Möglicher Hitzerekord Bis zu 48 Grad in Südeuropa erwartet
Menschen bei hohen Temperaturen in Rom
Foto: Guglielmo Mangiapane / REUTERSDen Menschen in Südeuropa stehen ein heißes Wochenende und ein heißer Beginn der kommenden Woche bevor. Vielerorts steigen die Temperaturen auf über 40 Grad. Laut einer Mitteilung der europäischen Raumfahrtbehörde Esa könnten sogar bis zu 48 Grad auf Sizilien und Sardinien erreicht werden.
Bislang liegt der Europarekord für die Lufttemperatur demnach bei 48,8 Grad, die im August 2021 in Floridia in der Region Sizilien erreicht wurden. Dieser wird wohl an diesem Wochenende nicht geknackt. Dennoch: Heiß wird es allemal.
Eine »große Hitzewelle« werde erwartet, schrieb die Esa dazu auf Twitter. Nach dem heißesten je gemessenen Juni sehe auch der Juli »nicht so frisch« aus.
Die Behörde veröffentlichte auch eine Karte mit Landoberflächentemperaturen, die mithilfe von Satellitenmessungen bestimmt werden. Die gängigere Lufttemperatur kann zur gleichen Zeit deutlich niedriger liegen. Für Rom wies die Esa für den Morgen des 10. Juli 46 Grad am Boden aus, für Sevilla 47 Grad. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überwachen laut Esa die Landoberflächentemperaturen, um das Wetter, Klimamuster und Waldbrände besser verstehen und vorhersagen zu können.
After the hottest June on record, July is not looking so fresh either. 🌡️
— ESA Earth Observation (@ESA_EO) July 13, 2023
A major heatwave is predicted to rise temperatures as high as 48°C.
This map shows Land surface temperatures reaching 46°C in Rome and Madrid, and 47°C in Seville.#Cerberus
🔗 https://t.co/lEwVxkecb2 pic.twitter.com/LAyKdL4LDF
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Der Überblick der betroffenen Länder von West nach Ost:
In Spanien ebbte die zweite offizielle Hitzewelle dieses Sommers am Donnerstag zunächst wieder ab. Der Wetterdienst Aemet rief nur noch für den Süden von Gran Canaria die höchste Alarmstufe Rot aus. Auf dem Festland sollte es aber vor allem in Teilen von Andalusien mit Temperaturen von bis zu 40 Grad sehr heiß bleiben. Zuvor hatte die Hitzewelle den Menschen in vielen Regionen Spaniens schwer zugesetzt. Die höchsten Temperaturen wurden mit knapp unter 45 Grad in Andalusien und in Murcia gemessen. Aber auch auf Mallorca übertraf die Quecksilbersäule zeitweilig die 40-Grad-Marke.
Italien leidet bereits seit Tagen unter der Hitze. Wegen »Cerbero« – der mehrköpfige Höllenhund aus der griechischen Mythologie – wurde unter anderem auf Sardinien und in der Region Apulien am Mittwoch die 40-Grad-Marke geknackt. Für etliche Städte rief das Gesundheitsministerium die höchste Alarmstufe Rot für Hitze aus. Und Entspannung ist nicht in Sicht: Auf »Cerbero« soll »Caronte« mit noch höheren Temperaturen folgen. Anfang nächster Woche soll das Hochdruckgebiet seine maximale Hitze erreichen – mit Temperaturen von mehr als 40 Grad etwa in Rom, Florenz und Bologna. In Teilen Sardiniens könnten manchen Prognosen zufolge sogar Spitzenwerte bis zu 47 Grad, auf Sizilien sogar 48 Grad erreicht werden; auch in der Luft.
In Griechenland stellen sich die Menschen ebenfalls auf Extreme ein: In Athen soll das Thermometer bereits am Freitag auf 41 Grad klettern. Das Kulturministerium hat die Verwalter von archäologischen Sehenswürdigkeiten wie der Akropolis angewiesen, die Besuchermagneten zwischenzeitlich für mehrere Stunden zu schließen, wenn es zu heiß wird. Viele Gemeinden halten klimatisierte Hallen geöffnet, damit man dort Schutz suchen kann. Auf ältere Menschen sowie Kranke und Kleinkinder solle besonders geachtet werden, hieß es. Zudem dürften Haustiere und Streuner nicht vergessen werden – ihnen solle überall ausreichend Wasser hingestellt werden.
Globaler Hitzerekord im Juni
Ärzte empfehlen, die Mittagshitze im Freien zu meiden und am besten eine Siesta zu halten. Lockere, leichte Kleidung ist ebenso wichtig wie ausreichend Wasser. Alkohol hingegen passt nicht zur Hitze – er wirkt demnach bei hohen Temperaturen stärker und belastet den Kreislauf zusätzlich.
Erst kürzlich wurde ein weltweiter Hitzerekord übertroffen: Die durchschnittliche globale Temperatur lag der US-Plattform »Climate Reanalyzer« zufolge ab dem 3. Juli eine Woche lang über dem bisherigen Rekordwert von 2016 – es war also die heißeste Woche seit Beginn der Aufzeichnungen.
Auch der EU-Klimawandeldienst Copernicus hatte bereits vor ein paar Tagen bekannt gegeben, dass nach seinen Auswertungen auf Basis von Daten, die bis 1979 zurückgehen, der Juni der weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen sei.
Von Januar bis Juni lag die globale Durchschnittstemperatur nach Angaben der US-Behörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) über Land- und Ozeanflächen um 1,01 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts. Nur die ersten Jahreshälften 2020 und 2016 waren nach Angaben der NOAA bislang wärmer. Die Wahrscheinlichkeit, dass 2023 unter die zehn heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnung fallen werde, liege bei 99 Prozent, hieß es weiter.
Die hohen Temperaturen zeigen sich zunehmend auch bei den Todeszahlen: Im Sommer 2022 gab es in Europa mehr als 60.000 hitzebezogene Todesfälle, wie ein Forschungsteam im Fachmagazin »Nature Medicine« am Montag berichtete. Deutschland hatte mit 8173 Toten die drittmeisten Hitzeopfer zu beklagen, nach Italien mit 18.010 Toten und Spanien mit 11.324 Toten.
Anmerkung: Diese Meldung wurde nachträglich überarbeitet. In einer früheren Version hatten wir die Überschrift um den Hinweis ergänzt, in Südeuropa würden »Bodentemperaturen« von bis zu 48 Grad erwartet. Tatsächlich ist in der Esa-Mitteilung (Stand 16.7.2023) die Rede von Lufttemperaturen auf Sizilien und Sardinien. Zudem haben wir klargestellt, dass es sich bei den Temperaturangaben von 46 Grad für Rom und 47 Grad für Sevilla nicht um Prognosen handelt, sondern um Berechnungen der Landoberflächentemperatur.