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Gestorben Heidi Goëss-Horten, 81

aus DER SPIEGEL 25/2022
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Heidi Horten Collection

Grell geschminkte Lippen, blau getönte Brillengläser, dekorativer Schoßhund: So trat Heidi Goëss-Horten auf. Die Milliardärin mit Geburtsort Wien, dem Vernehmen nach reichste Österreicherin, entsprach optisch dem Modell einer materiell sorgenfreien älteren Dame aus Kalifornien oder Florida – ein Bild, dessen Konturen die gelernte Stenotypistin, versehen mit Wohnsitzen in London, New York, auf den Bahamas und auf Schloss Sekirn am Wörthersee, zu betonen nicht müde wurde. Im kärntnerischen Velden am Seeufer hatte die damals 19-Jährige den um 32 Jahre älteren Kaufhausmagnaten Helmut Horten kennengelernt. Als Hochzeitsgeschenk vermachte er der blonden Schönheit den knapp 36 Karat schweren »Blauen Wittelsbacher«, einen Diamanten, der einst Teil der bayerischen Kronjuwelen war. In der Folge jetsettete man zwischen der Karibik, der Côte d’Azur und dem schweizerischen Tessin hin und her. Die Frage, inwieweit sich das Vermögen ihres Gatten aus vor dem Krieg von jüdischen Besitzern erworbenen Kaufhäusern speiste, ließ Heidi Horten noch vor ihrem Tod untersuchen. Ergebnis: Der Arisierer Horten habe »durchaus marktübliche Preise« bezahlt. Heidi Goëss-Horten, zuletzt in dritter Ehe mit dem Altadligen »Kari« Goëss vermählt, machte sich als Mäzenatin in Österreich einen Namen. Vom Tierheim Klagenfurt über die Eishockeyspieler der Kärntner Landeshauptstadt bis hin zu Kunstliebhabern, denen sie noch kurz vor ihrem Tod Werke von Pablo Picasso oder Damien Hirst aus ihrer Privatsammlung für ein neues Museum spendierte – die Liste der Begünstigten ist lang. Heidi Goëss-Horten starb am 12. Juni in Klagenfurt am Wörthersee.

wma
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