Havarierte Ostseefähre Experten bergen Black Box der "Lisco Gloria"

Warum explodierte die Ostseefähre "Lisco Gloria"? Eine Antwort auf diese Frage könnte die Black Box geben, die nun geborgen wurde. Im Anschluss sollen Experten der Versicherung für eine vorläufige Bewertung des Schadens an Bord des ausgebrannten Schiffes gehen.


Langeland - Vier Tage nachdem die litauische Ostseefähre nach einer Explosion in Brand geraten war, haben Experten die Black Box der havarierten "Lisco Gloria" geborgen. Sie biete "weitere Möglichkeiten für Ermittlungen", sagte der Sprecher der Reederei DFDS, Gert Jakobsen, am Dienstag im dänischen Kopenhagen.

Die Black Box soll an die Kieler Wasserschutzpolizei übergeben werden. Sie ermittelt im Auftrag der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen zur Unglücksursache.

Das Schiff liegt derzeit knapp vier Kilometer südlich der dänischen Insel Langeland. "Das Schiff liegt stabil im Wasser", sagte Jakobsen. Bevor der Havarist für eingehendere Untersuchungen verschleppt werden kann, müsse zunächst das Löschwasser aus dem Rumpf des Schiffes gepumpt werden, sagte Jakobsen.

Voraussichtlich in den kommenden Tagen sollen Experten der Versicherung für eine vorläufige Bewertung des Schadens an Bord gehen. Obwohl das Oberdeck des ausgebrannten Schiffs einem Trümmerfeld gleicht und an der Steuerbordseite ein mehrere Quadratmeter großes Loch in der Außenwand klafft, sind die Schäden in den unteren Decks laut Jakobsen geringer. Der Maschinenraum ist nicht ausgebrannt. Unklar ist allerdings, ob die Maschine noch funktioniert.

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Katastrophe auf der "Lisco Gloria": Schwierige Bergung
An Bord des Havaristen sind neben 200 Tonnen Schweröl auch 18 Tonnen Diesel und 25 Tonnen Maschinenöl. Mehrere Spezialschiffe sind an der Unglücksstelle, um notfalls einzugreifen. Bislang ist laut der Seenotleitstelle SOK aber kein Öl ausgetreten. Die Dänen hatten die Gesamteinsatzleitung in der Nacht zum Montag vom deutschen Havariekommando in Cuxhaven übernommen, nachdem die Fähre in dänische Hoheitsgewässer getrieben war.

Die "Lisco Gloria" war wenige Stunden nach ihrem Auslaufen in Kiel in der Nacht zum Samstag nach einer Explosion in Brand geraten. Nördlich der deutschen Ostseeinsel Fehmarn wurden in einer dramatischen Rettungsaktion alle 236 Passagiere und Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht. Sie wurden von der Fähre "Deutschland" aufgenommen und nach Kiel gebracht. 28 Menschen kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus, die meisten von ihnen erlitten Rauchvergiftungen.

jjc/dapd



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