Gewinnerinnen von Hamburger Stipendium stehen fest 1600 Euro – fürs Nichtstun

Drei Frauen haben ein Stipendium gewonnen, das sie fürs Nichtstun belohnt – ganz so entspannt, wie es sich anhört, ist das allerdings nicht.
Einfach mal abhängen: ganz so einfach ist es nicht

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Foto: Westend61 / imago images

Im vergangenen Jahr hatten sich knapp 3000 Menschen auf ein Stipendium fürs Nichtstun beworben – mit ganz schön viel Aufwand dafür, dass es doch um Tatenlosigkeit ging. Sie mussten eine Bewerbung verfassen und später in einem Bericht Rechenschaft über ihre Pläne ablegen. Doch für Hilistina Banze, Mia Hofner und Kimberley Vehoff hat sich die Mühe gelohnt: Sie erhalten drei mit jeweils 1600 Euro dotierte Stipendien fürs Nichtstun der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK).

Einfach nur Faulenzen dürfen die Gewinnerinnen mit dem Geld aber nicht. Schon im Vorfeld mussten sie genau planen, wie ihr Nichtstun aussehen würde. »Ich werde mein Kopftuch eine Woche nicht tragen«, lautete das Vorhaben von Hilistina Banze. Die Sozialpädagogin und Integrationsberaterin aus Hamburg möchte ihr auf drei Millimeter kurz rasiertes Haar zeigen und so nach eigenen Angaben Rollenklischees entgegentreten.

Mia Hofner, Studentin aus Köln, will für zwei Wochen keine verwertbaren, personenbezogenen Daten von sich an Dritte weitergeben. Und Kimberley Vehoff, Fachkraft für Lebensmitteltechnik aus Bad Fallingbostel, plant das, woran wohl viele zuerst beim Nichtstun denken: Sie möchte nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Ihre sozialen Beziehungen litten unter wechselnden Früh-, Spät- und Nachtschichten, sagt sie.

Das Stipendium der HFBK war auf weltweites Interesse gestoßen – zur Freude des Initiators Friedrich von Borris: »Ich bin total happy, umgangssprachlich würde man sagen geflasht«. Menschen aus aller Welt, darunter Wissenschaftler, Künstler, aber auch Kinder und Rentner, hätten sich für das Projekt beworben. Die Jury habe die Gewinnerinnen aus insgesamt 2864 Bewerbern aus 70 Ländern ausgewählt.

Das Projekt ist Teil der Ausstellung »Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben«, die bis zum 18. Juli im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) zu sehen ist.

lmd/dpa
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