Werner Franz Letzter Überlebender der "Hindenburg"-Katastrophe gestorben

Er ist an Bord, als die "Hindenburg" 1937 in Flammen aufgeht und abstürzt: Werner Franz springt aus dem brennenden Zeppelin. 77 Jahre später ist er als letzter Überlebender der historischen Katastrophe gestorben.

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Frankfurt am Main - Werner Franz ist 14 Jahre alt, als er am 6. Mai 1937 im Zeppelin "Hindenburg" seinen Dienst als Kabinenjunge verrichtet. Der Tag endet in einer Katastrophe: Das Luftschiff geht kurz vor der Landung in Lakehurst südwestlich von New York in Flammen auf. Insgesamt 36 Menschen sterben, 62 überleben das Unglück. Einer von ihnen ist Werner Franz.

Der Jugendliche aus Frankfurt am Main konnte aus dem brennenden Zeppelin springen. Am 13. August 2014 ist er in Frankfurt am Main als letzter Überlebender des "Hindenburg"-Absturzes im Alter von 92 Jahren gestorben. Das teilte seine Witwe Annerose Franz jetzt mit. "Sein Herz war schwach", sagte sie.

Die "Hindenburg" war ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, Propagandamaschine der Nazis und Luxusliner für Reiche. Der Zeppelin LZ 129, benannt nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, hob 1936 zum ersten Mal ab. Am Schicksalstag der "Hindenburg" flog Werner Franz zum fünften Mal mit, wie John Provan erzählte, ein US-Historiker und jahrzehntelanger Freund der Familie Franz. Dreimal schon sei der Junge mit dem zigarrenförmigen Luftschiff in Südamerika gewesen, einmal in den Vereinigten Staaten. Diesmal aber sollte der Flug ein dramatisches Ende finden.

Denn die 245 Meter lange "Hindenburg" ist mit 200.000 Kubikmetern Wasserstoff gefüllt, einem leicht entzündlichen Gas. Werner Franz gehörte zu den 61 Besatzungsmitgliedern an Bord, er bediente die Offiziere und Kapitäne, spülte Geschirr. Zuerst hörte Werner Franz die Explosion, dann spürte er einen heftigen Ruck und sah Feuer. Der Junge sprang aus dem Zeppelin und rettete sich.

Das Inferno habe Werner Franz traumatisiert, sagte seine Witwe. Die genaue Ursache für die Katastrophe ist bis heute nicht geklärt. Ihr Mann habe nach dem Unglück für die Luftschiff-Reederei Besucher durch eine Zeppelin-Halle geführt. "Mein Mann hat mir erzählt, dass er jedes Mal, wenn starkes Licht in die Halle fiel, erschrak und Panik bekam." Still und ernst wurde er sein Leben lang, wenn die Sprache auf den Absturz kam. "Aber er hat ein sehr erfülltes Leben gehabt", sagte seine Frau, "nach dem Krieg." Denn neben seinem Beruf als Fernmeldetechniker trainierte er junge Sportler beim Frankfurt Roll- und Eissportclub.

wit/dpa



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