Überschwemmungen in Deutschland Oldenburg bereitet mögliche Evakuierung vor, Katastrophenfall im Südharz
Sandsäcke liegen am Fluss Hollener Ehe in Niedersachsen an einem Deich
Foto: Lars Penning / dpaEntspannung bei der Hochwasserlage vor allem im Norden Deutschlands ist auch am Samstag nicht abzusehen. Zwar wurden von der Aller in Niedersachsen und auch von weiteren Flussläufen leicht fallende Pegelstände gemeldet, andernorts stiegen sie jedoch nach neuen Regenfällen sogar wieder an. Vielerorts wurde weiterhin befürchtet, dass stark aufgeweichte Deiche brechen.
Am schwersten betroffen blieben der Nordwesten Niedersachsens sowie größere Gebiete nördlich der Landeshauptstadt Hannover. Als bedroht wurden Dämme an der Aller eingestuft, etwa im Raum Celle. In mehreren Orten mussten gefährdete Nutztiere gerettet werden. Stark betroffen blieb die Samtgemeinde Flotwedel an der Aller. Eine Verschärfung der Lage habe es in diesen Regionen aber zunächst nicht gegeben, hieß es.
Die Stadt Oldenburg bereitete eine mögliche Evakuierung vor. Die Deiche seien unverändert einem hohen Druck ausgesetzt, teilte die Stadt am Samstag mit. Pegelstände würden höchstens marginal sinken. Bisher seien die Deiche allerdings trocken und stabil. Besonders betroffen ist den Angaben nach der Bereich Achterdiek, wo der Küstenkanal in die Hunte mündet. »Es handelt sich hierbei um eine Vorsichtsmaßnahme – eine konkrete Evakuierung ist derzeit nicht vorgesehen«, hieß es in einer Mitteilung. Eine Notunterkunft stünde betroffenen Bürger zu Verfügung, hieß es. Unabhängig davon gelte weiter ein Betretungsverbot für die Deiche.
In Sandkrug bei Oldenburg wurde auf Initiative der Kommune am Freitag Hubschrauber von Bundespolizei und Bundeswehr zur Deichstabilisierung eingesetzt. Weitere Hubschrauber der Bundeswehr wurden auf Bitten des Landes Niedersachsen in Bereitschaft versetzt.
Die Stadt Celle rief am Freitagabend in einer Gefahrenmitteilung dazu auf, Überschwemmungsflächen unbedingt zu meiden und sich von über die Ufer getretenen Gewässern fernzuhalten. Auch auf Unterspülungen von Verkehrswegen solle verstärkt geachtet werden, um Unfälle zu vermeiden. Teilweise überflutete Räume dürften wegen der Gefahr von Stromschlägen keinesfalls betreten werden. Ähnliche Mitteilungen gab es auch in anderen Orten Niedersachsens. Zahlreiche Straßen waren gesperrt. Feuerwehrkräfte waren am Abend in Wathlingen in der Nähe von Celle im Einsatz, um einen beschädigten Deich mit Sandsäcken abzusichern, wie der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Celle sagte.
Hunderte Menschen können in der Nähe von Bremen wegen des Hochwassers weiterhin nicht in ihre Häuser. Die Evakuierungen in der Gemeinde Lilienthal (Landkreis Osterholz) dauerten an, sagte eine Gemeindesprecherin. Rund 500 Menschen seien in den betroffenen Gebieten gemeldet. Wann sie zurück in ihre Häuser könnten, sei noch nicht absehbar. Die Pegelstände hätten sich in der Nacht kaum verändert. Die Lage bleibe angespannt.
In Lilienthal wurde das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk verboten, um die Einsatzkräfte nicht noch zusätzlich zu belasten. Andernorts riefen die Behörden die Bevölkerung nachdrücklich zu einem freiwilligen Verzicht auf die Böllerei auf.
In Sachsen-Anhalt teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz am Samstagmorgen mit, Regenfälle in der Nacht seien teils stärker ausgefallen als vorhergesagt. Das Hochwasser in den eigentlich kleineren Flüssen Dumme, Jeetze und Aland sei dadurch wieder gestiegen.
Auch im südlichen Harzvorland in Sachsen-Anhalt waren weiterhin größere Gebiete überflutet. Der Landkreis Mansfeld-Südharz stellte den Katastrophenfall fest. Die Entscheidung sei durch die lange Dauer der Abwehrmaßnahmen gegen die Hochwasserlage begründet, teilte Landrat André Schröder am Samstag mit. Obwohl die Talsperre Kelbra ihre Wasserabgabe aktuell nicht weiter erhöhe, müsse bereits jetzt von erheblichen Schäden ausgegangen werden. Mit dem Katastrophenfall geht die Zuständigkeit für die Koordination der Abwehrmaßnahmen auf den Landkreis über. Dadurch kann auch überörtliche Hilfe, beispielsweise von der Bundeswehr, angefordert werden.
An der Elbe in Sachsen hatte sich die Lage dagegen bereits am Freitag wieder etwas entspannt.
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Weitere Niederschläge für Silvester und Neujahr erwartet
Am Freitag waren 235 Helfer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Einsatz, wie die Organisation mitteilte. Der Schwerpunkt des Hochwassereinsatzes liege im Serengeti-Park in Hodenhagen im Heidekreis. Dort konnte unter anderem ein Durchfluss geschlossen werden. Die Helfer begannen dann, das Wasser auf dem Gelände des Freizeitparks abzupumpen.
Auch anderswo sind die Einsatzkräfte mit der Verteidigung von Deichen beschäftigt. Zu den Hauptaufgaben der Wasserretter gehören zudem die Sicherung der Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und anderen Organisationen.
Am Samstag wurden zunächst keine stärkeren Regenfälle mehr erwartet. Neue, auch stärkere Niederschläge könnte es jedoch am Sonntag und am Neujahrstag geben.