Hochwasser an der Elbe Drittes Schiff soll Deichbruch bei Fischbeck schließen

Gesprengte Schiffe als Bollwerk gegen die Wassermassen - der Plan ging in Fischbeck nur zum Teil auf. Noch immer klafft ein 20 Meter breites Loch im Deich. Jetzt soll ein dritter Kahn die Lücke schließen.


Fischbeck/Magdeburg - Eine der wohl ungewöhnlichsten Aktionen im Kampf gegen das Hochwasser ist nur zum Teil aufgegangen. Die zwei versenkten Lastkähne haben die Lücke im Deich reduziert, aber noch immer fließen Wassermassen durch eine 20 Meter breite Öffnung. Bis in die Nacht haben Bundeswehrsoldaten versucht, die Lücke weiter zu schließen. "Dazu wurden riesige Sandsäcke und Betonteile von Hubschraubern aus ins Wasser geworfen", sagte eine Sprecherin des Krisenstabs in Magdeburg.

Nun soll ein dritter Lastkahn die Lücke endgültig schließen. Er werde jedoch nicht wie die beiden anderen Kähne gesprengt und versenkt, sondern vor den Durchfluss geschoben, sagte die Sprecherin. Zusätzlich solle die Lücke mit Schiffscontainern geschlossen werden. Wenn die Aktion gelinge, könnte sich die ernste Lage für die Menschen in der überschwemmten Region östlich der Elbe verbessern, hieß es.

Die beiden anderen Kähne waren am Samstagabend am gebrochenen Deich bei Fischbeck versenkt worden. Mit der einmaligen Aktion konnte die ursprünglich rund 90 Meter lange Lücke im Deich deutlich reduziert werden. "Wir werten das als echten Erfolg. Das hat noch nie jemand versucht", sagte der Kommandeur des Landeskommandos Sachsen-Anhalt, Oberst Claus Körbi. Das Hochwasser kann sich jetzt nicht mehr so stark wie bisher ausbreiten.

Die sogenannten Schuten - Lastkähne ohne eigenen Antrieb - wurden per Sprengung auf den Grund des Flusses befördert. Die Aktion war am Freitag vom Krisenstab der Landesregierung beschlossen worden. Durch den Deichbruch bei Fischbeck sind seit vielen Tagen riesige Wassermengen in die Region geflossen. Tausende Menschen aus mehr als 20 Ortschaften sind in Sicherheit gebracht worden. Die Wasserstände der Elbe gehen zwar zurück, der Fluss kann aber die Wassermassen der kleineren Flüsse, die in die Elbe münden, nicht aufnehmen. Es entsteht ein Rückstau.

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Schiffeversenken: Bollwerk gegen die Wassermassen
Breitenhagen

So wird etwa am Saale-Deich bei Breitenhagen (Sachsen-Anhalt) eine zweite Sprengung vorbereitet. Gegen Sonntagmittag solle die bereits am Samstag mit Sprengstoff geöffnete Stelle vergrößert werden, teilte der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mit. Das Wasser könne so noch schneller aus den überschwemmten Gebieten zurück in den Fluss laufen. Die erste Sprengung sei zwar ein Erfolg gewesen, doch aufgrund des sandigen Bodens habe das explosive Material nicht tief genug eindringen können, hieß es.

Lauenburg

Im schleswig-holsteinischen Lauenburg sind die Aufräumarbeiten angelaufen. Sandsackbarrieren werden abgebaut und die bereits am Samstag in die Altstadt zurückgekehrten Bewohner können mit der Beseitigung der Schäden beginnen. Rund 300 Menschen hatten vor einer Woche die von der Elbe-Flut bedrohten Wohngebiete verlassen müssen.

Am Morgen zeigte der Pegel in Lauenburg 8,95 Meter, einen Tag zuvor waren es noch mehr als 9,00 Meter gewesen, berichtete Tom Reher vom Katastrophenschutzstab. "Die Nacht war ruhig, es gab keine Besonderheiten", sagte der Sprecher.

Damit die Bewohner mit den Aufräumarbeiten beginnen und vollgelaufene Keller leerpumpen können, werden nach Rehers Angaben zunächst Baustromkästen aufgebaut. Anschließend werde schrittweise die normale Stromversorgung wieder hergestellt. Auch an der Schleuse zum Elbe-Lübeck-Kanal wurde mit dem Rückbau der Sandsäcke begonnen.

Kreis Lüchow-Dannenberg

Der niedersächsische Landkreis Lüchow-Dannenberg hat den Katastrophenfall wegen des Elbe-Hochwassers aufgehoben, wie die Kreisverwaltung mitteilte. Weitere Informationen sollten im Laufe des Vormittags bekanntgegeben werden.

Im vom Hochwasser ebenfalls betroffenen Kreis Lüneburg blieb der Katastrophenalarm zunächst bestehen. Ein Sprecher ging jedoch davon aus, dass er auch dort im Laufe des Sonntags aufgehoben wird. Die Lage sei ruhig, die Zahl der Einsatzkräfte sei schon deutlich heruntergefahren worden.

Wittenberge

In Wittenberge entspannte sich die Hochwasserlage langsam. Der Pegelstand erreichte am Morgen einen Wert von 6,91 Metern. Beim Höchststand vor einer Woche lag der Wert bei 7,85 Metern. Es werde aber voraussichtlich noch bis Dienstag dauern, bis der Wasserstand unter den Grenzwert der höchsten Alarmstufe 4 von 6,70 Metern sinke, teilte das Krisenmanagement mit.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) besucht am Sonntagmittag erneut die Hochwasserregion in der Prignitz. Dort will er sich in Lenzen und Wittenberge über die Situation informieren.

yes/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
verstehe 16.06.2013
1. hoffentlich klappt das!!
aber was wird mit dem ganzen stahl, wenn das wasser weg ist? wird man dann ganz viel geld investieren, um den schrott zu zerlegen und abzutransportieren? ich hoffe es für die region. aber erstmal hoffe ich, dass die überflutungen gestoppt werden...
tsaag 16.06.2013
2. Warum nicht gleich beladen an die Stelle schleppen?
Weshalb so umständlich leere Schuten an die Bruchstelle schleppen und diese nicht gleich bequem beladen und dann versenken? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in Sachsen-Anhalt unter dieser Landesregierung besonders viel schief läuft - nicht nur bei dieser Deichsicherungsmaßnahme - nicht nur bei diesem Hochwasser. Viel dilletantischer kann man doch wohl nicht handeln, oder?
UweKarl 16.06.2013
3. heute bei jauch Wahlkampf einmal anders
Jauch und die Ostdeutschen CDU Ministerpräsiden mit einer Spenden Gala gegen die Flutschäden. Spannende Frage wo ist das Geld nach der letzten Flut eingesetzt worden oder wo ist es versickert. Na ja SPD findet nicht statt, die Deiche in Brandenburg haben ja auch gehalten.
Holledauer 16.06.2013
4. Wenn man Ihrem Vorschlag folgte,..
Zitat von tsaagWeshalb so umständlich leere Schuten an die Bruchstelle schleppen und diese nicht gleich bequem beladen und dann versenken? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in Sachsen-Anhalt unter dieser Landesregierung besonders viel schief läuft - nicht nur bei dieser Deichsicherungsmaßnahme - nicht nur bei diesem Hochwasser. Viel dilletantischer kann man doch wohl nicht handeln, oder?
.. dann wäre man Dilettant, da derzeit niemand weiß, welche Tauchtiefe (= Tiefgang) an der Deichbruchstelle zulässig ist, um die Schute genau dorthin zu manövrieren, wo sie dann abgesenkt werden soll. Man muss davon ausgehen, dass durch die veränderten Strömungsverhältnisse keine einzige Karte sowohl der Elbe als auch der Uferregion stimmt.
HeinrichMatten 16.06.2013
5. Eine Ansicht
Zitat von sysopDPAGesprengte Schiffe als Bollwerk gegen die Wassermassen - der Plan ging in Fischbeck nur zum Teil auf. Noch immer klafft ein 20 Meter breites Loch im Deich. Jetzt soll ein dritter Kahn die Lücke schließen. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-drittes-schiff-soll-deichbruch-bei-fischbeck-schliessen-a-905991.html
Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleute, technische Helfer und freiwillige Helfer, das habt Ihr m.E. sehr gut gemacht. Ohnmächtig seid Ihr allerdings gegen die Laberflut, da helfen auch keine Lachsäcke...
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