Hamburger Terror-Prozess Todespiloten wollten angeblich in Tschetschenien kämpfen

Einige der Terror-Piloten des 11. September wollten angeblich in Tschetschenien an der Seite muslimischer Rebellen gegen die russische Armee kämpfen. Das sagte der mutmaßliche Terror-Helfer Mounir al-Motassadeq während seines Prozesses in Hamburg aus.


Mounir al-Motassadeq: Verbindungen zwischen Terror in den USA und Tschetschenien?
DPA

Mounir al-Motassadeq: Verbindungen zwischen Terror in den USA und Tschetschenien?

Hamburg - Die Todespiloten Mohamed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah sowie ihr kürzlich in Pakistan verhafteter mutmaßlicher Helfer Ramzi Binalshibh hätten im Herbst 1999 über Afghanistan nach Tschetschenien fahren wollen, sagte al-Motassadeq am heutigen Dienstag vor dem Hamburger Oberlandesgericht. Als Grund hätten sie "Massaker, die die Russen dort begangen hatten" genannt, sagte der Angeklagte. "Sie wollten dort kämpfen", erklärte al-Motassadeq. Wann sie sich anders entschieden hätten, könne er nicht sagen. Sie seien nach seiner Kenntnis in Afghanistan in den Trainingslagern von Osama Bin Ladens al-Qaida-Netzwerk geblieben.

Al-Motassadeq ist in dem weltweit ersten Prozess gegen einen der mutmaßlichen Hintermänner der Anschläge des 11. September der Beihilfe zum Mord in 3045 Fällen und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Die Ankläger sehen in dem 28 Jahre alten früheren Elektrotechnikstudenten einen wichtigen Helfer bei der Vorbereitung der Anschläge auf das New Yorker World Trade Center und das US-Verteidigungsministerium.

Das Gericht schloss am heute Vormittag die Befragung al-Motassadeqs ab. Am Mittwoch, dem vierten Prozesstag, sollen erstmals Zeugen vernommen werden. Der Angeklagte bestätigte bisher mehr oder weniger enge Kontakte zu jenen Moslems in Hamburg, die die Bundesanwaltschaft als Terrorzelle mit engen Drähten zum al-Qaida-Netzwerk ansieht. Er bestreitet jedoch, von den Plänen für die Anschläge in den USA gewusst zu haben.

Mit welchen Zeugen das Gericht die Beweisaufnahme beginnen will, wurde heute zunächst nicht bekannt. Insgesamt sind bislang mehr als 160 Zeugen für den Prozess benannt, der voraussichtlich mehrere Monate dauern wird.



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