HIV-Prävention in Südafrika Bunte Präservative sollen "Kondom-Müdigkeit" stoppen

Junge Südafrikaner benutzen seltener Kondome als früher. Gleichzeitig steigt die Zahl der HIV-Infizierten. Die Regierung will Studenten nun zum Gebrauch des Verhütungsmittels animieren - bunte Kondome mit Geschmack sollen dabei helfen.

Schön bunt - und sicher: Kondome schützen gegen eine HIV-Infektion
DPA

Schön bunt - und sicher: Kondome schützen gegen eine HIV-Infektion


Pretoria - Südafrikas Regierung will durch bunte Kondome mit Geschmack die Verbreitung von HIV eindämmen. Die Präservative sollen an südafrikanische Studenten verteilt werden, bei denen eine gewisse "Kondom-Müdigkeit" ausgemacht wurde, wie Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi laut der "Cape Times" mitteilte.

Die bislang ausgegebenen beigefarbenen Kondome seien "einfach nicht cool genug", sagte Motsoaledi. Das sei möglicherweise ein Grund, weshalb der Gebrauch des Verhütungsmittels zurückgehe. Die farbenfrohen Präservative sollen kostenlos an Hochschulen augegeben werden, berichtet die BBC.

Ob die Maßnahme Erfolg hat, wird sich erst in ein paar Jahren beurteilen lassen. Dass dringend Handlungsbedarf besteht, ist aber unstrittig. Denn laut einer neuen Studie haben Südafrikaner mehr Sexualpartner als früher, benutzen aber seltener Kondome.

Besonders in der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren ist der Gebrauch des Verhütungsmittels zurückgegangen. 2008 benutzten noch 85 Prozent der Männer und 66 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe Kondome. 2012 lagen die Anteile nur noch bei 67 und 50 Prozent. Das riskante Sexualverhalten sei enttäuschend, konstatiert Leickness Simbayi, einer der beteiligen Forscher. Es sei einer der Gründe, weshalb es so viele neue Infektionen gebe.

Mehr als sechs Millionen Infizierte

Der Studie zufolge waren 2012 etwa 12,2 Prozent der Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert. Das entspricht mehr als sechs Millionen Menschen. 2008 hatte der Anteil der Betroffenen noch bei 10,6 Prozent gelegen. Betroffen sind vor allem schwarze Frauen von 15 bis 49 Jahren - fast jede Vierte ist HIV-positiv. In dieser Altersgruppe liegt der Anteil der infizierten Männer bei 18,8 Prozent.

Für die Steigerung der Infiziertenzahl machen Experten zwei Trends verantwortlich: Zum einen hat Südafrika die höchste Rate an neuen Infizierten, allein 2012 waren es etwa 400.000. Zum anderen leben Menschen inzwischen länger, die das Virus in sich tragen. Etwa zwei Millionen Personen werden mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Diese können das Virus kontrollieren und den Ausbruch von Aids verhindern oder zumindest hinauszögern.

Hilfsorganisationen warnten bereits, Kliniken könnten die Medikamente ausgehen. 2012 hatte Südafrika mit zwei Pharmafirmen einen Vertrag über 667 Millionen Dollar abgeschlossen, der die Versorgung mit Medikamenten sicherstellen soll.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Südafrikaner nicht über HIV und Aids Bescheid wissen. Gerade einmal drei von zehn Personen wissen, wie das Virus übertragen wird. Fast drei Viertel der in der Studie Befragten halten die Gefahr, sich zu infizieren, für gering - dabei hatte sich jeder Zehnte bereits angesteckt.

Gesundheitsminister Motsoaledi sagte, man müsse die Kondom-Kampagne enthusiastisch angehen. Die Ausgabe der bunten Präservative mit Geschmack soll in einem Monat anlaufen.

ulz/Reuters

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