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Mega-Flut: Es wird eng am Drei-Schluchten-Damm

Foto: STR/ AFP

Hochwasser in China 19 Meter bis zur Katastrophe

Der Drei-Schluchten-Damm in China ist das größte Wasserkraftwerk der Welt - und ein Symbol für den Machtwillen der KP. Doch jetzt bedroht eine Mega-Flut den Wall. Zum ersten Mal lassen die Funktionäre Zweifel an dem Projekt erkennen.

China leidet unter gigantischen Wasserfluten. Seit Jahresbeginn sind mehr als 1000 Menschen bei Überschwemmungen und Erdrutschen ums Leben gekommen, riesige Landstriche sind überflutet, viele Dörfer und Städte von der Außenwelt abgeschnitten.

In 25 Flüssen ist das Wasser gefährlich gestiegen, rund 113 Millionen Chinesen in 27 Provinzen sind betroffen. Doch das Schlimmste, warnen Experten, stehe noch bevor. Der tropische Sturm "Chanthu" wird in den kommenden Tagen neue starke Niederschläge bringen.

Gebannt blicken die Menschen nun auf den Drei-Schluchten-Damm am Jangtse. Dieses größte Wasserkraftwerk der Welt mit seiner 185 Meter hohen Betonmauer war von Anfang an umstritten. Die Regierung hatte das Megaprojekt stets damit gerechtfertigt, es werde Überschwemmungen am Unterlauf verhindern und Menschenleben retten.

"Sicherheit gefährdet"

Jetzt räumte Chefingenieur Cao Guangjing in der amtlichen "China Daily" ein, das Drei-Schluchten-Projekt sei keineswegs so belastbar wie seine Verfechter glauben machten: Wenn die Strömung schneller als 122.000 Kubikmeter pro Sekunde fließe, "würde dies die Sicherheit des Dammes selbst gefährden".

Von einer solchen Katastrophe war China bislang noch weit entfernt. Auf dem Höhepunkt der Flut führte der Jangtse in dieser Woche etwa 70.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, inzwischen verlangsamte sich die Strömung.

Gleichwohl ist Caos Äußerung bemerkenswert: Die Funktionäre hatten Zweifel an dem Milliardenprojekt, das im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde, bisher stets zurückgewiesen.

Fluss über Ufer getreten

Inzwischen hat das Wasser in dem über 600 Kilometer langen Drei-Schluchten-Stausee eine Höhe von 156 Metern erreicht - 19 Meter unter der Obergrenze. Steigt der Pegel in den kommenden Tagen wieder, dürfte dies die Millionen-Metropole Chongqing oberhalb des Dammes gefährden, warnt der Geologe Fang Xiao. Dort ist der Fluss bereits über seine Ufer getreten.

Drei-Schluchten-Damm

Die Betreiber müssen womöglich entscheiden, ob sie die Anwohner des Oberlaufs oder des Unterlaufs gefährden wollen: Wenn sie das Reservoir bis zum Limit belasten, bliebe keine Reserve für kommende Fluten. Öffnet der seine Schleusen aber weiter und lässt große Mengen Wasser ab, droht es die Deiche am Unterlauf des Jangtse zu sprengen und das Land zu überschwemmen.

Jahrelanger Raubbau

Schuld an der Katastrophe sind nicht nur ungewöhnlich starke Regenfälle, sondern nach Ansicht vieler Experten auch schlechte Dämme und die Erosion der Böden. Erdrutsche haben viele Flussbette so verändert, dass sie weniger Wasser aufnehmen können. Die Folge: Die Ströme treten schneller über ihre Ufer.

Weil es nach Jahrhunderten des Raubbaus viel zu wenige Wälder in der Region gibt, erodieren die Böden. 3,56 Millionen Quadratkilometer sind betroffen, knapp die Hälfte der Fläche Australiens.

Zudem sind vielerorts die Dämme und Auffangbecken vernachlässigt worden. Allein in der westlichen Provinz Jiangxi brachen im Juni 17 Deiche. Funktionär Zhou Xuewen vom Ministerium für Wasserwirtschaft versprach jetzt: "Wir werden schnell die mittleren und kleinen Reservoire im ganzen Land verstärken."

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