Braunkohle-Protest gegen RWE – diese Bilder hat die Polizei beschlagnahmt

Die Polizei setzte unseren Fotografen fest.
Foto: Jannis Große

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Hand in Hand gehen Fauen und Männer in Richtung des Braunkohlebaggers. Einige klettern über eine Metalltreppe auf das haushohe Ungetüm. Andere setzen sich vor den Bagger. Sie haben Schlafsäcke dabei. "End coal now" steht auf einem Regenschirm.

Foto: Jannis Große

Das ist auf Bildern zu sehen, die der Fotojournalist Jannis Große, 21, an einem Morgen im vergangenen Oktober gemacht hat. Sie zeigen Aktivistinnen und Aktivisten von "Ende Gelände". Die jungen Männer und Frauen besetzten an diesem Morgen den Bagger von RWE. Sie waren nur einige wenige von Tausenden Demonstrierenden, die gegen den Kohleabbau von RWE am Hambacher Forst protestieren.

Große ist Journalist, im Auftrag von bento sollte er berichten. Wir wollten wissen, wie der Protest gegen RWE abläuft. Für Journalisten ist in solchen Fällen auch interessant, wie Einsatzkräfte reagieren. Beobachten, was passiert, das ist in solchen Fällen unser Job. Damit sich die Öffentlichkeit unabhängig informieren kann und nicht einer der beiden Seiten glauben muss. Meist respektieren Polizistinnen und Polizisten unseren Job.

Diesmal nicht: Die Polizei setzte Große zusammen mit mehreren Aktivistinnen und Aktivisten fest. 

Mehr als zehn Stunden musste er in einer Gefangenensammelstelle ausharren, obwohl er sich als Journalist zu erkennen gab, mit Presseausweis und Redaktionsauftrag – und obwohl er Abstand von den Aktivistinnen und Aktivisten eingehalten hatte.

Große musste sich nackt ausziehen. Die Polizei nahm ihm Kamera und Speicherkarte ab. Die Bilder sollten als Beweismittel genutzt werden, teilte ihm die Polizei mit. Ein staatlicher Eingriff in die journalistische Arbeit – Große widersprach. (bento)

Erst am Montag, rund vier Monate später, hat Große seine Kamera und die Speicherkarte wieder. Statt einer Entschuldigung gibt es Vorwürfe: Hausfriedensbruch und Nötigung einer RWE-Mitarbeiterin wirft ihm die Polizei vor. Große weist die Vorwürfe entschieden zurück. Er habe das Geschehen lediglich dokumentiert, zu keinem Zeitpunkt eine RWE-Mitarbeiterin gesehen.

"Es ist erstaunlich, dass die Polizei vier Monate gebraucht hat, um mir meine Sachen auszuhändigen", sagt Große.

Sie hätten die Bilder von der Speicherkarte ja auch einfach kopieren können.

Jannis Große

Wir zeigen an dieser Stelle die Bilder, die wir schon im Oktober zeigen wollten:

Fotostrecke

RWE-Baggerbesetzung, beschlagnahmte Bilder Jannis Große

Unsere Stellungnahme


Ole Reißmann, Redaktionsleitung bento: "Die Polizei muss sicherstellen, dass Journalistinnen und Journalisten ihrer Arbeit nachkommen können. Das schließt die begleitende Berichterstattung bei öffentlichen Aktionen mit ein. Wir protestieren gegen das Vorgehen gegen unseren freien Mitarbeiter. Die Bilder dienen der Berichterstattung, sie sind von öffentlichem Interesse.

"Ich fühlte mich ausgeliefert."

Jannis Große im Interview

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