Überflutungen in Österreich Ein Nachbar wird zum Hochwasser-Helden

Die österreichische Stadt Hallein wurde überschwemmt. Nun wird ein Anwohner für seinen Einsatz gefeiert. Und der Naturschutzbund wehrt sich gegen den Vorwurf, das geplante Hochwasserschutzprojekt verhindert zu haben.
Hallein in Österreich (Aufnahme vom 18. Juli): Die Altstadt ist überflutet

Hallein in Österreich (Aufnahme vom 18. Juli): Die Altstadt ist überflutet

Foto: -- / dpa

Alexander Eisenmann will sein Haus gerade gegen die Wassermassen sichern, da sieht er, wie zwei Menschen auf der überschwemmten Straße verzweifelt versuchen, nicht von den Fluten fortgerissen zu werden. Was dann geschieht, hat er unter anderem dem Sender »Kronehit« erzählt, ein Video dokumentiert die dramatischen Sekunden im österreichischen Hallein. Eisenmann rennt zu den beiden, reicht ihnen den Arm, gemeinsam werden sie abgetrieben – zu ihrem Glück in einen Hof hinein, wo sie wieder auf die Beine kommen.

»Hätte es uns weiter Richtung Kothbach getrieben, hätten wir wenig machen können dagegen«, so Eisenmann. »Dann wäre es richtig, richtig doof ausgegangen«, sagte er der »Bild«. Zunächst habe er gar nicht erkannt, dass es sich bei den beiden Menschen in der Flut um seine Nachbarn, die Eheleute Karaaslan, gehandelt habe. Nun sei er froh, dass es gut gegangen ist und auch die Nachbarn wohlauf seien.

Auf Twitter bedankte sich der türkische Botschafter in Österreich bei Eisenmann, der sein eigenes Leben riskiert habe, um das Ehepaar zu retten.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Das Video zeigt, welch dramatische Ausmaße die Überschwemmungen in den vergangenen Tagen auch in Österreich angenommen haben. Sintflutartig geregnet hatte es in Salzburg, Tirol und der Hauptstadt Wien. Auch dort waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. Im Stadtgebiet von Hallein sei Zivilschutzalarm ausgelöst worden, ebenso wie in Mittersill im Pinzgau sowie in Kufstein in Tirol, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA. In der Stadt Salzburg wurde der Hochwasserschutz entlang der Salzach aufgebaut. In Kufstein wurden die Menschen aufgefordert, Gebäude nicht zu verlassen und sich in höhere Stockwerke zurückzuziehen. Im Stadtgebiet erreichte das Wasser der Zulaufbäche des Inns bereits die Straßen. Wegen möglicher Erdrutsche wurde ein Teil der Felbertauernstraße gesperrt.

»Wir werden die Betroffenen nicht alleine lassen«

Sebastian Kurz

In Wien sorgten starker Regen und Gewitter für Hochbetrieb bei den Feuerwehren. Meist wurden die Einsatzkräfte wegen überfluteter Keller oder Unterführungen gerufen. »Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt, der Pegel der Donau ist stabil«, gab Feuerwehr-Pressesprecher Christian Feiler Montagvormittag für Wien Entwarnung, wie der ORF berichtete . Laut »Der Standard«  liefen am Montag die Aufräumarbeiten in vielen Teilen von Niederösterreich, Tirol, Salzburg und Oberösterreich an. Die Wetterlage hat sich hier leicht gebessert, Einsatzkräfte sprachen von einer verhältnismäßig ruhigen Nacht.

Kanzler Kurz versprach den Betroffenen schon am Wochenende Hilfen und dankte allen Einsatzkräften.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Hochwasserschutzprojekt konnte nicht umgesetzt werden

Hallein im Salzburger Land, wo Alexander Eisenmann seine Nachbarn gerettet hat, ist einer der Orte, die bislang wohl am schwersten beschädigt worden sind. Der Kothbach, der durch die Stadt fließt, entwickelte sich zu einem reißenden Fluss, Autos, Autoreifen, Mülltonnen und Baumstämme wurden durch die Altstadt getrieben. Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) sprach im Österreichischen Rundfunk (ORF) von Millionenschäden und bat auf Facebook um Spenden.  Die Lage ist hier weiter angespannt. Die Behörden sicherten nun tiefer gelegene Teile der 22.000-Einwohner-Stadt an der bayerischen Grenze gegen eine neuerliche Überflutung, berichtet der Bayerische Rundfunk.  Mehrere Dutzend Bewohner einer Siedlung mussten ihre Wohnungen räumen.

Vor Jahren schon sollte in Hallein ein Hochwasserschutzprojekt umgesetzt werden, doch der Naturschutzbund legte dagegen immer wieder Beschwerde ein, wie die »Salzburger Nachrichten« berichten . Für das Projekt hätte eine neue Straße gebaut werden und ein Wanderweg verlegt werden müssen. Das Projekt verschlinge 800 Kubikmeter Beton und verursache 800 Tonnen CO₂, sagte der Naturschutzbundchef im März 2020 den »Salzburger Nachrichten«. Eine »schonendere« Variante lehnten die betroffenen Grundbesitzer ab. Laut Bürgermeister Stangassinger hätte das Unglück größtenteils verhindert werden können, wenn das Projekt umgesetzt worden wäre.

Zerstörte Innenstadt von Hallein

Zerstörte Innenstadt von Hallein

Foto: Jan Hetfleisch / Getty Images

Auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sagte, das Hochwasser hätte man verhindern können. Das Genehmigungsverfahren für das Hochwasserschutzprojekt in Hallein läuft seit 2016 und »konnte aufgrund von Einsprüchen des Naturschutzbunds Salzburg bis Ende 2020 nicht umgesetzt werden«, zitiert der ORF die Ministerin.  Der Naturschutzbund widerspricht: Es habe einen Einspruch gegen einen Teilbereich gegeben, und der Verbund habe eine Alternative erarbeitet, die auch laut Wildbach- und Lawinenverbauung gleich wirksam und gleich teuer, aber landschaftsschonender und umweltfreundlicher gewesen wäre.

Der Retter von Hallein, Alexander Eisenmann, wird nun für seinen Einsatz als Held gefeiert. Zahlreiche türkische Politiker bedankten sich bei Eisenmann für die Rettung des türkischen Ehepaars. »In der Situation handelst einfach, da denkst du nicht nach«, sagte Eisenmann der »Kronen Zeitung«.  »So eine Entscheidung muss man natürlich schnell treffen, und ich bin einfach losgerannt, sehr wohl in dem Wissen, dass gegen die Kraft des Wassers eigentlich kein Kraut gewachsen ist.« Eisenmann bedankte sich ebenfalls bei allen Helfern. Freunde, Bekannte, völlig Fremde hätten mitangepackt, und dann sei sogar noch die Familienkatze wieder aufgetaucht.

Mit Material von dpa