Nach Hungertod von Kleinkind Oberlandesgericht bestätigt Strafe für Jugendamtsmitarbeiterin

Ein zweijähriger Junge war in der Obhut seiner Mutter verhungert – obwohl das Jugendamt von einer Gefährdung wusste. Nun muss die zuständige Mitarbeiterin eine Geldstrafe zahlen.
Oberlandesgericht Hamm

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Nach dem Hungertod eines zweijährigen Jungen im Sauerland hat das Oberlandesgericht Hamm die Strafe für die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamts in letzter Instanz bestätigt. Die Mitarbeiterin habe es monatelang versäumt, sich einen persönlichen Eindruck vom Zustand des Jungen zu verschaffen, obwohl es Warnungen von einem anderen Jugendamt gegeben habe, hieß es in einer Mitteilung des Gerichts.

So sei ihr das Verhungern des Jungen "pflichtwidrig verborgen" geblieben. "Bei Warnzeichen müssen Jugendamtsmitarbeiter handeln und den Sachverhalt erforschen", sagte ein Gerichtssprecher. Laut Gericht hatte die Mitarbeiterin die Familie innerhalb mehrerer Monate nur ein einziges Mal besucht und auch dabei nicht eingefordert, den Jungen persönlich zu treffen. In dieser Zeit verschlechterte sich der Zustand des Kindes offenbar dramatisch.

3500 Euro Strafe

Mit dem Beschluss (Az.: III-5 RVs 83/20) wird eine Entscheidung des Landgerichts Arnsberg von Anfang 2020 bestätigt. Die Mitarbeiterin des Jugendamts im Hochsauerlandkreis muss 3500 Euro zahlen. Die Mutter des verhungerten Jungen war im Juni 2018 vom Landgericht Arnsberg zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Seit Februar 2019 ist dieses Urteil rechtskräftig.

Der Fall des kleinen Jungen hatte große Bestürzung ausgelöst. Er war als achtes von neun Kindern der alleinerziehenden Mutter Ende Februar 2014 an massiver Unterernährung gestorben. Der zweijährige Junge wog zu diesem Zeitpunkt laut Gerichtsunterlagen nur noch rund 6,5 Kilogramm – das Normalgewicht liegt in dem Alter laut Gericht bei etwa zwölf Kilogramm. Seine jüngere Schwester, zu dem Zeitpunkt noch ein Säugling, konnte nur durch eine intensivmedizinische Behandlung gerettet werden. Auch sie litt unter starker Unterernährung.

lmd/dpa
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