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Überschwemmung auf dem Balkan: Wasser bedroht Kraftwerk

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS

Flut auf dem Balkan Hochwasser treibt Landminen an die Oberfläche

Dutzende Menschen sind dem Hochwasser auf dem Balkan bereits zum Opfer gefallen. Nun droht eine neue Gefahr: Landminen aus dem Bürgerkrieg der neunziger Jahre werden freigeschwemmt.

Belgrad - Mehrere Städte stehen unter Wasser, Dutzende Menschen kamen in den Fluten ums Leben. Der Balkan kämpft gegen verheerende Überschwemmungen. Nun spült das Hochwasser Landminen aus dem Bosnien-Krieg frei. Mehrere explodierten bereits.

Das Minenaktionszentrum MAC warnt, dass die Sprengkörper bis zum Schwarzen Meer geschwemmt werden könnten. Über den Fluss Save könnten die Minen in die Donau gelangen, berichtet die "Tagesschau"  unter Berufung auf Experten. Dies sei besonders gefährlich für die Turbinen von Wasserkraftwerken.

Aus dem Bürgerkrieg der neunziger Jahre liegen noch rund 120.000 Landminen in Bosnien-Herzegowina. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Die Gegenden um die Städte Doboj und Olovo, die jetzt besonders vom Hochwasser betroffen sind, gelten noch als stark vermint.

Die aktuelle Lage in den Überschwemmungsgebieten:

  • Bosnien-Herzegowina: In Doboj steht das Wasser stellenweise bis zu vier Meter hoch. "Höchste Priorität hat jetzt das Auffinden der Toten", sagte Bürgermeister Petrovic. Man müsse herausfinden, wie viele Menschen in den Fluten umkamen: "Es werden viele Tote sein." Unter anderem ist die Save nach tagelangen Regenfällen extrem angeschwollen. Nach mehr als zwei Tagen drangen Rettungskräfte in die Stadt Samac vor. "Das ist die totale Verwüstung, es sieht vom Hubschrauber wie ein Meer aus", sagte Bürgermeister Savo Minic der Nachrichtenagentur Fena. Die Evakuierung verlaufe chaotisch.
  • Serbien: Ministerpräsident Aleksandar Vucic bezeichnete die Lage als katastrophal. Mehr als 4000 der 30.000 Einwohner wurden aus der Stadt Obrenovac in Sicherheit gebracht. In den Städten Sabac, Mitrovica und Kostolac sei das Hochwasser unter Kontrolle, teilten die Einsatzkräfte mit. Belgrad steht nun die Flutwelle der Save bevor. Vucic bezifferte den finanziellen Schaden allein durch die Überflutung der Grube von Kolubara, des größten Kohlebergwerks von Serbien, auf 100 Millionen Euro: "Was uns widerfährt, geschieht nur einmal in tausend Jahren, nicht hundert, sondern tausend." Bei Obrenovac besteht Gefahr für das Kraftwerk Nikola Tesla, das rund 50 Prozent der Stromproduktion Serbiens liefert.
  • In Bosnien-Herzegowina und Serbien steigt die Gefahr von Erdrutschen. Schlammlawinen zerstörten am Samstag das Dorf Olovo und machten acht Hauptstraßen unbefahrbar. Im Westen von Serbien zerstörten Erdrutsche Dutzende Häuser in Krupanj und umliegenden Dörfern.
  • In Tschechien scheint die Hochwassergefahr vorerst gebannt. In Spindlermühle im Riesengebirge gehen die Pegelstände allmählich zurück. Hier war an der Elbe die höchste Alarmstufe ausgerufen worden.
  • Polen: Auch in den südpolnischen Hochwassergebieten besserte sich die Situation an der Weichsel und ihren Zuflüssen. "Die Lage stabilisiert sich", sagte ein Sprecher der Feuerwehr der Nachrichtenagentur PAP.

isa/dpa/afp