Hochwasser Die Flut erobert Norddeutschland

Unaufhaltsam bahnt sich die Flutwelle der Elbe ihren Weg nach Norddeutschland. Heute Morgen sollen rund 13.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen evakuiert werden.



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Hamburg - Im mecklenburgischen Dömitz (Kreis Ludwigslust) und fünf umliegenden Dörfern sollen die Menschen ihre Wohnungen verlassen - doch bei vielen fehlt die Bereitschaft. "Mit der Schrotflinte wird keiner hinter den Leuten herlaufen. Aber jeder muss sich bewusst sein, dass die Versorgung kleiner Inseln bei Überschwemmungen nicht in jedem Fall gewährleistet werden kann", appellierte Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) an die Einsicht der Einwohner.

Lauenburg: Ein Helfer des Technischen Hilfswerks beobachtet den Pegelstand
DPA

Lauenburg: Ein Helfer des Technischen Hilfswerks beobachtet den Pegelstand

Auch im niedersächsischen Amt Neuhaus (Kreis Lüneburg) werde am Mittwochmorgen mit der Evakuierung von rund 1700 Menschen begonnen, kündigte Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) an. Dies seien reine Vorsichtsmaßnahmen. In der Nacht zum Mittwoch war die Elbe im Regierungsbezirk Lüneburg nach Behördenangaben stündlich um fünf bis zehn Zentimeter gestiegen.

Die Zahl der Hochwassertoten in Sachsen hat sich unterdessen auf 16 erhöht. In der Nähe von Mühlbach im Kreis Sächsische Schweiz sei am Dienstagabend eine Frau tot geborgen worden, teilte der Sprecher des Krisenstabs im Dresdner Innenministerium, Lothar Hofner, mit.

Gefahr drohte weiter auch in Sachsen-Anhalt. In Bitterfeld war die Lage nach Auskunft des Krisenstabes in der Nacht "sehr kritisch". Aus der Mulde laufe immer noch Wasser in den riesigen Tagebausee Goitzsche. Der Deich bei Pouch in der Nähe der Kreisstadt sei noch immer offen. Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, ein Unesco-Weltkulturerbe, war erneut gefährdet. Die Wassermassen strömten von Osten auf Dessau zu und bedrohten nun auch die Trasse der Autobahn 9 Berlin - München vor der Stadt. Möglicherweise müsse in den nächsten Stunden die Autobahn wegen Überflutung gesperrt werden, sagte ein Polizeisprecher. In Dessau mussten nach Angaben des örtlichen Krisenstabes Bewohner von drei Siedlungen vorsichtshalber ihre Häuser verlassen.

In Wittenberge in Brandenburg ging der Pegelstand der Elbe nach der Öffnung einer Wehranlage in der Prignitz in der Nacht zum Mittwoch leicht zurück. Durch die Flutung in Quitzöbel floss das Elbewasser in die Havel und in angrenzende Polder. Stunden zuvor war die Evakuierung erster kleinerer Orte in der Region angelaufen. Im südbrandenburgischen Mühlberg konnten Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. In Magdeburg in Sachsen-Anhalt ging das Hochwasser der Elbe in der Nacht Zentimeter um Zentimeter zurück. "Die Lage in der Stadt ist entspannt", sagte eine Sprecherin Krisenstabes.

Für den Landkreis Schönebeck in Sachsen-Anhalt konnte trotz langsam sinkenden Pegelstandes noch keine Entwarnung gegeben werden. Nach Angaben des Landratsamtes von Dienstagabend wird sich der Pegel über das Wochenende hinaus bei über 6,00 Metern halten. Das bedeute weiter enormen Druck auf die Deiche und erfordere ständige Kontrollen der Deichwachen.

Der Deich bei Altenzaun im Kreis Stendal wurde am Dienstagabend durch Sickerstellen auf einer Länge von 75 Metern durch das Elbehochwasser beschädigt. Die Einwohner der Ortschaften Osterholz, Rosenhof und Schwarzholz-Kirche mussten ihre Häuser verlassen, teilte das Landratsamt am Abend mit. Angehörige der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerkes seien vor Ort und bauten zum Schutz vor das Elbehochwasser einen zusätzlichen Damm. Der Deich sei derzeit sehr durchnässt und damit äußerst weich geworden.








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