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Cholera in Haiti: Leichen und Proteste

Foto: EDUARDO MUNOZ/ REUTERS

Haiti Zahl der Cholera-Toten steigt auf über 1400

Die Cholera in Haiti verbreitet sich schneller als von der Uno befürchtet. Seit Ausbruch der Epidemie sind mehr als 1400 Menschen gestorben. Die Lage verschlimmert sich weiter: Es fehlen Ärzte und Pfleger, Medikamente und Betten.

Port-au-Prince - Die Cholera-Epidemie in Haiti ist nicht in den Griff zu bekommen. Seit dem Ausbruch der Krankheit vor knapp einem Monat sind mehr als 1400 Menschen gestorben, wie das Gesundheitsministerium in Port-au-Prince am Dienstagabend (Ortszeit) mitteilte. Nach Einschätzung des Uno-Koordinators für humanitäre Hilfe, Nigel Fisher, ist die Zahl der Toten sogar auf rund 2000 angestiegen.

Nach Angaben der haitianischen Regierung, die auf einer Erhebung vom vergangenen Samstag beruhen, infizierten sich seit Ausbruch der Seuche am 19. Oktober rund 60.000 Menschen, von denen noch gut 25.000 behandelt werden.

Es mangelt jedoch an ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten. Die Vereinten Nationen suchen händeringend Mediziner. "Wir brauchen dringend mehr Ärzte. Noch dringender suchen wir aber Schwestern und Pfleger", sagte Fisher am Dienstag via Videokonferenz zwischen Port-au-Prince und dem Uno-Hauptquartier in New York. Auch das Material werde knapp. "Wir haben überall Sorgen. Bei den Betten, bei den Medikamenten und bei anderen Dingen. Dafür brauchen wir dringend Hilfe von außen."

Die Epidemie wird nach Fishers Befürchtung noch mindestens ein Jahr dauern. "Wir tun alles, was wir können. Aber solch eine Seuche kann man nicht in ein paar Wochen oder Monaten in den Griff bekommen." Aus einigen Regionen gebe es kaum Informationen. Es müsse von bis zu 70.000 Erkrankten ausgegangen werden.

Die meisten Opfer wurden im Department Artibonite verzeichnet, wo die Krankheit ausgebrochen war. In der Hauptstadt Port-au-Prince, wo im Januar ein Erdbeben rund 230.000 Menschen das Leben kostete, starben nach offiziellen Angaben 74 Menschen an der Cholera.

Seit einigen Tagen setzen die Behörden in Port-au-Prince die Cholera-Toten in einem Massengrab außerhalb der Stadt bei. In anderen Städten Zentralhaitis waren die Toten bereits vor Tagen verbrannt worden.

Nach wie vor gebe es keine Hinweise, dass Uno-Personal die Krankheit eingeschleppt habe, sagte Fisher: "Es gab mehrere Tests, alle waren negativ." Zudem gebe es bisher nicht einen Uno-Mitarbeiter, der Cholera-Symptome zeige.

Vor einiger Zeit waren Gerüchte aufgekommen, Uno-Mitarbeiter aus Nepal hätten die Cholera eingeschleppt - es kam zu Protesten gegen die Blauhelme.

Die Vereinten Nationen fürchten weitere Gewaltausbrüche vor den Wahlen in Haiti am Sonntag. "Das Potential ist leider da, und wir müssen auf alles gefasst sein", sagte der Chef der Uno-Mission Minustah, Edmond Mulet. Unterdessen kam es am Montag im Süden Haitis zu Zusammenstößen zwischen Anhängern zweier Parteien mit zwei Toten. Derzeit sei die Lage aber trotz aller Anspannung ruhig, sagte Mulet.

siu/dpa/dapd
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