Havarie im Hamburger Hafen Tanker hat noch 960 Tonnen Schwefelsäure an Bord

Im Rumpf des im Hamburger Hafen verunglückten Tankschiffes befinden sich fast 1000 Tonnen stark ätzende Schwefelsäure. Anscheinend sind die vier Haupttanks bei der Kollision des Spezialtankers mit einem Containerschiff aber nicht beschädigt worden.

Von Roman Heflik




Gekentertes "ENA 2": 960 Tonnen Säure im Rumpf
DPA

Gekentertes "ENA 2": 960 Tonnen Säure im Rumpf

Hamburg - "Bislang können wir keine größeren Austrittsmengen feststellen", sagte Peter Braun, Pressesprecher der Hamburger Feuerwehr, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Ob das kieloben treibende Schiff irgendwelche verborgenen Lecks hat, soll die Bergungsfirma feststellen, deren Schwimmkran am Abend erwartet wird. Bei einer Krisenkonferenz am Mittag soll das weitere Vorgehen der Bergungskräfte besprochen werden.

Die Menge der Giftfracht bezifferte Braun auf 500.000 Liter. Eine Sprecherin der Norddeutschen Affinerie (NA), des Besitzers des Spezialschiffes, bezifferte die Größe der Fracht auf 960 Tonnen. Die NA stellt Kupfer her, bei dessen Verarbeitung jährlich rund eine Million Tonnen Schwefelsäure anfallen. Die Säure wird an die chemische Industrie weiterverkauft und muss zum Transport im Hamburger Hafen umgeladen werden.

Die Feuerwehr hat nach eigenen Angaben inzwischen Messstellen um die Unglücksstelle im Petroleumhafen herum eingerichtet, um vor eventuell aufsteigenden Säuredämpfen warnen zu können. Zwar sei die Schwefelsäure schwerer als Wasser und sinke daher eher an den Hafengrund, sagte der Feuerwehr-Sprecher. Gerate die Säure jedoch an die Oberfläche, bestehe das Risiko, dass sich explosives Knallgas bilde. Wasserwerfer belegen daher momentan das Hafenbecken mit einem ständigen Wasserschleier, der Gase binden soll. Um das Schiff herum wurde eine Druckluft-Öl-Sperre errichtet, die möglicherweise auslaufende Säure eindämmen soll.

Einsatzkräfte am Petroleum-Hafen: Ein Containerterminal gesperrt
DDP

Einsatzkräfte am Petroleum-Hafen: Ein Containerterminal gesperrt

Der Doppelhüllen-Tanker "ENA 2" der Norddeutschen Affinerie war gestern Abend mit dem auslaufenden Containerschiff "Pudong Senator" kollidiert, das bei dem Zusammenstoß jedoch unbeschädigt blieb. Die beschädigte "ENA 2" dagegen schaffte es aus dem Fahrwasser nur noch bis zu ihrer Anlegestelle, bevor das Schiff kenterte. Die Ursache des Unfalls ist noch unklar. Wie die Polizei mitteilte, wird wegen des Verdachts der Trunkenheit gegen den Kapitän ermittelt.

Nach Angaben des Oberhafenamtes wurde der Schiffsverkehr im Hamburger Hafen nur in der Nacht zeitweilig gestört. Zur Zeit bleibe noch ein Containerterminal aus Sorge um giftige Dämpfe gesperrt. Der Wind hatte nach dem Unglück eine Dampfwolke aus Schwefelsäure über den Hafen getrieben. Acht Hafenarbeiter und zwei Polizisten hatten dabei Reizungen der Augen erlitten. Offenbar war die Schwefelsäure durch das Entlüftungssystem des Spezialschiffes ins Wasser ausgetreten und hatte dort ein Fischsterben verursacht. Bei Menschen haben die Dämpfe der Säure eine ätzende Wirkung auf Atemwege und Schleimhäute.



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