Hitzewelle in Europa In Deutschland werden wieder Temperaturen bis 40 Grad erwartet

Deutschland leidet weiter unter großer Hitze – die extremen Temperaturen sollen sich nun Richtung Osten verlagern. Auch in anderen Ländern Europas bleibt die Lage problematisch.
Arbeiter in Hannover: Extreme Temperaturen

Arbeiter in Hannover: Extreme Temperaturen

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Temperaturen bis an die 40 Grad Celsius: Deutschland steht ein weiterer sehr heißer Tag bevor. Erst danach soll es laut Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wieder etwas abkühlen. Am Mittwoch verabschieden sich die extrem hohen Temperaturen demnach erst einmal aus der Westhälfte des Landes und rücken in den Rest der Republik vor. Laut DWD  werden in der Osthälfte 34 bis 40 Grad erwartet. Nach einem Tag soll auch dort die extreme Hitze vorbei sein. Für den Westen erwartet der Deutsche Wetterdienst ab nachmittags kräftige Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturmböen.

Die Gluthitze über Europa hatte am Dienstag auch Deutschland mit Temperaturen oft deutlich über 35 Grad zu spüren bekommen. Im Westen hatte der DWD sogar Temperaturen von mehr als 40 Grad für möglich gehalten – am Abend stellte sich den Angaben zufolge dann Duisburg (Station Duisburg-Baerl) mit 39,5 Grad als wärmster Ort heraus. Laut ARD-Wetterkompetenzzentrum wurden in Emsdetten sogar 40 Grad gemessen.

Der Dienstag wurde zum bisher heißesten Tag dieses Jahres. Vor einem Monat (19. Juni) waren in Cottbus und Dresden 39,2 Grad gemessen worden. Der Hitzerekord für Deutschland liegt bei 41,2 Grad – gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg und Tönisvorst am Niederrhein bei Krefeld.

»Ich hoffe, diese Ereignisse sind ein Weckruf«

Hitzewellen wie jetzt in Europa werden künftig in den Sommermonaten normal sein – davon ist die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf überzeugt. »Solche Episoden werden immer häufiger, und der negative Trend wird noch bis mindestens 2060 anhalten, unabhängig vom Erfolg unserer Klimaschutzbemühungen«, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas am Dienstag. Es könne in Europa auch noch heißer werden. Die Regierungen müssten viel mehr für den Klimaschutz tun. »Ich hoffe, diese Ereignisse sind ein Weckruf für Regierungen, und dass sie in demokratischen Ländern Folgen bei den nächsten Wahlen haben.«

Die italienische Feuerwehr evakuierte am Dienstag in der Toskana mehr als hundert Menschen wegen eines großen Waldbrandes bei Lucca aus ihren Häusern. Der Brand in der Gemeinde Massarosa beschäftigt die Einsatzkräfte bereits seit Montagabend. Fünf Helikopter und vier Löschflugzeuge kämpften aus der Luft gegen die Flammen.

In Portugal sind viele Waldbrände der vergangenen Wochen laut Regierung auf Unachtsamkeit und vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen. Mehr als 50 Menschen seien in diesem Jahr bis Mitte Juli unter dem Verdacht festgenommen worden, für Feuerausbrüche im Wald verantwortlich zu sein, erklärte Innenminister José Luis Carneiro. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF vernichteten Brände dieses Jahr in Portugal in gut sechseinhalb Monaten bereits fast 60.000 Hektar – mehr als doppelt so viel wie im ganzen Vorjahr.

DER SPIEGEL

Dramatisch war die Lage am Dienstag wegen der Hitze sogar in Großbritannien. In London hatte die Feuerwehr mit heftigen Bränden zu kämpfen und rief eine Großschadenslage aus. In Coningsby in der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire wurden am Nachmittag 40,3 Grad gemessen, wie der Wetterdienst Met Office nach vorläufigen Daten mitteilte – ein britischer Höchstwert. Vor dieser Woche hatte er bei 38,7 Grad gelegen, die 2019 in Cambridge gemessen wurden.

Auch an der französischen Atlantikküste wüten seit Tagen große Feuer, sie breiteten sich am Dienstag weiter aus. Innerhalb einer Woche verbrannten südlich von Bordeaux 19.300 Hektar Land, wie die zuständige Präfektur für die Gironde mitteilte.

Im Nordosten Athens hat es am Mittwoch ebenfalls weiter gebrannt. Die Flammen zerstörten offenbar zahlreiche Häuser. Drei Feuerwehrleute und neun Einwohner wurden Berichten des staatlichen Rundfunks zufolge leicht verletzt und mit Atemwegsbeschwerden in Krankenhäuser gebracht. Sieben Ortschaften und ein Kinderkrankenhaus seien evakuiert worden.

In Deutschland sollen die immer häufigeren Waldbrände auch künftig ohne Unterstützung durch Löschflugzeuge bekämpft werden. Eine Anschaffung solcher Flugzeuge sei nicht geplant, teilte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums mit. Sie verwies auf die Zuständigkeit von Ländern und Kommunen für den Katastrophen- und Brandschutz. Der Bund könne mit seinen Ressourcen lediglich auf dem Wege der Amtshilfe, wo die Einsatzkräfte der Länder und Kommunen nicht ausreichten, zeitlich begrenzt unterstützen – etwa mit Hubschraubern von Bundespolizei und Bundeswehr.

Die in Deutschland auftretenden Wald- und Vegetationsbrände hätten nicht die gleichen Dimensionen wie etwa in Australien, den USA oder Kanada, wo Löschflugzeuge zur Brandbekämpfung eingesetzt werden, hieß es aus dem Ministerium. Wo hierzulande eine Unterstützung aus der Luft erforderlich sei, könne besser ein Hubschrauber an bestimmten Stellen Wasser ausbringen.

wit/dpa
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