Hochwasser im Urlaub verpasst Wie Bitterfelds Bürgermeister baden ging

Im Hochwassergebiet von Sachsen-Anhalt gerät Bitterfelds Bürgermeister in Erklärungsnot: Während in der vergangenen Woche Tausende Freiwillige in einer dramatischen Aktion versucht hatten, die Chemiestadt vor der Überflutung zu retten, weilte das Stadtoberhaupt ahnungslos beim Jahresurlaub an der sonnigen Südküste Brasiliens.


Und wo bitte war der Bürgermeister? Bitterfelder Bürger am 16.8.2002
DDP

Und wo bitte war der Bürgermeister? Bitterfelder Bürger am 16.8.2002

Bitterfeld - Von den katastrophalen Zuständen in seiner Stadt, entschuldigt sich Bürgermeister Dr. Werner Rauball (SPD), habe er aufgrund massiver Kommunikationsprobleme erst erfahren, als weite Teile Bitterfelds bereits unter Wasser standen.

"Ich war gerade in Südbrasilien, in einem kleinen Fischerdorf, 500 Kilometer vor Porto Alegre", berichtet der Urlauber, der sich seit Dienstag wieder in Deutschland befindet. Zwar habe es in der Ortschaft ("Der Name fing mit A an") Rundfunk gegeben, doch leider habe er nichts verstehen können, da er kein Portugiesisch beherrsche. Auch telefonsich sei er nicht erreichbar gewesen.

Derweil hatte Rauballs parteilose Stellvertreterin Carola Niczko immer dramatischere Meldungen an die E-mail-Adresse ihres Chefs geschickt, die er für Notfälle zuhause hinterlassen hatte. Doch ohne Erfolg.

"Erst am Sonntag hatte ich Zugang zum Internet", rechtfertigt sich Rauball. Als er seine E-mails las, habe er den Urlaub sofort abgebrochen und sei umgehend nach Bitterfeld zurückgekehrt.

Chaos während der Abwesenheit

Während der Abwesenheit des Bürgermeisters ist es in seiner Heimatstadt offenbar zu chaotischen Zuständen beim Krisenmanagement gekommen. Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet über absurde Pannen und Abstimmungsfehler zwischen den Krisenstäben um Landrat Uwe Schulze (CDU). Im allgemeinen Chaos habe die stellvertretende Bürgermeisterin Niczko schließlich sogar bei Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) angefragt, ob die Bundeswehr nicht das Kommando in Bitterfeld übernehmen könne.

Die Pannen und die Frage, warum Bürgermeister Rauball im Urlaub nicht erreichbar war, dürften jetzt eine zentrale Rolle bei der Sitzung des evakuierten Stadtrates spielen, der am Donnerstagnachmittag im Wolfener Kulturhaus tagt.

Für Flutopfer hat die Stadt ein Spendenkonto eingerichtet: Kreissparkasse Bitterfeld
Konto-Nummer: 34 00 40 73
BLZ: 800 537 22
Kennwort: Hilfe für Hochwasseropfer



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