Angebliche Qualen von Joseph Wood Arizona setzt Hinrichtungen vorerst aus

Erneut sorgt eine angeblich verpfuschte Hinrichtung in den USA für Schlagzeilen. Die Behörden bestreiten die Vorwürfe. Dennoch setzt der US-Bundesstaat Arizona bis zur vollständigen Prüfung die Vollstreckung weiterer Hinrichtungen aus.

Joseph Wood: Hunderte Male im Todeskampf nach Luft geschnappt
REUTERS/Arizona Department of Corrections

Joseph Wood: Hunderte Male im Todeskampf nach Luft geschnappt


Phoenix - Der zum Tode verurteilte Doppelmörder Joseph Wood soll qualvoll hingerichtet worden sein. Zwei Stunden lang habe er seinem Anwalt zufolge nach der Giftinjektion leiden müssen. Obwohl die Stafvollzugsbehörde dies zurückweist, hat der US-Bundesstaat Arizona nun beschlossen: Todesstrafen sollen solange nicht vollstreckt werden, bis der Fall Wood vollständig aufgeklärt ist.

Der Leiter der Strafvollzugsbehörde Charles Ryan wies die Kritik an der Hinrichtung zurück. Verschiedene Medien hätten den "voreiligen und falschen Schluss gezogen, dass diese Exekution 'verpfuscht' wurde", erklärte Ryan. Eine von der Gouverneurin von Arizona, Jan Brewer, angeordnete Untersuchung habe ergeben, dass Wood während der Hinrichtungsprozedur "komatös" gewesen sei und nicht gelitten habe. Eine Autopsie habe außerdem ergeben, dass die Medikamentenmischung direkt in Woods Venen injiziert wurde. Wenn die Giftmischung die Venen verfehlt und in den Körper strömt, kann dies zu großen Schmerzen führen.

Während die Strafvollzugsbehörde bei Woods Hinrichtung keine Fehler erkennen kann, sieht sein Anwalt dies anders. Ihm und Augenzeugen zufolge schnappte Wood hunderte Male nach Luft und keuchte zwei Stunden lang. In der Regel dauert es zehn Minuten, bis ein Todeskandidat nach dem Giftcocktail stirbt.

Woods Anwalt hat während der Hinrichtung noch hektisch den zuständigen Amtsrichter verständigt und gebeten, die Hinrichtung zu stoppen und stattdessen lebenserhaltende Maßnahmen anzuordnen. Noch bevor eine Entscheidung getroffen werden konnte, starb Wood.

Der 55-Jährige wurde zum Tode verurteilt, weil er seine Ex-Freundin und deren Vater 1989 umgebracht hatte. Er kämpfte bis zuletzt gegen seine Hinrichtung, weil das Gift, mit dem er getötet werden sollte, kaum erprobt war.

Woods Hinrichtung war die dritte Vollstreckung der Todesstrafe in diesem Jahr, die deutlich länger als die geplanten zehn Minuten dauerte. Im Januar war in Ohio der verurteilte Mörder Dennis McGuire erst nach 26 Minuten tot. Bei dem verurteilten Mörder und Vergewaltiger Clayton Lockett vergingen im Bundesstaat Oklahoma im April 43 Minuten, bis der Tod festgestellt wurde. Auch in Oklahoma wurden im Anschluss an den Vorfall weitere Hinrichtungen für ein halbes Jahr ausgesetzt.

Hinrichtungen seit 1976

vez/AFP/AP

insgesamt 3 Beiträge
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demokroete 25.07.2014
1. westliche Werte
Gehört die Todesstrafe eigentlich auch zu den immer über den grünen Klee gelobten 'westlichen Werten' ? Muß ja wohl, denn wir eifern doch dem Vorbild USA blindlings nach. In anderen Ländern wird die Todesstrafe natürlich angeprangert, auch wenn es dort kurz und schmerzlos geht.
pariah 25.07.2014
2. Hä?
Was ich nicht verstehe ist, dass es in jeder Apotheke genügend Stoff gibt, um jemanden halbwegs anständig über den Jordan zu bringen. 20 Minuten Todeskampf ist auch für einen Mörder unangebracht. Eine Überdosis Heroin wäre noch humaner.
deckergs 25.07.2014
3. Lebenslänglich - 15 Jahre?
Nach 15 Jahren kann in Deutschland die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Es gibt aber kein muss. Der sogenannte 'Mittagsmörder' Klaus Gosmann gilt nach 49 Jahren Haft als 'Deutschlands längster Gefangener'.
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