindestens sechs nepalesische Uno-Soldaten seien dabei verletzt worden, teilte die Uno mit. Eine weitere Demonstration in Gonaives verlief nach Polizeiangaben friedlich.

Uno-Truppen aus Nepal unter Verdacht

Nach lokalen Medienberichten forderten die Demonstrante den Abzug der seit 2004 in Haiti stationierten Uno-Truppen. "Erst haben sie den Fluss Artibonite verseucht, und jetzt schießen sie in Cap Haïtien auf uns", hieß es in einem Beitrag zum Blog Haiti News.

Die nepalesischen Uno-Soldaten gerieten unter Verdacht, weil der Cholera-Ausbruch in der Nähe ihres Lagers begann. Die Soldaten trafen im Oktober in Haiti ein. Kurz zuvor hatte es in Nepal eine Cholera-Epidemie gegeben.

"Die Art, wie sich die Ereignisse entwickelt haben, führt zu der Annahme, dass diese Vorkommnisse politisch motiviert waren und dazu dienten, im Vorfeld der Wahlen ein Klima der Unsicherheit zu erzeugen", kommentierte die Uno die Ausschreitungen. Sie rief die Haitianer auf, sich vor den Präsidentschaftswahlen am 28. November nicht durch "die Feinde der Stabilität und der Demokratie" missbrauchen zu lassen.

"Größte Epidemie, die die Karibik je erlebt hat"

Unterdessen verstärken die Hilfsorganisationen ihre Aufklärungskampagnen im ganzen Land. "Ich würde behaupten, wir werden hier die größte Epidemie, die die Karibik je erlebt hat, sehen", sagte Joost Butenop von Caritas International am Dienstag. "Die Menschen haben nicht ausreichend Wasser, sie haben keine Sanitäreinrichtungen, und sie haben auch kein Wissen über die Cholera."

Das Kinderhilfswerk Unicef und seine Partner starteten am Montag eine Kampagne, um nach und nach 85 Prozent der Kinder in Haiti mit Vitamin-A-Tabletten und Entwurmungstabletten zu versorgen sowie viele von ihnen zu impfen. Wie Unicef am Dienstag weiter berichtete, sollen in dieser Wochen mehrere Millionen Tabletten zur Wasserreinigung nach Haiti gelangen. Seit vergangener Woche seien bereits 4,4 Millionen Tabletten verteilt worden.

kng/dpa/AFP/dapd



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Der Pragmatist 16.11.2010
1. Korruption und Faulheit
Zitat von sysopDie Lage auf Haiti spitzt sich zu. Inzwischen sind mehr als 1000 Menschen an der Cholera gestorben. Während die*Seuche umvermindert um sich greift, entlädt sich der Unmut der*Einwohner in gewaltsamen Protesten gegen die Uno-Blauhelme. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,729521,00.html
Was ist das fuer ein Land, wo ein Jahr nach der grossen Katastrophe und nach Erhalt von hunderten von Millionen an Spenden, fast die gesammte geschaedigte Bevoelkerung immer noch auf der Strasse und in Zelten wohnt und Trinkwasser aus Jauchetuemplen bezieht? Was machen die Millionen von Arbeitslosen in Haiti? Statt nicht zu tun, sollten sie einmal anfangen, die Truemmer aufzuraeumen und Unterkuenfte zu bauen. Ich weiss, ich weiss, jetzt werde ich von den Foristen sofort als Rassist beschimpft, werde diesen Titel dann aber mit Wuerde tragen. Pragmatist
greeper, 16.11.2010
2. Neandertaler
Zitat von sysopDie Lage auf Haiti spitzt sich zu. Inzwischen sind mehr als 1000 Menschen an der Cholera gestorben. Während die*Seuche umvermindert um sich greift, entlädt sich der Unmut der*Einwohner in gewaltsamen Protesten gegen die Uno-Blauhelme. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,729521,00.html
Erdbeben in Indien, Tsunami in Thailand, Flut in China - überall helfen sich die Leute, auch die ärmsten. Nur wenn in Haiti ein Erdbeben passiert, wird am nächsten Tag gleich gebrandschatzt und geplündert. Dann bricht die Cholera aus und die Leute haben nichts besseres zu tun als ein Krankenhaus für Cholerakranke zu attakieren. Und dann die Blauhelme zu attakieren "weil die ja die Cholera ins Land gebracht haben". Wenn ich mir diese "Neandertaler" anschaue, dann glaube ich, man sollte der Evolution da einfach mal ihren Lauf lassen anstatt groß zu spenden...
Der Pragmatist 17.11.2010
3. Noch ein Rassist
Zitat von greeperErdbeben in Indien, Tsunami in Thailand, Flut in China - überall helfen sich die Leute, auch die ärmsten. Nur wenn in Haiti ein Erdbeben passiert, wird am nächsten Tag gleich gebrandschatzt und geplündert. Dann bricht die Cholera aus und die Leute haben nichts besseres zu tun als ein Krankenhaus für Cholerakranke zu attakieren. Und dann die Blauhelme zu attakieren "weil die ja die Cholera ins Land gebracht haben". Wenn ich mir diese "Neandertaler" anschaue, dann glaube ich, man sollte der Evolution da einfach mal ihren Lauf lassen anstatt groß zu spenden...
Bravo! Gut gesagt. Jetzt wird der greeper, genau wie der Pragmatist, sicherlich als Rassist bezeichnet.
elbröwer 17.11.2010
4. kein Gemeinwesen
Da Haiti der erste Staat der Schwarzen war, war der Rest der Welt, egal welche Greultaten begangen wurden still, weil man ehemalige Sklaven nicht kritisieren darf. Bis zum heutigen Tag hat es diese Bevölkerung nicht gelernt zusammenzuarbeiten. Und es klappt doch meistens. Für Unterkunft und Verpflegung sind doch andere Verantwortlich und wenn das nicht klappt sind die doch schuld.
bernardmarx 17.11.2010
5. soso
Zitat von elbröwerDa Haiti der erste Staat der Schwarzen war, war der Rest der Welt, egal welche Greultaten begangen wurden still, weil man ehemalige Sklaven nicht kritisieren darf. Bis zum heutigen Tag hat es diese Bevölkerung nicht gelernt zusammenzuarbeiten. Und es klappt doch meistens. Für Unterkunft und Verpflegung sind doch andere Verantwortlich und wenn das nicht klappt sind die doch schuld.
Könnte die Tatsache, dass Haiti sich mit einem funktionierenden Gemeinwesen so schwer tut, nicht auch daran liegen, dass es als Staat von Sklaven die sich gegen ihre französischen Herren erhoben hatten von allen Staaten geschnitten und abschätzig betrachtet wurden? Könnte es nicht auch daran liegen, dass Haiti als relativ kleiner Staat durch seine französische Sprache und Kultur und dunkelhäutige Bevölkerung in der Karibik komplett isoliert ist? Könnte es sein, dass die fast 20jährige Besatzung durch die USA Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts mehr Schaden als Nutzen gebracht hat?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.