Herrentäschchen Jetzt können Männer einpacken

Handy, iPod, Palm - der moderne Mann muss jede Menge Zeug mit sich herumschleppen. Dafür hat er nun so viel Auswahl an eigens für ihn designten Taschen und Täschchen wie noch nie - Stauraum für echte Kerle.
Von Brenda Strohmaier

Hamburg - Nein, er hatte noch nie Probleme mit Sicherheitsleuten, nicht mal am Flughafen, versichert Axel Friedrich, Mitbegründer des jungen Kölner Taschenlabels Koffski. Dann öffnet er den Pistolenhalfter an seinem Gürtel. "Da passt alles rein, Handy, Geldkarten, Portemonnaie." 349 Euro kostet das Ledertäschchen inklusive Geldbeutel. Zu kaufen gibt es den vermeintlichen Halfter in neun deutschen Städten, die Nachfrage sei gut. "Immer mehr Männer geben Geld für modische Accessoires aus", erklärt Friedrich das Kalkül.

Darauf setzen auch Luxuslabels wie Prada. Dort verdient man nach eigenen Angaben mittlerweile mehr Geld mit Accessoires als mit Kleidung. Die neue Liebe der Haute-Couture-Welt zum Detail konnte man in diesem Jahr bei den Männermodeschauen beobachten. Ob Gucci oder Etro - allesamt gaben sie den Models die jüngste Taschenkollektion mit auf den Laufsteg. Dabei schmückte die Herren so einiges, das auch als Damenhandtasche durchgehen würde.

Spätestens seit Trendsetter David Beckham mit einem sehr femininen Täschchen unter dem Arm gesehen wurde, können Männer sich getrost zu den niedlichsten Exemplaren bekennen. Und zu den allgegenwärtigen Schultertaschen erst recht. "Früher galt man ja als schwul, wenn man als Mann Tasche trug", erzählt der Berliner Taschendesigner Francesco Lipari. Er machte sich vor einem Jahr selbständig und versorgt nun mit seinem Label Schlepp die modernen Großstädter mit raffinierten "Streetbags" aus dem Nylon-Material Cordura.

"Mittlerweile gehört die Tasche für den Mann zum guten Ton", sagt er. Wie viele Fachleute sieht Lipari die DJ-Tasche als Vorreiter der Bewegung, die den Herrn von Aktentasche und Rucksäcken befreite. Auch die Messenger-Beutel aus bunten Lkw-Planen haben seiner Ansicht nach viel dazu beigetragen, dass die Tasche zum Modeaccessoire für Männer avancierte. Und zwar gerade abends zu einem überaus praktischen: Es hat ja nicht jeder eine Freundin, in deren Handtasche man vor dem Kino- oder Restaurantbesuch das Handy parken darf. Und die man mit der Bemerkung belästigen kann, sie sei Sammlerin und genetisch dazu verdammt, Dinge mit sich herumzutragen.

Minitasche für 475 Euro

Dafür haben die meisten Männer nun selbst Platz genug - schließlich galt und gilt für eine coole Männertasche vor allem eine Regel: Sie muss groß sein, mindestens Din-A4. Erst ganz allmählich beginnt die Männertasche zu schrumpfen. Etliche Firmen haben inzwischen mittelgroße, zum Teil sehr farbenfrohe Modelle im Angebot, in die weder Laptop noch Aktenordner passen.

Einige quadratische Umhängevarianten sind sogar so klein, dass sie wie Miniatur-DJ-Taschen aussehen. In die Kleinstausgabe des Louis-Vuitton-Modells "Citadin", das seit vergangenem Winter (für 475 Euro) zu haben ist, würde nur gerade ebenso eine Single passen. In Spanien und Italien sollen bereits viele Männer mit derartigen Täschchen zu sehen sein. Hier zieht Mann vielleicht bald nach, leisten könnte er es sich. So will der Massenfabrikant Eastpak ab Februar ein 18 mal 13 Zentimeter großen "Buddy" herausbringen, der knapp 16 Euro kosten soll.

Derweil werden Männer sich weiterhin noch mit Provisorien behelfen: So sieht man in Clubs immer wieder männliche Mitmenschen mit über die Schulter gehängten Bauchtaschen tanzen, vor ein paar Jahren war das sogar richtig en vogue. Ebenfalls mal in: Eine Zeitlang trugen einige Clubgänger am Gürtel sogenannten Chalk Bags, in denen Bergsteiger normalerweise das Magnesium für die Hände aufbewahren.

Und am Handgelenk: Fritz

Bedarf ist da für die Minitasche. Und den Männern wäre zu wünschen, dass sie nicht endet wie das unzweifelhaft nützliche, aber viel belästerte und schließlich ausgestorbene Handgelenktäschchen. Allerdings gibt es immer mal wieder tapfere Designer, die sich um ein Revival bemühen, wie etwa jene der Schweizer Taschenfirma Freitag, die vergangenes Jahr eine Herrenhandtaschenkollektion mit den Modellen Willy, Fritz und Horst heraus gebracht hat. Die Form ist bekannt (rechteckig, mit Trageschlaufe), neu ist das Material (außen recycelte Plane, innen wiederverwertete Airbags) und vor allem: der geistige Überbau.

"Mancipation", nannten die Schweizer das Manifest zur Kollektion. "Die frei schwingende Tasche ist ein Hoffnungszeichen für alle unterdrückten Männer dieser Gesellschaft", heißt es darin. In der Praxis scheint die Revolte allerdings schwierig: Ein tapferer "Stern"-Reporter, der sich im Selbstversuch mit Tasche Fritz in Berlin in die U-Bahn traute, schmiss sie schließlich weg. Zuvor hatte eine Frau angeekelt zur Seite geguckt. Er sollte es vielleicht jetzt noch mal versuchen - mit einem Pistolenhalfter.

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