Hochstapelei-Boom "Auf jeden echten Seal kommen tausend falsche"

Seit eine Einheit der Navy Seals in Pakistan Osama Bin Laden tötete, ist das Renommee der Elitetruppe mächtig gestiegen. Betrüger und eitle Hochstapler nutzen das, um Frauen zu beeindrucken oder Vorteile zu ergaunern. Ein Ex-Seal sucht und outet die Betrüger.

DPA

Virginia Beach - "Sie wollen einen Seal sehen? Dann gehen Sie zu einem Fernfahrerrastplatz, dort wimmelt es derzeit davon." So spricht Don Shipley, der früher tatsächlich bei der Spezialeinheit der US-Navy diente und mittlerweile pensioniert ist. Heute kümmert er sich um den guten Ruf der Elitesoldaten und meldet Hochstapler, die sich als ehemalige oder aktive Seals ausgeben. Sie tragen gefälschte Abzeichen und Medaillen, um bei Frauen Eindruck zu schinden, die Rechnung im Restaurant zu drücken oder kostenlos Sportveranstaltungen besuchen zu können. Seit Navy Seals am 2. Mai Terrorchef Osama Bin Laden töteten, hat Shipley viel zu tun.

Das Forum auf der Internetseite usnavyseals.com, einem von der Regierung unabhängigen Auftritt der Soldaten, ist voller Einträge über Erfahrungen mit angeblichen Seals. Eine Frau, die sich passenderweise "Skeptische Tochter" nennt, erzählt dort, wie ein Mann mit der Behauptung, Kommandant von Team 6 gewesen zu sein, als Bin Laden getötet wurde, derzeit das Herz ihrer Mutter erobern will. "Er ist übergewichtig, klagt über Knieschmerzen und erzählt ihr alles über seine Missionen", schreibt sie und fragt sich, ob US-Elitesoldaten sich wirklich so benehmen würden.

Ein Mann namens Gene schreibt im Forum der Website, die auch Videos der Soldaten online stellt und T-Shirts vertreibt, wo er sie überall zu Gesicht bekommt, die angeblichen Ex-Seals: in Bussen, im Supermarkt, im Steak-Haus. "Lustig, ich wusste gar nicht, dass Seals 300 Pfund wiegen", erzählt Gene. Manchmal tragen sie das goldene Dreizackabzeichen der Seals an ihren Hüten, manchmal prangen angebliche Ehrenmedaillen an ihrer Brust.

Seal-Schwemme: Nie war die Elite zahlreicher als heute

Fotostrecke

11  Bilder
US-Einsatz gegen Bin Laden: Navy Seals hatten den Schussbefehl
Beinahe erheiternd war der Fall von Pastor Jim Moats aus Pennsylvania, der seit Jahren behauptet, mit den Navy Seals im Vietnamkrieg gewesen zu sein und erst kürzlich einer Lokalzeitung ein Interview über diese Zeit gegeben hat. Er will sogar Training im Waterboarding erhalten haben - für den Fall, gefangengenommen und auf diese brutale Art verhört zu werden. Erst als Shipley bei der Zeitung anrief und Moats als Betrüger entlarvte, gestand dieser seine Hochstapelei ein und entschuldigte sich bei der Zeitung und seiner Gemeinde.

"Auf jeden echten Seal kommen tausend falsche", schätzt Shipley die Lage ein. Vor Bin Ladens Tod bekam er täglich bis zu 20 Hinweise auf Betrüger, die nach US-Recht mit bis zu einem Jahr Gefängnis für ihre Behauptungen bestraft werden können. Heute sind es locker doppelt so viele. Landesweit gibt es nur rund 2300 Seals, die eine spezielle Ausbildung durchlaufen müssen. Die Abkürzung steht für Sea, Air, Land - Meer, Luft, Boden - den Einsatzgebieten der Truppe.

Während in einigen Ecken der USA seit dem 2. Mai jeder zu den Seals gehören will, sind sie genau dort unsichtbar, wo es sie wirklich gibt: in Virginia Beach, wo Team 6 stationiert ist. "Ein wahrer Seal wird Ihnen nicht sagen, dass er einer ist", sagt Dilsat Dorsey, die dort einen Schmuckstand betreibt. Die Seite usnavyseals.com warnt seit Jahren vor angeblichen Seals.

Wer demonstrativ in Tarnkleidung voller Abzeichen herumlaufe und von den vielen Toten bei seiner letzten Mission erzähle, sei sehr wahrscheinlich ein Betrüger, heißt es. "Ein wahrer Seal wird sich scheuen, Ihnen seinen Ausweis unter die Nase zu halten."

Die echten Seals haben übrigens zum Teil die Flucht aus Virginia Beach ergriffen. Ihre Stärke ist ja gerade, dass sie keiner kennt. Da kommen die vielen Touristen, die gerne einmal einen Elitekrieger ganz aus der Nähe sehen wollen, sehr ungelegen.

Karin Zeitvogel und Virginie Montet, AFP



insgesamt 7405 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Greg84 02.05.2011
1.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
2. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
3. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
Hubatz 02.05.2011
4. Beweise
Dieser Mann ist ein Mysterium. Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien aber Beweisfotos oder besser Videos würden mich erfreuen.
lucario.75 02.05.2011
5. bin laden
Die Fernsehbilder der Freude hunderter Amerikaner, (nachvollziehbar) werder viele radikale Islamisten für ihre Propaganda nutzen um die Angst der Menschen auf der ganzen Welt weiter zu schüren und Terroranschläge zu planen. Ich selber Wohne nur ein paar Strassen weiter wo vor ein paar tagen Terroristen festgenommen worden sind, die konkrete Anschlägen zu Zeitnahen Ereignissen mit erheblichen Menschenaufkommen verübt werden sollte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.