Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Vom Priester zertrampelt

Smashing Pumpkins Priester zerstört »satanische« Halloween-Kürbisse

Kinder schnitzen Deko für einen Laternenumzug. Und anstatt sich darüber zu freuen, glaubt ein katholischer Geistlicher, sie vor dem Bösen bewahren zu müssen. Klingt nach Monty Python, ist so aber passiert.

Es ist eher selten, dass die 439 Einwohner des tschechischen Dorfes Kurdejov ihren Ort in internationalen Schlagzeilen wiederfinden. An diesem Wochenende jedoch passiert genau das, nachdem es in dem idyllischen Örtchen zu Akten von sinnlos erscheinendem Vandalismus gekommen war.

Kindergruppen hatten Anfang der Woche für ein geplantes »Lichtfest« mit spätabendlichem Laternenumzug liebevoll Halloween-Kürbisse gestaltet, die als Laternen den Wegrand in einem Park säumen sollten. Doch zwei Nächte in Folge zerstörte ein zunächst Unbekannter die Dekoration.

Einige der Kinder, die erstmals am Morgen des 16. Oktober ihre Kürbisse zu Matsch zertreten vorfanden, brachen spontan in Tränen aus, berichten Mitglieder einer örtlichen Facebook-Gruppe . Über die drang dann auch der Rest der Nachricht in die Welt, denn schon am 17. Oktober wurde klar, wer der Täter war: der örtliche katholische Pfarrer Jaromir Smejkal.

Der hatte nicht wahrgenommen, dass die Kürbisse von Kindern produziert wurden, schrieb er in einem Brief an den Dorfbürgermeister, der in der Facebook-Gruppe des Dorfes veröffentlicht wurde.

Was er stattdessen wahrnahm: »Als ich am Sonntagabend das Pfarrhaus verließ, sah ich zahlreiche Symbole des satanischen Festes ›Halloween‹, das in unserer heutigen, heidnischer werdenden Welt als Gegengewicht zu den bevorstehenden Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen entstanden ist, vor unserem heiligen Gelände aufgestellt. Ich handelte gemäß meinem Glauben und meiner Pflicht, ein Vater und Beschützer der mir anvertrauten Kinder zu sein, und entfernte diese Symbole.«

Eine Entschuldigung klingt anders, fanden manche Facebook-Teilnehmer, deren zunehmend hitzige Diskussion bald von der Seite entfernt wurde. »In unserem Dorf soll kein Platz für Hass sein«, kommentierte der Seitenverwalter – und deaktivierte die Kommentarfunktion bis auf Weiteres.

Halloween-Kürbis: Bei Kindern und als jahreszeitliche Deko beliebt

Halloween-Kürbis: Bei Kindern und als jahreszeitliche Deko beliebt

Foto: A3430 Bernd Thissen/ dpa

Realsatire: fast wie bei Monty Python

Doch da war die Nachricht längst in der Welt: Zuerst stürzten sich britische Boulevardmedien auf die Geschichte über »Smashing Pumpkins« (»Kürbisse zerschlagen«) – die gleichnamige Rockgruppe ist in Großbritannien noch immer sehr populär. Und die Vorstellung von einem katholischen Priester, der zu nächtlicher Stunde vermeintlich satanische Kürbisse platt trampelt, um die Seelen seiner Gemeinde zu retten, klingt nach einem Monty-Python-Sketch.

Dabei ist Pfarrer Smejkals heiliger Furor gegen Halloween ein nicht seltenes Phänomen in der nicht angelsächsischen Welt. In den USA ist Halloween seit Langem ein etabliertes Spaßfest, das sich seit einigen Jahrzehnten über die westliche Welt immer weiter Richtung Osten verbreitet. Das führt mancherorts zu Widerstand, sei es aus religiösen Gründen oder weil Menschen das Fest als »kommerziell« erleben. In Deutschland sind Halloweenpartys und Kinder, die auf der Jagd nach Süßigkeiten von Haus zu Haus gehen, längst etabliert. Nur die ältere Generation hadert noch mit dem vermeintlich »amerikanischen« Fest.

Dabei ist Halloween durch und durch europäisch, dürfte in vergangener Zeit überall da, wo Kelten lebten, vom Kaukasus bis nach Irland gefeiert worden sein. Dort hieß das Fest »Samhein« (gesprochen: Sa-o-ihn), woraus Christen in Amerika später »Halloween« machten – in sprachlicher Anlehnung an Allerheiligen (auf Englisch »All Hallows Eve«).

Satanisch ist das Fest keineswegs, allerdings in seiner Wurzel heidnisch – und wohl deutlich älter als das Christentum. Wie immer, wenn es den christlichen Missionaren schwerfiel, einen etablierten Glauben, Gott oder ein heidnisches Fest zu verbieten, adoptierten und adaptierten sie es: Samhain wurde zum katholischen Allerheiligenfest umgedeutet. Inhaltlich sind beide ursprünglich eng verwandt, zum Grusel-Party-Spaß wurde Halloween erst in neuerer Zeit.

Die Geschichte scheint Pfarrer Smejkal nicht zu kennen, mit der heutigen Variante des Festes aber grundsätzlich ein Problem zu haben. In seiner Erklärung schreibt er von einer »heidnischen, modernen Welt«. Und weiter: »Versuchen Sie, sich daran zu erinnern, dass es meine Pflicht als Autoritätsperson und Priester ist, Kinder und Familien vor dem versteckten Bösen zu schützen.«

In Kurdejov sind sie jetzt erst einmal erleichtert, dass der nächtliche Kürbis-Vandalismus gestoppt wurde. Vorerst ist die Halloween-Deko vor dem Priester sicher.

pat