Havarie der "Costa Concordia" Hochzeitspaar aus Schiffsrumpf gerettet

An Bord der gekenterten "Costa Concordia" haben Rettungskräfte Überlebende gefunden. Ein südkoreanisches Paar wurde gerettet, es befand sich auf der Hochzeitsreise. Mehr als 30 Menschen gelten als vermisst, im Schiffsrumpf haben Einsatzkräfte Kontakt zu Eingeschlossenen aufnehmen können.

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Rom - Zwei 29-jährige Südkoreaner wollten ihre Flitterwochen an Bord der "Costa Concordia" verbringen, aber beinahe wäre ihnen ihre Hochzeitsreise zum Verhängnis geworden. Das Schiff kenterte, Dutzende Menschen werden noch immer vermisst. Doch mehr als 24 Stunden nach der Havarie vor der toskanischen Küste wurden die Koreaner in der Nacht zu Sonntag von Einsatzkräften gerettet. Sie hatten in einer Kabine im Rumpf des vor der Insel Giglio auf der Seite liegenden Schiffs ausgeharrt.

Dem Paar geht es den Angaben nach den Umständen entsprechend gut. Taucher setzten die Suche nach weiteren Überlebenden im Rumpf des Schiffes auch am Sonntag fort. Das Schicksal von 39 Passagieren ist mehr als 24 Stunden nach der Katastrophe noch ungeklärt.

Am Sonntagmorgen schöpften die Retter Hoffnung: Sie hörten Geräusche in einem schwer zugänglichen Teil des Schiffs. Dort gebe es jedoch durch das Unglück versperrte Türen und andere Hindernisse auf dem Weg zu möglichen Überlebenden, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Geräusche hatten die Retter in der Nacht auch zu dem koreanischen Paar geführt.

"Wir haben die Privatsphäre der Leute gewahrt"

Die "Costa Concordia" war am späten Freitagabend auf einen Felsen vor der Insel Giglio gelaufen. Nach starkem Wassereinbruch neigte sich das Schiff und kippte schließlich auf die Seite. Bei der Evakuierung spielten sich nach Angaben von Passagieren chaotische Szenen ab. Mindestens drei Menschen starben, 60 wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Auch etwa zehn deutsche Passagiere erlitten nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft leichte Verletzungen.

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Unglück der "Costa Concordia": Die Retter kämpfen gegen die Zeit
Kapitän Francesco Schettino wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Herbeiführung eines Schiffbruchs. Der genaue Unfallhergang ist nach wie vor unklar.

Die mehr als 560 deutschen Passagiere der "Costa Concordia" kehrten nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft am Samstagabend nach Deutschland zurück. Sie seien mit Linienmaschinen der Lufthansa in München oder Frankfurt gelandet und zum Teil von dort weiter in ihre Heimatorte geflogen, sagte Costa-Sprecher Werner Claasen. "Wir haben die Privatsphäre der Leute gewahrt und viele auf Wunsch abgeschirmt aus den Airports bringen lassen. Die wollten einfach nur nach Hause."

Der Präfekt von Grosseto, Giuseppe Linardi, berichtete laut Ansa, dass 4232 Menschen aus 62 Ländern an Bord der "Costa Concordia" gewesen seien. Bisher habe man allerdings erst Erkenntnisse über den Verbleib von 4191 Personen. "Wir sind dabei, alle Möglichkeiten zu überprüfen", sagte Linardi.

Ursachenforschung nach dem Unglück

Kapitän Schettino hatte gesagt, die "Costa Concordia" sei auf dem Weg von Civitaveccia nach Savona über einen in nautischen Karten nicht verzeichneten Felsen geschrammt. Anschließend habe man das Schiff möglichst dicht an die Insel Giglio heranmanövriert, um die Rettungsmaßnahmen zu erleichtern.

Über die genauen Ursachen für das Unglück kann derzeit nur spekuliert werden. Die in Genua ansässige Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, zu deren Flotte die "Costa Concordia" gehört, analysiert den Ablauf derzeit. In italienischen Radioberichten ist bereits von einem Navigationsfehler des Kapitäns die Rede. Andere Berichte sehen einen Stromausfall als mögliche Ursache an. Dieser könnte zum Ausfall der Navigationssysteme geführt haben. Doch derzeit mangelt es noch an Fakten, die Vermutungen müssen erst noch geprüft werden.

Die Küstenwache befürchtet inzwischen einen vollständigen Untergang der "Costa Concordia". Das Kreuzfahrtschiff befindet sich derzeit an einer 30 Meter tiefen Stelle, könnte aber in tieferes Gewässer abrutschen und vollständig sinken. Die Präfektur in Grosseto teilte mit, sie lasse prüfen, wie die 2400 Tonnen Treibstoff in den Tanks des Schiffes gesichert werden könnten, um eine größere Umweltverschmutzung zu vermeiden.

Für Informationen hat das Kreuzfahrtunternehmen eine Hotline mit der Rufnummer 040/570121314 eingerichtet.

als/han/dpa/dapd

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