Tag der hohen Temperaturen Hitzewelle in Europa – Rekorde, Brände und die Prognose

Brütende Hitze bringt die Menschen an ihre Grenzen. In Portugal sind bereits mehr als 1000 Menschen gestorben. Großbritannien ringt mit Höchstwerten über 40 Grad – und es bleibt erst mal heiß. Der Überblick.
Auf dem Pier von Le Moulleau in Arcachon

Auf dem Pier von Le Moulleau in Arcachon

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Sophie Garcia / dpa

Mit Temperaturen weit über 30 Grad hat Deutschland die Hitze am Dienstag deutlich zu spüren bekommen. Außerdem verursachte die anhaltende Trockenheit die höchste Stufe der Waldbrandgefahr in Deutschland – und weiterhin brennende Wälder in Frankreich und Spanien. In Großbritannien überstiegen die Temperaturen erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen die Marke von 40 Grad.

Rekordhitze in Deutschland

Für Deutschland sprach der DWD von einer »starken Wärmebelastung«: »Der Hitze-Schwerpunkt liegt im Bereich vom Saarland über Rheinland-Pfalz bis nach Nordrhein-Westfalen, dabei sind vor allem tiefe Lagen am Rhein und Ballungsräume wie das Ruhrgebiet prädestiniert«, sagte die Meteorologin Sabine Krüger.

Der bisher heißeste Tag dieses Jahres war der 19. Juni, damals wurden laut DWD in Cottbus und Dresden 39,2 Grad gemessen. Das ist an diesem Dienstag getoppt worden. Aus Duisburg-Baerl meldete der DWD einen Spitzenwert von 39,5 Grad. Der bisherige Hitzerekord für Deutschland liegt bei 41,2 Grad – gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg.

Strandbesucherinnen und -besucher in Zinnowitz: Ab ins Wasser

Strandbesucherinnen und -besucher in Zinnowitz: Ab ins Wasser

Foto: Stefan Sauer / dpa

Lauterbach warnt Ältere: »Leben in Gefahr«

Viele Menschen suchten Abkühlung in schattigen Parks, am Wasser oder in der Eisdiele. Bei großer Hitze freuen sich auch Tiere über Abkühlung. Daher bekamen etwa in Erfurt, Dresden und Hamburg die Zootiere Eisbomben mit Obst, Gemüse oder Geflügel zur Erfrischung.

Bei der Hitze sollte man unbedingt darauf achten, viel zu trinken, rieten Gesundheitsexperten etwa vom Bundesgesundheitsministerium. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rief dazu auf, älteren Menschen zu helfen. »Jüngere Menschen sollten auf Ältere achten und sie an die Bedeutung von ausreichendem Trinken und Kühle erinnern«, schreibt der Minister auf Twitter: »Bei Älteren sind oft Temperaturempfinden und Durstgefühl gestört. Ihr Leben ist in den nächsten Tagen in Gefahr. Rücksicht und aktive Hilfe sind jetzt notwendig.«

Bundesumweltministerin Steffi Lemke rief die Menschen in Deutschland dazu auf, Wasser zu sparen. Zwar sei die Trinkwasserversorgung hierzulande nicht gefährdet, sagte die Grünenpolitikerin im Interview mit ntv.de. Aber: »Damit das in Zukunft so bleibt, soll jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag zum Wassersparen leisten.«

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Der EU-Klimawandeldienst Copernicus warnt unterdessen vor einer gesundheitsschädlich hohen Ozonbelastung in großen Teilen Europas. In den extrem heißen Tagen könne es auch im Nordwesten Europas zu Ozonwerten kommen, die als gefährlich für die Gesundheit gelten. In Südeuropa – etwa Portugal, Spanien und Italien – seien kürzlich bereits deutlich zu hohe Werte von mehr als 200 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden. Dem Umweltbundesamt zufolge kann eine zu hohe Ozonkonzentration etwa zu Kopfschmerzen und Tränenreiz führen. Bei körperlicher Anstrengung kann das Ozon sogar tief in das Lungengewebe vordringen und Entzündungen hervorrufen.

Kampf gegen Waldbrände

Wegen der ausgetrockneten Böden besteht vielerorts in Deutschland höchste Waldbrandgefahr. Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) appellierte an alle Menschen, in Wäldern besonders vorsichtig zu sein. »Die aktuelle Hitzewelle und die herrschende Trockenheit sorgen dafür, dass die Waldböden vielerorts mit vertrockneten, leicht entzündlichen Blättern, Zweigen und Nadeln bedeckt sind. Schon eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe reicht aus, um einen folgenschweren Waldbrand auszulösen«, sagte sie.

Wie kommt das Ausland mit der Hitze zurecht?

In Portugal hat die Hitze bereits mehr als 1000 Tote gefordert. Bis zum Montag seien 1063 Menschen an den Folgen der derzeitigen Hitzewelle gestorben, sagte die Chefin der portugiesischen Gesundheitsbehörde, Graca Freitas. Portugal zähle zu den Gebieten in der Welt, die stärker als andere von extremer Hitze betroffen sein dürften. Das Land müsse sich in Zukunft auf Phasen mit höheren Temperaturen besser vorbereiten. Die Temperatur im Land war in der vergangenen Woche auf über 40 Grad Celsius gestiegen.

Waldbrände wüten schon seit Tagen an der französischen Atlantikküste und breiteten sich auch am Dienstag weiter aus. Innerhalb einer Woche verbrannten sie südlich von Bordeaux 19.300 Hektar Land, wie die zuständige Präfektur für die Gironde am Dienstagmorgen mitteilte. In Spanien brannte es ebenfalls weiter.

Hunderte Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen in der französischen Region Gironde

Hunderte Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen in der französischen Region Gironde

Foto: Uncredited / dpa

Erstmals in der Geschichte Großbritanniens überstiegen die Temperaturen die 40-Grad-Grenze: In Coningsby in der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire wurden am Nachmittag 40,3 Grad gemessen, wie der Wetterdienst Met Office nach vorläufigen Daten bekannt gab. Vor dieser Woche lag er bei 38,7 Grad, die 2019 in Cambridge gemessen wurden.

Das Vereinigte Königreich leidet seit Montag unter ungewöhnlicher Hitze: Zum ersten Mal gilt für weite Teile Englands die höchste Warnstufe, für Wales und Teile Schottlands wurde die zweithöchste Stufe ausgerufen. Der Bahnverkehr kam am Dienstag nur mit großen Verspätungen voran oder fiel sogar ganz aus, weil die Infrastruktur nicht auf so hohe Temperaturen ausgelegt ist. In London hatte die Feuerwehr mit heftigen Bränden zu kämpfen und rief am Nachmittag eine Großschadenslage aus.

DER SPIEGEL

Auch in Griechenland hat ein Feuer zu einer kritischen Lage geführt. Starke Winde fachten am Dienstagabend ein kleines Feuer im Nordosten Athens zu einem Großbrand an. »Die Lage ist schwierig«, sagte ein Sprecher der Feuerwehr im Staatsrundfunk. Immer wieder erhielten die Einwohnerinnen und Einwohner der betroffenen Region Warnungen per SMS, um sie auf das mögliche Verlassen ihrer Häuser vorzubereiten, falls der Zivilschutz dies anordne. Vier Ortschaften wurden bereits evakuiert, weil die Flammen sich bedrohlich näherten, teilte der Sprecher der Feuerwehr weiter mit. 15 Löschflugzeuge, neun Hubschrauber sowie Hunderte Feuerwehrleute und freiwillige Helferinnen und Helfer waren im Einsatz gegen die Flammen, die sich kilometerweit ausdehnten.

Wegen eines großen Waldbrandes an der italienisch-slowenischen Grenze sperrten die Behörden in Italien einen Autobahnabschnitt und unterbrachen eine Zugverbindung. Nach Angaben des Zivilschutzes in Friaul-Julisch Venetien sei das Feuer bei Monfalcone, einer Adriastadt nördlich von Triest, ausgebrochen. Auch in Südtirol kämpften Einsatzkräfte nahe Bozen unter anderem mit einem Löschhubschrauber gegen einen Waldbrand im Wandergebiet an der Guntschna Promenade. Am Nachmittag meldete die Feuerwehr, das Feuer sei unter Kontrolle gebracht worden.

Ein ungewohntes Bild gab es in den Niederlanden: Dort waren am Dienstag Streuwagen auf den Straßen. Das Salz wird nicht wegen Glätte gestreut, sondern um den Asphalt zu kühlen, teilte die Kommune Hardenberg mit. Das Salz entzieht der Luft Feuchtigkeit, und die wiederum kühlt den Asphalt ab.

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Wie sieht die Wettervorhersage aus?

In Deutschland steht den Menschen ein weiterer heißer Tag bevor, danach soll es wieder etwas abkühlen. Am Mittwoch verabschiedet sich die starke Hitze erst mal von der Westhälfte Deutschlands und rückt in den Rest der Republik vor. Laut Vorhersage des DWD werden in der Osthälfte 34 bis 40 Grad erwartet. Nach einem Tag soll auch dort die extreme Hitze vorbei sein.

ptz/sak/dpa/AFP
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