Verurteilter Hollywood-Produzent Queen wirft Harvey Weinstein aus Ritterorden

Zum "Commander of the British Empire" hatte die Queen Harvey Weinstein im Jahr 2004 ernannt. Nun sitzt der Filmproduzent als verurteilter Vergewaltiger im Gefängnis - und muss den Titel abgeben.
Harvey Weinstein (Archivbild aus dem Februar 2020): Kein Commander mehr

Harvey Weinstein (Archivbild aus dem Februar 2020): Kein Commander mehr

Foto: John Minchillo / AP

Königin Elizabeth II. hat dem verurteilten Vergewaltiger Harvey Weinstein einen Ehrentitel aberkannt. Das geht aus einem am Freitag in London veröffentlichten Gesetzesblatt hervor.

Vor 16 Jahren hatte die Queen Weinstein zum "Commander of the British Empire" gemacht und damit seinen Beitrag zur britischen Filmindustrie gewürdigt. Weinstein hatte verschiedene erfolgreiche Filme produziert, die auf britischer Literatur oder der Geschichte des Vereinigten Königreiches basieren. Darunter "Der englische Patient", "Shakespeare in Love" oder "Enigma".

Als "CBE" erklomm Weinstein die dritte von fünf Stufen des Ritterordens. Er war 1917 von King George V. gestiftet worden, um Menschen zu ehren, die während des Ersten Weltkriegs Bedeutendes geleistet hatten. Heutzutage erhalten ihn vor allem Briten und Ausländer, die sich um das Königreich verdient gemacht haben.

Von der Liste gestrichen

Nun steht im Gesetzesblatt "The London Gazette", die Queen habe die Aberkennung des Ordens befohlen. Weinsteins Name solle zudem von der Liste gestrichen werden. Bereits mit Aufkommen der ersten Vorwürfe gegen Weinstein im Jahr 2017 hatte etwa die Labourabgeordnete Chi Onwurah diesen Schritt gefordert, wie der "Guardian " berichtet.

Auch wenn die Gründe für die Entscheidung nicht im Gesetzesblatt aufgeführt werden, liegen sie auf der Hand: Mehr als hundert Frauen haben Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der Ex-Produzent war Ende Februar in New York von einer Jury der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung für schuldig befunden und im März zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Er sitzt diese Strafe derzeit in einem Gefängnis im Bundesstaat New York ab.

Die juristische Aufarbeitung des Falles ist noch nicht zu Ende: Im Mai war eine Klage von vier Frauen bekannt geworden, die ihm sexualisierte Gewalt vorwerfen. Im Januar hatte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles gegen Weinstein in zwei Fällen Anklage wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erhoben. Für einen möglichen Prozess in Los Angeles haben die Behörden Schritte für die Auslieferung Weinsteins nach Kalifornien eingeleitet.

Vorwürfe gegen den Sohn der Queen

Doch auch das Königshaus ist nicht frei von Skandalen um mutmaßliche sexuelle Übergriffe: Der zweitälteste Sohn der Queen, Prinz Andrew, steht seit Monaten wegen seiner Freundschaft zu dem inzwischen gestorbenen Multimillionär Jeffrey Epstein in der Kritik.

Der einschlägig vorbestrafte US-Geschäftsmann Epstein soll über Jahre hinweg Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Er nahm sich vergangenen Sommer in einer Gefängniszelle in New York das Leben.

Eines der Opfer wirft Prinz Andrew vor, dieser selbst habe sie mehrfach missbraucht. Andrew bestreitet das. Er hat sich inzwischen von seinen offiziellen Aufgaben zurückgezogen. US-Ermittler warfen ihm vor, nicht zu kooperieren - Prinz Andrew hat das zurückgewiesen.

jpz/dpa/AP