Hilfseinsatz vor Japans Küste
US-Flugzeugträger fährt durch Strahlenwolke
Drei Hubschrauber des US-Flugzeugträgers USS "Ronald Reagan" sind beim Einsatz in Japan durch eine radioaktive Wolke geflogen, bei der Crew wurden erhöhte Strahlungswerte festgestellt. Die Marine beteuert, die Dosis sei gering - trotzdem drehte das Schiff ab.
Flugzeugträger USS "Ronald Reagan": Gefährlicher Einsatz im Pazifik
REUTERS/ US Navy
Tokio - Bereits seit Sonntag kreuzt der Flugzeugträger USS "Ronald Reagan" im Pazifik, bereit für einen Einsatz im Katastrophengebiet Japans. Doch nach der möglichen Kernschmelze in japanischen Reaktoren hat der Flugzeugträger seinen Kurs geändert. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Montag. Zuvor hatte die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungskreise geschrieben, 17 Mitglieder der US-Marine seien erhöhter Strahlung ausgesetzt worden.
Die Crewmitglieder seien mit Hubschraubern offenbar durch eine radioaktive Wolke geflogen, die von einem japanischen Atomkraftwerk ausging. Sie mussten sich nach ihrer Rückkehr auf den Flugzeugträger ihrer Uniformen entledigen und einer speziellen Prozedur unterziehen. Alle radioaktiven Partikel seien entfernt worden, so ein Sprecher der US-Marine.
Es gebe keinen Anlass für Alarm, versuchte der Sprecher demnach per Telefon zu beruhigen. Mehrere Crewmitglieder hätten binnen einer Stunde eine Monatsdosis natürlicher Strahlung abbekommen, die sonst etwa von der Sonne ausgehe. Zunächst wurden keine Krankheitssymptome gemeldet.
Doch erhöhte Strahlung wurde dem Bericht der "New York Times" zufolge auch an Bord des Flugzeugträgers gemessen - auch das Schiff ist also möglicherweise durch eine solche Wolke gefahren. Die USS "Ronald Reagan" und andere Schiffe der Siebten Flotte seien an eine andere Stelle beordert worden, um nicht mehr Winden aus Richtung des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima ausgesetzt zu sein, hieß es weiter.
Der Wind dreht - ein schlechtes Zeichen
Zudem seien am Sonntag von einem Hubschrauber etwa 100 Kilometer vom japanischen Atomkraftwerk Fukushima entfernt kleine Mengen radioaktiver Partikel gemessen worden. Diese Stoffe würden noch analysiert. Dem Bericht zufolge werden darunter Cäsium-137 und Jod-121 vermutet.
Reuters
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Japans Ostküste: Rettungsarbeiten im Trümmerland
Die Angst vor der radioaktiven Wolke wird in Japan größer (
mehr dazu im Liveticker). Der Wind hat inzwischen gedreht, so dass eine solche Wolke nun doch über das Inland ziehen könnte. Der Großraum Tokio mit seinen rund 35 Millionen Einwohnern liegt nur rund 240 Kilometer südlich der Atomanlage Fukushima. Dabei sind ohnehin schon Millionen Menschen im Land ohne Strom und Wasser, und heftige Nachbeben erschütterten Japan auch am Montag.
Entsprechende Meldungen
lösten auch große Sorgen auf den Philippinen aus. Angeheizt wurde die Panik durch eine SMS-Botschaft, die schnell die Runde machte. Danach sollte die Strahlung noch am Montag die Hauptstadt Manila erreichen. Abigail Valte, die Sprecherin des Präsidenten, beruhigte die Menschen im Radio. Die SMS-Botschaft entbehre jeder Grundlage.
Die Brennstäbe in Reaktorblock 2 des Atomkraftwerks waren laut Informationen der Agentur Kyodo am Montag zwischenzeitlich komplett ohne Kühlwasser. Laut Betreibergesellschaft Tepco könnte die Kernschmelze schon begonnen haben, die Radioaktivität um den Reaktor sei erhöht.
Die potentielle Gefahr wird größer - für immer mehr Menschen. Der Flugzeugträger der US-Marine hat denn auch nicht komplett abgedreht, sondern will weiter Hilfe bereitstellen - von einer Position aus, wo die Strahlenwolke nicht hinzieht.
17 BilderJapans Ostküste: Rettungsarbeiten im Trümmerland
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Rettungseinsatz in Trümmern: Drei Tage nach der Naturkatastrophe in Japan suchen Helfer nach Überlebenden.
Reuters
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Die Ostküste des Landes ist völlig verwüstet.
AP/ Kyodo News
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Dieser Mann ist in Soma unterwegs, in der besonders schwer getroffenen Präfektur Fukushima.
AP
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Der Hafen von Onigawa ist nur noch eine Ruine.
AFP/ Jiji Press
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Die offiziell bestätigte Zahl der Toten und Vermissten ist laut Polizei auf 5000 gestiegen. Lokale Behörden befürchten jedoch, dass die tatsächliche Opferzahl weit darüber liegt - Zehntausende Menschen werden noch vermisst.
AFP/ Jiji Press
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Vor der japanischen Küste sind auch Schiffe der US-Navy im Einsatz - doch die Amerikaner haben sie nun zurückgezogen, nachdem Geräte des Flugzeugträgers "USS Ronald Reagan" (Foto) rund 160 Kilometer vor der Küste Radioaktivität gemessen hatten. Die Menge der Strahlung habe ungefähr der Menge entsprochen, der man in einer normalen Umgebung in einem Monat ausgesetzt sei. Die Schiffe und Flugzeuge waren unterwegs in Richtung des Unglückskraftwerks Fukushima.
REUTERS/ US Navy
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Allein in der Stadt Otsuchi in der Präfektur Iwate werden 12.000 Menschen vermisst.
Reuters
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Feuerwehrmann in Soma: Das Beben mit einer Stärke von 9,0 war das schwerste, das jemals in Japan gemessen wurde.
AP
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Verwüstung in Otsuchi: Tausende Todesopfer werden befürchtet.
AFP/ Yomiuri Shimbun
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Am Montag gab es aufgrund von Nachbeben eine weitere Tsunami-Warnung - doch von einer neuen Flutwelle blieb das Land verschont.
AP
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Sie müssen sich durch eine völlig zerstörte Landschaft kämpfen.
AP/ Yomiuri Shimbun
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Die Menschen in der Küstenregion stehen vor dem Nichts: Diese Frau hat ihr Zuhause verloren.
AP
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In Sendai deckten sich Menschen am Montag mit Vorräten ein.
REUTERS
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Die Behörden der Präfektur Iwate haben an Bestattungsunternehmen im ganzen Land appelliert, Särge und Leichensäcke in die Krisenregion zu schicken. Dies berichtet die BBC unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP. "Wir haben einfach nicht genug davon", wird ein Offizieller zitiert. "Mit so etwas haben wir nicht gerechnet, es ist einfach überwältigend."
AFP/ JIJI PRESS
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Doch manchmal gibt es auch noch gute Nachrichten: Diese Baby wurde von den Rettungskräften gerettet.
AP/ The Yumiuri Shimbun
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Trümmer in Natori: Helfer auf der Suche nach Überlebenden
DPA
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Container-Chaos am Hafen von Sendai: Die Millionenstadt an der Ostküste wurde besonders schwer getroffen.