Umgang mit der Hitze »Tiere sind einfach vernünftiger als wir«

Viel Schatten, viel trinken, viel Eiscreme essen: Yvonne Riedelt vom Zoo Hannover erklärt, was der Mensch an diesen heißen Tagen vom Tier lernen kann.
Ein Interview von Sara Wess
Eisbär Sprinter im Zoo Hannover: Eistorte mit Äpfeln und Karotten gegen die Hitze

Eisbär Sprinter im Zoo Hannover: Eistorte mit Äpfeln und Karotten gegen die Hitze

Foto: Erlebnis-Zoo Hannover

SPIEGEL: Frau Riedelt, wie warm ist es bei Ihnen?

Riedelt: 34 Grad.

SPIEGEL: Für viele Menschen bedeutet das: Rollladen runter, kalt abduschen und möglichst wenig bewegen. Wie gehen die Zootiere mit der Hitze um?

Riedelt: Unsere Tiere machen das, was man jetzt tun sollte: herunterfahren. Die Eisbären  sind viel im Wasser unterwegs, liegen gern im Schatten, ziehen sich zurück und entspannen. Sogar die afrikanischen Tiere passen sich den Temperaturen an. Unsere Erdmännchen  beispielsweise sind vorrangig in den Morgenstunden unterwegs. Sie kuscheln gerade auch nicht ganz so viel, wie sie es normalerweise tun würden. Die Flamingos  tauchen die Füße im Sambesi ab, unserem Fluss, der durch die afrikanische Themenwelt führt. Und unser Nashorn  findet es total toll zu duschen.

Zur Person
Foto: Erlebnis-Zoo Hannover

Yvonne Riedelt ist Pressesprecherin des Erlebnis-Zoos Hannover.

SPIEGEL: Ihr Nashorn duscht?

Riedelt: Ja, auch die Schweine  haben das in diesem Jahr für sich entdeckt. Wo wir die Möglichkeit haben, duschen wir die Tiere immer mal wieder ab. Die Elefanten  haben in ihrer Außenanlage eine riesige Schlammsuhle, oben hängt ein großer Wasserschlauch, damit werden die Tiere nass gespritzt und können sich danach im Schlamm ordentlich panieren. Das kühlt ab und hilft gleichzeitig gegen nervige Insekten.

Kalte Dusche: Ein Tierpfleger sorgt für Abkühlung bei den Bentheimer Schweinen Waltraud, Walter und Wilma in Hannover

Kalte Dusche: Ein Tierpfleger sorgt für Abkühlung bei den Bentheimer Schweinen Waltraud, Walter und Wilma in Hannover

Foto: Erlebnis-Zoo Hannover

SPIEGEL: Was tun Sie sonst?

Riedelt: Viele Tiere bekommen außerdem Eistorten in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Alles, was die Kühlkammer unseres Futtermeisters hergibt, wird klein geschnitten, in einen großen Eimer gepackt, mit Wasser übergossen und eingefroren. Das ist eine schöne Abkühlung an diesen warmen Tagen, aber auch Snack und Beschäftigung.

Ein Gürtelvari mit Eistorte im Erlebnis-Zoo Hannover: »Alles, was die Kühlkammer unseres Futtermeisters hergibt, wird klein geschnitten«

Ein Gürtelvari mit Eistorte im Erlebnis-Zoo Hannover: »Alles, was die Kühlkammer unseres Futtermeisters hergibt, wird klein geschnitten«

Foto: Erlebnis-Zoo Hannover

SPIEGEL: Haben Ihre Tiere denn auch eigene Tricks, um mit diesem Wetter umzugehen?

Riedelt: Unsere Flusspferde  liegen gern in der prallen Sonne, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen: Sie haben eine Art körpereigene Sonnencreme, ein rötliches Sekret, das die Haut selbst produziert. Das schützt sie vor der Sonne und wirkt gleichzeitig wie ein kleines Antibiotikum, wenn die Tiere miteinander raufen. Unsere Tierpfleger benutzen es im Winter sogar als Handcreme.

SPIEGEL: Was könnten wir uns sonst abschauen?

Riedelt: Eine weitere Sache, die die Tiere uns voraushaben, ist ihr Instinkt nach Wasser. Wir haben Wüstenantilopen, die Addax , eine sehr seltene, vom Aussterben bedrohte Art. Die können über mehrere Kilometer hinweg Wasser wittern. Diesen Instinkt haben wir leider nicht, aber wir sollten uns vielleicht mit einer Wasserflasche daran erinnern, ausreichend Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Tiere können mit Hitze sehr viel besser umgehen als wir Menschen. Und sie sind einfach vernünftiger als wir.

SPIEGEL: Was heißt das?

Riedelt: Unsereins legt sich auch bei diesem Wetter in die Sonne und versucht, noch ein wenig Bräune zu kriegen. Die Tiere – die Flusspferde mal ausgenommen – ziehen sich in den Schatten zurück. Sie wissen intuitiv, dass das die bessere Idee an diesen Tagen ist.

SPIEGEL: Was kann der Mensch noch von Ihren Zootieren lernen?

Riedelt: Viel trinken. Ein bisschen runterfahren – also auf uns Menschen bezogen: keinen Marathon laufen, keinen riesigen Einkaufsbummel machen. Mal ein bisschen in den Schatten legen, entspannen und vielleicht ein oder zwei Eis verputzen. Auch, wenn wir leider selbst zur Eisdiele gehen müssen.

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