Möglicher Fluchtversuch Attentäter von Halle nach Zwischenfall verlegt

Stephan Balliet gelang es, über einen meterhohen Zaun in der JVA zu klettern. Jetzt wurde der Attentäter von Halle verlegt. Jetzt soll der Rechtsausschuss des Landtags zu einer Sondersitzung zusammenkommen.
Aufsehenerregender Zwischenfall in der Justizvollzugsanstalt in Halle

Aufsehenerregender Zwischenfall in der Justizvollzugsanstalt in Halle

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Nach einem Zwischenfall in der Justizvollzugsanstalt Halle ist Stephan Balliet, der Attentäter von Halle, in ein anderes Gefängnis verlegt worden. Balliet befindet sich nun in der Justizvollzugsanstalt Burg. Das bestätigte ein Sprecher des Justizministeriums von Sachsen-Anhalt dem SPIEGEL. Burg ist das größte Gefängnis in dem Bundesland.

Balliet sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Im Oktober 2019 versuchte Balliet, während des jüdischen Jom-Kippur-Fests schwer bewaffnet in eine Synagoge in Halle einzudringen. Nachdem er an der Tür gescheitert war, tötete er auf seiner Flucht zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer. Im Juli soll der Prozess gegen ihn in Magdeburg starten.

Inzwischen sind weitere Details zu dem Zwischenfall in der JVA bekannt: Am Samstag war es Balliet gelungen, bei einem Freigang in einem Innenhof über einen 3,40 Meter hohen Maschendrahtzaun zu klettern. Man könne von Fluchtabsicht sprechen, sagte der Sprecher des Justizministeriums. Wie es dazu kommen konnte, ist seinen Angaben zufolge noch ungeklärt.

Für Balliet galten besonders strenge Auflagen: Er durfte während seines Freigangs keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben und sollte ständig von zwei männlichen Beamten begleitet werden. Die Beamten, die an diesem Tag zuständig waren, wurden inzwischen in andere Bereiche versetzt, teilte das Ministerium  mit.

Nachdem er über den Zaun geklettert war, soll sich Balliet fünf Minuten im Innenbereich der Anstalt bewegt haben. So soll er in ein Gebäude gegangen sein, in dem Gefangene normalerweise vor ihrem Abtransport warten. Als er dort nicht weiterkam, sei er zurück in den Innenbereich gegangen. Dort hätten Beamte ihn wieder in Gewahrsam genommen. Balliet soll dabei keinen Widerstand geleistet haben, so das Ministerium.

Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Leitung der als "Roter Ochse" bekannten Justizvollzugsanstalt Halle für Donnerstag in das Justizministerium einbestellt, um weitere Auskunft über den Zwischenfall zu geben. Derzeit werden die Videoaufzeichnungen ausgewertet. Zudem soll es in der kommenden Woche eine Sondersitzung des Rechtsausschusses geben.

Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) zeigte sich entsetzt und kündigte Konsequenzen an. Das Gefängnispersonal habe ganz offensichtlich Vorschriften verletzt, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "Das muss Folgen haben." Den Vorfall bezeichnete die Ministerin als "furchtbar". Kritik an der Ministerin kam vom Koalitionspartner SPD. "Ich bin schockiert über den Vorfall im 'Roten Ochsen'", teilte die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Silke Schindler, mit. "Ich bin aber ebenso befremdet über das Informationsverhalten der Justizministerin." Die Abgeordneten hätten aus der Presse von dem Vorfall erfahren. Der rechtspolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Striegel, sagt, es "schaffe nicht unbedingt Vertrauen", wenn das Ministerium lediglich mit einer Pressemitteilung die Abgeordneten informiere. Für die Betroffenen des Anschlags sei es außerdem "eine unzumutbare Situation".

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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