Heckenschütze von Washington Die Tötungsmaschine des Snipers

Die US-Polizei ist sicher, den gefürchteten Heckenschützen gefasst zu haben: Ein wichtiges Indiz: Die Fahnder stellten ein Präzisonsgewehr sicher, das dasselbe Kaliber hat wie die Mordwaffe. Und sie entdeckten offenbar eine mörderische Vorrichtungen an dem Fahrzeug des Verdächtigen.



Washington - Der Ex-Soldat John Allen Mohammed, 42, und sein 17-jähriger Stiefsohn John Lee Malvo gelten als dringend verdächtig, die insgesamt 13 Anschläge, bei denen zehn Menschen ermordet wurden, verübt zu haben. Mohammad hatte zwei große Löcher in den Kofferraum seines Autos geschnitten - nach den Vermutungen der Polizei, um von dort aus seine Schüsse abfeuern zu können. Diese Löcher seien so angeordnet, dass eines für den Lauf des Gewehres, das andere für das Zielfernrohr passe, berichtete der US-Sender CNN am Donnerstagabend unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden. Eine "wahre Tötungsmaschine", wie ein Ermittler sagte..

Zunächst hatte es geheißen, dass die beiden Männer nicht als Täter in Frage kämen, sondern nur wichtige Zeugen seien. Wenige Stunden später folgte die dramatische Kehrtwende: US-Medien berichteten unter Berufung auf Polizeiquellen, dass die beiden Männer als tatverdächtig gelten und des mehrfachen Mordes angeklagt würden.

Ein ranghoher Regierungsvertreter sagte, Präsident George W. Bush sei bereits davon unterrichtet worden, dass die Behörden halbwegs sicher seien, den Fall gelöst zu haben. Vom Weißen Haus wurde diese Aussage am Donnerstag nicht dementiert.

Mitglieder der "Sniper Task Force" hatten die beiden Männer zuvor an einem Rastplatz auf einer Schnellstraße in Frederick County im US-Staat Maryland festgenommen. Sie waren in einem Auto unterwegs, nach dem im Zusammenhang mit der Heckenschützen-Fahndung gesucht wurde. Ein Passant gab den entscheidenden Tipp.

In Kofferraum des Autos, einem blauen Chevrolet Caprice, ist nach Angaben von US-TV-Sendern ein "Bushmaster"-Sturmgewehr gefunden worden. Bei der Waffe handelt es sich um eine für Jagd- und Wettbewerbszwecke auf Präzision getrimmte Variante des M16-Sturmgewehrs, der Standardwaffe der US-Armee. Das Gewehr feuert Patronen des Kalibers .223 ab, die auch der Heckenschütze benutzte.

"Sniper" soll sich selbst verraten haben

Der Durchbruch kam nach Behördenangaben mit einem Anruf, der bei der eigens eingerichteten Hotline des Sondereinsatzkommandos einging. Der Anrufer gab den Ermittlern den Tipp, einen Raubüberfall auf einen Laden in Montgomery im US-Staat Alabama zu untersuchen, bei dem am 21. September ein Mensch erschossen und ein weiterer verletzt worden war.

Am Tatort wurde ein Fingerabdruck sichergestellt, der nach Angaben aus Polizeikreisen von Malvo stammt. Der Bürgermeister von Montgomery, Bobby Bright, sagte, der Anrufer habe sich offenbar sowohl zu den Heckenschützen-Morden als auch zu dem Überfall auf den Spirituosenladen bekannt.

Auf Grund dieser neuen Hinweise machte die Polizei ein Haus in Tacoma im US-Staat Washington ausfindig. Malvo lebte dort mit dem Mann, bei dem es sich um seinen Stiefvater handeln soll: John Allen Williams, der sich seit seinem Übertritt zum Islam im vergangenen Jahr John Allen Mohammed nennt. Das Gebäude wurde am Mittwoch durchsucht, und vom Hof transportierten die FBI-Beamten einen Baumstamm ab, der vermutlich als Ziel für Schießübungen gedient hatte.

Mohammed soll zudem mit muslimischen Terroristen sympathisiert haben. Das berichtete am Donnerstag die "Seattle Times" unter Berufung auf Gespräche mit Ex-Frauen und Bekannten des 42-Jährigen. Er soll öfters anerkennend über die Terror-Piloten des 11. September gesprochen haben. Einer organisierten Gruppe gehören Mohammed und Malvo aber offenbar nicht an. "Anscheinend haben sie allein gehandelt", sagte Randy Carroll, Polizeichef von Bellingham.

Militärvertreter erklärten, Mohammed habe im Golfkrieg gedient, sei aber nicht zum Scharfschützen ausgebildet worden und auch kein Mitglied einer Spezialeinheit gewesen. Mohammed war den Angaben zufolge in Fort Lewis stationiert, rund 20 Kilometer von dem Haus in Tacoma entfernt.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.