Halleneinsturz Weitere Tote in Kattowitz geborgen

Drei Tage nach dem Einsturz der Messehalle bei Kattowitz haben Bergungskräfte drei weitere Leichen gefunden. Die Zahl der Toten stieg damit auf 65. Jetzt befürchten Rettungsexperten, es könnten sich noch mehr Opfer unter den Trümmern befinden.


Chorzow - Nachdem ein Spürhund angeschlagen hatte, schoben Rettungskräfte eine Kamera zwischen die Trümmer der eingestürzten Halle, berichtete Präfektursprecher Krzystof Mejer heute der Nachrichtenagentur AFP. Auf Bildern seien zwei Leichen zu sehen, die unter Metallstreben eingequetscht seien. Eine weitere fanden die Helfer später am Tag. Behördenangaben zufolge wurden etwa 170 Menschen verletzt, als das schneebedeckte Dach der Halle während einer internationalen Brieftaubenausstellung am Samstag einstürzte. 84 Menschen liegen noch im Krankenhaus, darunter mindestens ein Schwerverletzter.

Rettungskräfte am Unglücksort
DPA

Rettungskräfte am Unglücksort

Zwei Expertenteams sollen nun die Gründe für den Dacheinsturz ermitteln und gleichzeitig prüfen, wie die Trümmer der Halle abgetragen werden könnten. "Wir werden kein schweres Gerät benutzen", betonte Mejer und verwies darauf, dass auch jetzt noch Tote unter den Trümmern liegen könnten.

Ersten Ermittlungen zufolge waren zum Zeitpunkt des Unglücks Notausgänge versperrt. Mehrere Türen wiesen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Spuren auf, die auf ein gewaltsames Aufbrechen von Innen hindeuteten. Zeugen hatten zudem berichtet, dass die Notausgänge von den Eingeschlossenen mit Bänken und Feuerlöschern aufgestoßen werden mussten.

Justizminister Zbigniew Ziobro sprach von "schweren Fahrlässigkeiten" der Hallenbetreiber. So sei ein Großteil des Daches von einer "dicken Eisschicht" bedeckt gewesen. Es sei "naiv" zu denken, dass dies nichts mit dem Einsturz des Hallendaches zu tun haben könnte. Die Betreibergesellschaft hatte am Wochenende erklärt, sie habe das Dach regelmäßig kontrolliert und vom Schnee befreit.



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