Hochwasser in China Milliarden Mäuse überfallen die Felder

Knüppel, Schaufeln, Fischernetze, Gräben - mit allen Mitteln versuchen Chinesen im Landesinneren einer gigantischen Mäuseplage Herr zu werden. Durch ein Hochwasser waren Milliarden Tiere auf die Felder getrieben worden. Fast eine halbe Millionen Menschen sind auf der Flucht vor der Flut.


Peking - Die Bewohner der tiefer liegenden Gebiete der Region Mengwa in der Provinz Anhui seien in höher gelegene Gegenden gebracht worden, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua heute. Insgesamt hätten mittlerweile mehr als 430.000 Menschen in der Provinz ihre Dörfer räumen müssen, einem Viertel von ihnen stehe inzwischen nicht mehr genügend Trinkwasser zur Verfügung.

In Anhui sind Xinhua zufolge bisher elf Menschen in den Fluten umgekommen, landesweit wurden nach Angaben der Zeitung "People's Daily" seit Ende Juni mindestens 101 Menschen durch Überschwemmungen und Schlammlawinen getötet. Mindestens 26 Menschen würden noch vermisst.

Mit der Umleitung des Wassers sollten die Oberströme des Flusses in der Provinz Henan sowie die unteren Abschnitte entlastet werden. Die Pufferregion wurde seit ihrer Einrichtung vor rund 50 Jahren bereits 14-mal überschwemmt.

Das Hochwasser hat inzwischen auch eine Mäuseplage von ungeahnten Ausmaßen ausgelöst. Mehr als zwei Milliarden Mäuse seien vor den Fluten aus ihrem natürlichen Lebensraum geflohen und machten sich nun über die Feldfrüchte her, berichtete Xinhua.

In einem der 22 betroffenen Distrikte am Dongting-See in der Provinz Hunan versuchten die Behörden den Angaben zufolge, die Invasion durch den Bau einer langen Mauer und von Gräben zu stoppen. Die Einwohner rückten der Plage mit Knüppeln und Schaufeln zu Leibe, einige versuchten, sie mit Fischernetzen zu fangen.

Laut den örtlichen Behörden wurden seit dem 21. Juni rund 2,25 Millionen Mäuse getötet - die Kadaver wogen demnach mehr als 90 Tonnen. Ausgelöst worden sei die Invasion durch das starke Anschwellen des Jangtse-Flusses. Dadurch sei auch der Pegel des Dongting-Sees gestiegen, in dessen Uferbereichen die Mäuse lebten.

Für die nächsten drei Tage erwarten Meteorologen entlang des Flusses weitere Regenfälle. Einem gestern veröffentlichten Ministeriumsbericht zufolge kamen in China in der ersten Jahreshälfte 545 Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben.

jdl/AP/Reuters/AFP



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