Hamburg Bekennerschreiben nach Anschlag auf Lufthansa-Chef

Militante Abschiebungsgegner stecken offenbar hinter dem Anschlag auf das Haus von Jürgen Weber. In dem Bekennerschreiben wird dem Lufthansa-Vorstandschef vorgeworfen, am "Abschiebungsgeschäft" in großem Umfang beteiligt zu sein.


Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Jürgen Weber
[M] REUTERS

Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Jürgen Weber

Hamburg - Einen Tag nach dem Farb-Anschlag auf das Hamburger Haus von Lufthansavorstandschef Jürgen Weber haben sich militante Abschiebungsgegner der Tat bezichtigt. In einem am Dienstag bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eingegangenen Brief heißt es: "Das Geschäft mit Abschiebungen angreifen!" Die Lufthansa sei in großem Umfang an Abschiebungen beteiligt. "Jürgen Weber (...) trägt dafür Verantwortung", heißt es in dem Schreiben. Der Hamburger Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Der Brief prangert den gewaltsamen Tod von zwei Menschen während ihrer Abschiebungen in Lufthansa-Maschinen an. Aus diesem Grund sei das Haus des Managers im Stadtteil Hummelsbüttel mit Farbflaschen beworfen und bereits Anfang dieses Monats ein Lufthansa-Bus in Hamburg-St. Pauli in Brand gesetzt worden.

Das am Dienstag eingegangene Schreiben gleicht einem Text vom Vortag. Darin hatte sich eine namentlich nicht genannte Terrorgruppe bezichtigt, einen Brandanschlag auf das Haus und das Auto einer Amtsärztin von der vergangen Woche begangen zu haben. Die Medizinerin wird darin kritisiert als "Erfüllungsgehilfin der Ausländerbehörde, die Menschen bei Abschiebungen Reisefähigkeit attestiert".

Nach Ansicht der Staatsschutz-Ermittler des Hamburger Landeskriminalamtes weist das Schreiben eine ideologische Nähe zu Verbindungen aus dem autonomen Spektrum auf. Neben einem "Bleiberecht für alle" fordern die Autoren in beiden Texten die Freilassung von inhaftierten mutmaßlichen Anhängern der terroristischen Vereinigung Revolutionäre Zellen/Rote Zora (RZ).

Bei den Anschlägen der militanten Abschiebungsgegner in den vergangenen Tagen wurde niemand verletzt. Es entstand ein Schaden in unbekannter Höhe. Hamburgs Innensenator Hartmuth Wrocklage (SPD) bedauerte, dass mit den "kriminellen Nacht- und Nebelaktionen" diejenigen diskreditiert würden, die sich in redlicher Weise für Flüchtlinge einsetzen würden. "Wer vorgibt, sich für Menschenrechte und Menschenwürde einzusetzen, gleichzeitig aber Menschenleben gefährdet, demonstriert eine durch nichts zu überbietende Scheinheiligkeit und Doppelmoral", betonte der Senator.

Bereits vor gut einem Jahr war der Dienstwagen Wrocklages nach einem Anschlag ausgebrannt. In einem Bekennerschreiben hatte damals eine linksextremistische Gruppe unter anderem die Ausländerpolitik des Senats kritisiert.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.