Hintergrund Griechische Fährschifffahrt in Unruhe

Liberalisierungspläne, angeblich schlechte Sicherheitsstandards und unbezahlte Überstunden der Matrosen sorgen bei den griechischen Reddereien für Unruhe.


Hamburg - Die Reederei Minoan Flying Dolphins, die auch die Unglücksfähre "Express Samina" besitzt, ist der größte Fährschiffbetreiber Europas. Sie hat bei den Fährverbindungen in der Ägäis mit 76 Schiffen einen geschätzten Marktanteil von 75 Prozent. Insgesamt werden von allen griechischen Reedereien rund 200 Häfen angelaufen. Jährlich werden 18 Millionen Passagiere und drei Millionen Fahrzeuge transportiert.

Der Staat will die Fährschifffahrt vorzeitig liberalisieren und stößt auf den Widerstand der Reeder. EU-weit wurde der Seemarkt bereits 1992 liberalisiert, doch Griechenland erhielt wegen der starken Abhängigkeit der Inseln eine Ausnahmegenehmigung bis 2004. Handelsmarineminister Christos Papoutsis hat eine Expertenkommission eingesetzt, um den Markt zu entflechten. Bislang bestimmt das Ministerium, welche Reederei wann wohin fahren darf. Neben den Abfahrtszeiten werden auch die Beförderungstarife vom Staat festgesetzt.

Minoan Flying Dolphins hält von der Liberalisierungsidee wenig. Der Chef des Unternehmens, Pantelis Sfiniás, bezweifelt, dass ausländische Reeder der griechischen Situation Rechnung tragen. Der eigentliche Grund dürfte aber in in der Furcht vor dem Auftreten der neuen Konkurrenz begründet sein. Nach dem aktuellen Fährunglück werden Stimmen laut, die die Minoan Flying Dolphins stark kritisieren. Sicherheitsstandards würden nicht beachtet. Erst der Wettbewerb mit europäischen Konkurrenten könnte Minoan Flying Dolphins veranlassen, die eigene Flotte zu modernisieren, heißt es.

Zwischen den Seeleuten und der Reederei gab es erst Ende August Streit. Die Angestellten verlangten von Minoan Flying Dolphins 200.000 Mark Entlohnung für bereits geleistete Überstunden. Doch die Gesellschaft verweigerte die Zahlung. Die Matrosen beendeten ihren sechstägigen Ausstand erst, nachdem der Handelsmarineminister Papoutsis sich eingeschaltet und zwischen den Parteien vermittelt hatte.



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