Hilfsappell des Bundespräsidenten "Die Flut hat ganz Deutschland getroffen"

Bundespräsident Johannes Rau hat sich am Samstagabend in einer Fernsehansprache erschüttert über die Flutkatastrophe geäußert und rief die Deutschen zur gemeinschaftlichen Hilfe auf: "Jetzt müssen wir beweisen, dass wir ein solidarisches Volk sind". Zuvor hatte er die Hochwassergebiete in Sachsen und Sachsen-Anhalt besucht.

Berlin - "Liebe Landsleute, eine große Katastrophe hat uns heimgesucht", begann der Bundespräsident seine überraschend angesetzte Ansprache. "Weit über vier Millionen Menschen in Deutschland sind von den schrecklichen Überschwemmungen betroffen. Mehr als hunderttausend mussten vor dem Wasser fliehen und evakuiert werden, viele Tausend haben ihr Hab und Gut verloren", sagte ein tief betroffener Bundespräsident.

Damit habe die Flut "ganz Deutschland getroffen". Sie verlange deshalb auch eine "Anstrengung der ganzen Nation", forderte Rau. Es müsse die Sache aller Deutschen sein, mit den Folgen dieser Flut fertig zu werden.

Rau bat, Solidarität durch Spenden zu zeigen. Die Zerstörungen seien gewaltig. Der Wiederaufbau werde lange dauern und viel Geld kosten. Die Betroffenen brauchten Hilfe. "Ganz Deutschland steht vor einer gewaltigen Herausforderung", sagte Rau in der Ansprache. Wenn diese Herausforderung von allen als gemeinsame Aufgabe begriffen werde, sei sie zu bestehen.

Lob für Helfer

Rau lobte auch "die Erfahrung von großer Solidarität und Hilfsbereitschaft". Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Hilfsdienste seien "oft über die eigenen Kräfte hinaus" im Einsatz. Dazu kämen die vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer. "Ohne diese selbstlose Hilfe wäre die Lage noch schlimmer, als sie ohnehin schon ist", bedankte sich Rau und appellierte, weiterhin zusammenzustehen:

"Wir spüren in dieser Lage: Wir müssen jetzt alle zusammenstehen. Diese Flut bringt nicht nur einigen Städten und Ländern große Not. Die Flut hat ganz Deutschland getroffen. Sie verlangt deshalb auch eine Anstrengung der ganzen Nation. Es muss die Sache aller Deutschen sein, mit den Folgen dieser Flut fertig zu werden."

Auch Ursachen im Blick

Auch zu den Ursachen nahm Rau Stellung: Es müsse geprüft werden, "welchen Anteil wir Menschen daran haben, dass es jetzt so schlimm kommen konnte. Was durch Menschen in den vergangenen Jahrzehnten verursacht worden ist, müssen wir durch entschlossenes politisches Handeln ändern. Ich denke dabei an das Einmauern mancher Flüsse oder an die Klimaveränderung durch unseren Energieverbrauch. Dazu brauchen wir auch internationale Zusammenarbeit", forderte Rau mit Blick auf den bevorstehenden Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg.

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