»Strukturelle und praktische Probleme« Deutscher Pater verlässt Vatikan-Kommission für Schutz Minderjähriger

Hans Zollner verlässt überraschend die Päpstliche Kinderschutzkommission – und findet deutliche Worte. Gleich mehrere Probleme würden eine weitere Mitarbeit für den Geistlichen unmöglich machen.
Hans Zollner, hier im Oktober 2021 in Rom

Hans Zollner, hier im Oktober 2021 in Rom

Foto: Alessandra Tarantino / AP

Mit deutlicher Kritik an der Arbeit des Gremiums hat der deutsche Pater Hans Zollner unerwartet die Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen verlassen. »Strukturelle und praktische Probleme« machten eine weitere Mitarbeit in der von Papst Franziskus 2014 eingerichteten Kommission für den gebürtigen Regensburger nicht mehr möglich, wie Zollner mitteilte. Der 56-Jährige war von Beginn an Mitglied in der Kommission und gilt an der Kurie als einer der profiliertesten Kämpfer für die Prävention und Aufarbeitung von Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche.

In seiner Erklärung zum Rücktritt, den der Papst schon am 14. März angenommen habe, zählte Zollner gleich mehrere Probleme innerhalb der Kommission auf. Er sieht etwa Compliance-Probleme, weil nicht klar sei, nach welchen Kriterien die Mitglieder ausgewählt und mit Rollen und Verantwortlichkeiten bedacht würden. Zudem kritisierte er eine unzureichende finanzielle Rechenschaftspflicht. Es müsse klar sein, wie die Gelder innerhalb der Kommission genutzt werden, schrieb er.

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Außerdem werde nicht transparent genug kommuniziert, wie das Gremium Entscheidungen fälle. Ganz grundsätzlich bemängelte Zollner, dass ihm keine Regeln bekannt seien, wie die ursprünglich unabhängige Kommission innerhalb des Dikasteriums für die Glaubenslehre arbeiten könne. Papst Franziskus hatte die Kommission im vorigen Jahr in jene Kurienabteilung, die früher Glaubenskongregation hieß, eingegliedert.

Er bleibe offen für Diskussionen mit der Kommission über den Schutz von Kindern und hoffe, dass die von ihm benannten Probleme gelöst werden, schrieb Zollner weiter. Der Jesuitenpater berät weiterhin die Diözese Rom bei dem Thema und ist Direktor des Instituts für Anthropologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana.

Probleme bei der Kinderschutzkommission gab es bereits seit 2017. Damals verließ die Irin Marie Collins, die als Kind von einem Priester sexuell missbraucht worden war, das Gremium wegen mutmaßlich mangelnder Kooperationsbereitschaft der Kurie. Auch ein weiteres Missbrauchsopfer, der Brite Peter Saunders, stellte seine Mitarbeit in der Kommission ein. Er warf dem Vatikan weitgehende Untätigkeit im Kampf gegen Kindesmissbrauch vor.

Seit Jahren erschüttern Enthüllungen über sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche in der katholischen Kirche. In mehreren Ländern – darunter auch Deutschland – ergaben Gutachten, dass teils jahrzehntelang Täter weder gesucht noch sanktioniert, dafür manchmal aber geschützt wurden. Papst Franziskus will den Kampf gegen Missbrauch und für den Schutz von Kindern verbessern.

aeh/dpa/AFP
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