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29. Oktober 2013, 17:02 Uhr

Sturmschäden

Das große Aufräumen nach dem Orkantief

Abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume: Nach dem heftigen Herbststurm "Christian" geht es in Norddeutschland nun ans Aufräumen. Tausende Mitarbeiter der Bahn sind damit beschäftigt, Schäden an den Gleisen zu beseitigen.

Berlin - Es war einer der schwersten Herbststürme der vergangenen 15 Jahre: Orkantief "Christian" hat in Nordeuropa massenhaft Bäume umgeknickt, Dächer abgedeckt und Autos eingedrückt. In Deutschland war vor allem das nördlichste Bundesland Schleswig-Holstein betroffen.

Die stärkste Böe im Flachland wurde laut Deutschem Wetterdienst (DWD) mit 172 Kilometern pro Stunde in St. Peter Ording gemessen. Der finanzielle Schaden ist bisher kaum abzuschätzen, doch laut einem Sprecher der Provinzial-Versicherung geht er in die Millionen.

Selbst sturmerprobte Küsten- und Inselbewohner waren verwundert - zum Beispiel Fiede Nissen, Postschiffer der Hallig Langeneß. "Ich habe noch nie einen Strandkorb fliegen sehen", sagte der 63-Jährige. Am Montagnachmittag waren es gleich drei. "Man konnte nicht mehr ums Haus laufen", sagte Nissen. "Jeder auf der Hallig hat ein Loch im Dach."

"Das war der heftigste Sturm, den wir hier hatten - da geht einem schon die Muffe", sagte der Bürgermeister von Hallig Hooge, Matthias Piepgras.

Mit Rekordtempo 191 fegte "Christian" über Helgoland hinweg. "Auch die Älteren hier haben das noch nicht erlebt", berichtete Bürgermeister Jörg Singer. "Das Wasser kochte." 30 Einsätze musste die Feuerwehr auf Deutschlands einziger Hochseeinsel fahren. "Die Schule verlor komplett ihr Dach", sagte Singer.

Nun geht es überall ans Aufräumen und Reparieren. Mehrere tausend Mitarbeiter der Deutschen Bahn sind damit beschäftigt, beschädigte Oberleitungen zu flicken und umgestürzte Bäume von den Gleisen zu holen. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis berichtete, dass unter anderem zwischen Wilster in Dithmarschen und Husum an der Nordseeküste ein ganzer Wald auf den Schienen liegen soll.

Ein großer Teil der Zugverbindungen im Norden ist noch immer erheblich gestört. Hinweise zur aktuellen Lage gibt es auf der Internetseite der Bahn. Frühestens am Mittwoch sollen Reisende wieder mit der Bahn von Hamburg in Richtung Kiel, Flensburg, Dänemark und an die Nordseeküste fahren können.

Wenigstens stieg das Wasser nicht so hoch wie von manchen befürchtet: Laut schleswig-holsteinischer Landesregierung lagen die Pegel in Husum und Eiderstedt 1,7 Meter über dem mittleren Tidehochwasser, auf den Inseln und Halligen knapp 1,5 Meter. Nach den ersten Kontrollergebnissen des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz wurden die Deiche kaum beschädigt.

hut/dpa

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