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Einsturzgefahr an der Reeperbahn Hamburger Esso-Häuser sind unbewohnbar

Jetzt steht fest, was schon befürchtet wurde: Die zwangsevakuierten Esso-Häuser an der Hamburger Reeperbahn können nicht länger bewohnt werden. Statiker haben die maroden Gebäude untersucht und neue Risse entdeckt.

Hamburg - Die Bewohner der einsturzgefährdeten Hamburger Esso-Häuser können nicht mehr in ihre Wohnungen zurück. Bei einer Gebäude-Prüfung am Montag waren in der Tiefgarage neue Haarrisse sowie Betonstaub entdeckt worden. Das seien Indizien für eine jüngste Bewegung, teilte das Bezirksamt Mitte mit. Mitarbeiter der Landesprüfstelle Baustatik hatten die maroden mehrgeschossigen Gebäude untersucht.

Nach Anordnung des Bezirksamtes sind die Häuser an einer Esso-Tankstelle an der Reeperbahn gesperrt. Bewohner hatten von wackelnden Wänden berichtet. Die Häuser wurden in der Nacht zu Sonntag geräumt.

Das Bezirksamt hat an die Hamburger Wohnungswirtschaft und Eigentümer appelliert, so viele Ersatzwohnungen wie möglich anzubieten. Anfang des neuen Jahres sollen die rund 100 Mieter zügig in alternativen Quartieren untergebracht werden, wie ein Bezirksamtssprecher sagte.

Amtschef Andy Grote sagte der "Hamburger Morgenpost", dass alle Bewohner Anfang des Jahres eine Möglichkeit bekommen würden, "ihr Hab und Gut aus ihren Wohnungen zu holen". Stünden die Häuser leer, könnte ein Abriss nach Grotes Einschätzung schon im ersten Quartal 2014 geschehen. Die Behörde stehe im engen Kontakt mit dem Grundeigentümer Bayerische Hausbau (BHG).

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Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Seit längerem ist geplant, die Häuser 2014 abzureißen und das Gelände neu zu bebauen. Die Gebäude sind seit Jahren Streitobjekt zwischen Bewohnern, Clubbesitzern, der Esso-Tankstelle und der BHG. Diese erwarb den Gebäudekomplex am Spielbudenplatz im Jahr 2009. Anwohner und Gewerbetreibende befürchten, nach dem Umbau die Miete nicht mehr bezahlen zu können. Die Balkone waren nach einem Gutachten des Bezirksamts Mitte bereits im Februar gesperrt worden. Im Juni dieses Jahres hatte ein weiteres vom Bezirk in Auftrag gegebenes Gutachten festgestellt, dass die Bausubstanz kritisch ist.

Eine Initiative wirft Investoren und Politik vor, sie hätten den Gebäudekomplex vorsätzlich verfallen lassen, was von der Gegenseite bestritten wird. Für kommenden Samstag haben Linksalternative zu einer Demonstration aufgerufen, bei der sie sich für den Fortbestand der Esso-Häuser sowie für das Kulturzentrum Rote Flora einsetzen wollen. Die Polizei erwartet mehr als 3000 Teilnehmer.

wit/dpa
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