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17. Mai 2016, 11:26 Uhr

Gesägt, getan

Du liebe Zeit

Von

Probleme gibt es beim Heimwerken schon genug. Da muss man sich nicht auch noch durch Zeitdruck stressen. Hier ist das Vier-Schritte-Programm für realistisches Zeitmanagement beim Basteln.

Es gibt eine Frage, die ich beim Heimwerken fürchte: Wie lange brauchst du noch? Früher habe ich mich bemüht, möglichst präzise zu antworten. Ich habe es aufgegeben. Es hat nur Nachteile:

Bestenfalls sage ich jetzt noch "Nicht mehr lange" oder "Schon noch ein bisschen". Präziser geht es nicht, Heimwerken ist viel zu unberechenbar.

Neulich wollte ich ein paar Bretter zusägen. Keine große Sache, schnell erledigt. Eigentlich. Ich holte die Böcke und stellte sie auf den Hof. Ich wollte die Stichsäge benutzen. Also musste die Kabeltrommel her. Das Ergebnis sollte ordentlich aussehen, also brauchte ich Zollstock, Winkel, Bleistift, Schleifpapier.

Ich hatte noch keinen Millimeter gesägt, und trotzdem sah es um mich herum aus wie nach dem Baumarkt-Urknall: ein Werkzeug-Universum. Bis ich zum ersten Schnitt ansetzte, war eine gute Viertelstunde verstrichen. Bis der erste Schnitt getan war, 20 Minuten. An der Stichsäge rührte sich nämlich nichts. Ich hatte vergessen, den Schalter zu drücken, der den Strom an der Steckdose fließen lässt. Dafür musste ich ins Haus, was wiederum erforderte, die dreckigen Gartenstiefel aus- und wieder anzuziehen.

Kaum war ich mit Schuhen wieder beim Brett angekommen, merkte ich, dass in der Stichsäge noch das Metallsägeblatt steckte. Die Holzsägeblätter musste ich aus dem Haus holen. Inzwischen habe ich große Routine darin, die Gartenstiefel an- und auszuziehen.

Als ich gefragt worden war, wie lange das Sägen dauern würde, hatte ich leichtsinnig meine "Keine-konkreten-Antworten"-Taktik aufgegeben und von "wenigen Minuten" gesprochen. Sagen wir so: Die Diskussion darüber, was unter "wenigen Minuten" zu verstehen ist, verzögerte den Abschluss des Projekts erheblich.

Beim Heimwerken gibt es keine Gewissheiten, außer vielleicht dieser: Es dauert länger als gedacht. Aus meinen Erfahrungen habe ich eine Methode abgeleitet, zu realistischen Zeitprognosen zu kommen:

Schritt 1: Überlegen Sie, wie viel Zeit Sie für ein Projekt brauchen.

Schritt 2: Vergessen Sie diese Annahme sofort.

Schritt 3: Überlegen Sie ohne Zweckoptimismus und Selbstüberschätzung noch mal, wie lange es wohl tatsächlich dauert.

Schritt 4: Verdoppeln Sie diesen Zeitraum, dann könnte es ungefähr hinkommen. Und planen Sie sicherheitshalber noch Puffer ein.

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