Bundesweiter Corona-Hotspot Landrat von Hildburghausen steht nach Drohung unter Polizeischutz

In Hildburghausen hatten Hunderte gegen die strengen Beschränkungen protestiert. Der Landrat kritisierte das Verhalten – und wurde laut Polizei beleidigt und bedroht.
Landrat Thomas Müller

Landrat Thomas Müller

Foto: Michael Reichel / dpa

Mit 602,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche hat der Landkreis Hildburghausen bundesweit den höchsten Inzidenzwert. Nun steht der Landrat des Corona-Hotspots, Thomas Müller, unter Polizeischutz.

Müller sei zuvor in den sozialen Medien beleidigt und bedroht worden und habe Anzeige erstattet, sagte ein Sprecher der Polizei in Erfurt am Donnerstagabend. »Freies Wort« und der MDR  hatten zuvor über die Drohung berichtet.

Zum Inhalt der Drohung sowie zu mutmaßlichen Tätern und Motiven gibt es bislang keine Informationen. Sie stehe aber »mutmaßlich im Zusammenhang mit der Corona-Schutzverordnung«, sagte der Sprecher. Die Kripo in Suhl bearbeite den Fall.

Müller hatte am Donnerstag die Proteste gegen den strengen Lockdown in Hildburghausen als unverantwortlich kritisiert. Hunderte Menschen, die am Mittwochabend durch die Südthüringer Stadt gezogen seien, hätten nicht nur sich, sondern auch andere gefährdet, sagte der CDU-Politiker.

Nach Polizeiangaben gab es bei der Versammlung am Mittwoch zahlreiche Verstöße gegen geltende Corona-Regeln: »So wurden Mindestabstände nicht gewahrt, Masken nicht getragen und die eigene Wohnung ohne triftigen Grund verlassen«, hieß es von den Einsatzkräften. Den etwa 30 Beamten sei es gelungen, die Protestierenden zu zerstreuen.

Dabei wurde nach Polizeiangaben punktuell Pfefferspray eingesetzt, um zu verhindern, dass die Protestierenden auf eine Bundesstraße im Ort ziehen. Mehrfache Versuche, die Teilnehmer zum Verlassen der Demonstration zu bewegen, seien fehlgeschlagen, teilte die Polizei mit. 30 Teilnehmer erhielten demnach eine Anzeige wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Verletzte und Festnahmen gab es den Angaben zufolge nicht. 

Der Bürgermeister von Hildburghausen, Tilo Kummer (Linke), sagte dem SPIEGEL, es habe ihn fassungslos gemacht, wie viele Menschen teilweise auch ohne Maske in der nicht angemeldeten Versammlung ihren Unmut ausgedrückt hätten. »Sie haben zum Teil offenbar immer noch nicht den Ernst der Lage erkannt.«

Um die Infektionswelle zu brechen, gelten seit Wochenmitte für die rund 63.000 Einwohner im Kreisgebiet von Hildburghausen drastische Beschränkungen: Sie dürfen bis zum 13. Dezember ihre Wohnungen nicht mehr ohne triftigen Grund verlassen, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen.

sen/dpa
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