Rassistische Anfeindungen Harley-Davidson-Händler beleidigt und bedroht Ver.di-Juristen

Ein Jurist der Gewerkschaft Ver.di erhält einen Brief von einem Harley-Davidson-Vertragshändler, in dem er rassistisch angegangen wird. Nun hat er das Schreiben öffentlich gemacht – und wird erneut attackiert.
Harley-Davidson-Händler in Köln (Archiv): »Hier in unserem Land ist das nicht so«

Harley-Davidson-Händler in Köln (Archiv): »Hier in unserem Land ist das nicht so«

Foto: Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

Eigentlich habe ihn diese Wortwahl gar nicht so sehr überrascht, sagte Ocak. Auf Twitter passiere so etwas regelmäßig. »Mich hat es aber schockiert, dass Harley-Davidson so etwas ausgeschrieben hat.«

Onur Ocak arbeitet seit drei Jahren in der Rechtsabteilung der Gewerkschaft Ver.di und vertritt zurzeit eine Mandantin, die bei einem Harley-Davidson-Vertragshändler in Köln als Verkäuferin gearbeitet hat, so erzählt er es dem SPIEGEL. In einem Brief forderte er dazu auf, Auskunft über das Gehalt seiner Mandantin zu geben. Diese wollte klären, warum eine Zahlung niedriger ausgefallen war, als sie erwartet hatte.

Die Antwort des Händlers von Harley-Davidson: »Möglicherweise ist es in dem Land, aus dem Sie stammen, ja üblich, eine Vollmacht lediglich zu versichern, hier in unserem Land ist das nicht so. Und, wenn ihr Titel tatsächlich echt ist, wissen Sie das auch.« Ocak hatte geschrieben, seine Mandantin habe ihm dazu die Vollmacht erteilt, später reichte er sie nach. Er entschied sich, die Antwort des Händlers bei Twitter zu veröffentlichen.

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Ocak kam im Jahr 1989 mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland, sie hatten gegen die Militärdiktatur gekämpft und beantragten Asyl, weil sie politisch verfolgt worden waren. Seit 2001 hat Ocak die deutsche Staatsbürgerschaft, er studierte und promovierte in Bielefeld.

Drohungen aus Köln

Harley-Davidson distanziert sich von dem Vorfall. »Es gibt keinen Platz für Rassismus, Hass oder Intoleranz in der Harley-Davidson Community oder irgendwo sonst. Dies widerspricht zutiefst unserer Unternehmensphilosophie. Wir werden dem Fall intern nachgehen und alle nötigen Schritte und Konsequenzen ziehen«, heißt es vom Marketingmanager des Unternehmens in einem Schreiben an den SPIEGEL.

Doch inzwischen hat Ocak ein weiteres Schreiben erhalten, eine Mail von dem Vertragshändler aus Köln. Darin heißt es, »sollte sich herausstellen, dass Sie (mittelbar oder unmittelbar) hinter dieser ›Kampagne‹ stecken, dürfen Sie sicher sein, nicht nur Ihre Anwaltszulassung zu verlieren«.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Harley-Davidson habe den Gewerkschaftsjuristen beleidigt und bedroht. Tatsächlich stammen die Schreiben von einem Harley-Davidson-Vertragshändler, nicht von dem Unternehmen selbst. Wir haben die Angaben präzisiert.