Wetterchaos in Deutschland Und es kommt noch mehr Regen

Bundesstraßen mussten gesperrt werden, auf der A8 überschwemmte die Enz einen Teil der Fahrbahn, auf der A5 stoppten Erdrutsche den Verkehr: Heftige Regenfälle haben im Süden und Osten Deutschlands erhebliche Schäden verursacht. Für die Nacht werden weitere Niederschläge erwartet.


Berlin - Meteorologisch beginnt am 1. Juni der Sommer, davon zu merken ist in den meisten Teilen Deutschlands jedoch kaum etwas. Starke Niederschläge treiben die Pegel vieler Flüsse in die Höhe. Vor allem im Süden Deutschlands sorgt Tief "Frederik" für Dauerregen. Viele Wetterstationen dort haben innerhalb von 24 Stunden mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags für den gesamten Monat Mai gemessen.

Der starke Regen und Überflutungen sorgen vor allem im Süden und Osten des Landes für Unfälle und Verkehrchaos. Bundesstraßen und mehrere Autobahnabschnitte mussten gesperrt werden. Auf der Autobahn 8 bei Pforzheim trat die Enz über die Ufer und überschwemmte einen Teil der Fahrbahn. Bei Karlsruhe waren die Autobahn 5 und die Bundesstraße 10 nach Erdrutschen blockiert.

Auch für den Sonntag hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) Regenfälle im Süden und Osten vorausgesagt. Von Polen zieht demnach ein neues Tief heran. Im Nordwesten und Westen soll es zwar längere sonnige Abschnitte geben, mit bis zu 19 Grad werden "aber keine dem Sommer adäquaten Temperaturen" erreicht, sagt der DWD voraus. Die 20 Grad werden wohl erst am Dienstag geknackt, an dem es weitgehend heiter und trocken werden soll.

Fotostrecke

15  Bilder
Wetter: Die Pegel der Flüsse steigen und steigen
Der Mai war nach einer vorläufigen Auswertung des DWD in Deutschland ungewöhnlich nass. Die Niederschlagsmenge lag 178 Prozent über dem langjährigen Schnitt. Schuld ist ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa, das ständig feucht-warme Luftmassen anzieht, die anschließend abregnen. Die Böden in Deutschland sind laut DWD derzeit so nass wie seit 50 Jahren nicht mehr.

Die Hochwasserlage im Überblick:

In Sachsen werden vor allem an der Mulde und der Weißen Elster bis zum Sonntag steigende Wasserstände und die höchste Alarmstufe erwartet. In der 19.000-Einwohner-Stadt Grimma war die Mulde schon in der Nacht zum Samstag über die Ufer getreten. In den vergangenen Stunden habe sich die Situation bei sinkenden Wasserständen etwas entspannt, hieß es, in den nächsten Stunden soll sich die Lage jedoch wieder zuspitzen. Die Einsatzkräfte erwarten, dass die Mulde in der Nacht auf Sonntag bis auf sechs Meter ansteigen wird und die Alarmstufe vier ausgerufen werden muss. Die Stadt richtete für betroffene Anwohner eine Notunterkunft in einer Turnhalle ein.

Auch in Bayern verschärfen extreme Niederschläge die Lage. Am Alpenrand soll es laut dem Hochwassernachrichtendienst bis Sonntagnachmittag deutlich mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter geben. In Passau ist der Pegelstand der Donau laut Polizeiangaben schon jetzt auf gut 7,6 Meter angestiegen. Der Höchststand wird allerdings in der Nacht zu Sonntag erwartet. Normalerweise liegt der Pegel bei rund 4,5 Meter. Erst am Montag werde die Lage in Bayern einigermaßen ausgestanden sein, sagte Dirk Mewes vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Bis dahin werden sich die Niederschläge vom Frankenwald bis ins Alpenvorland weiter ausbreiten.

In Thüringen gilt mittlerweile an elf Stationen die höchste Alarmstufe. Im südlichen Sachsen-Anhalt steigen die Wasserstände an Saale, Weißer Elster und Mulde. Noch halten die Deiche, allerdings drohen weitere schwere Regenfälle mit bis zu 80 Litern pro Quadratmeter.

Auch in Brandenburg sind viele Flüsse über die Ufer getreten. Vor allem an der südlichen Schwarzen Elster sei die Tendenz steigend, sagte der Sprecher des Landesumweltamts, Wolfgang Genehr, am Samstag. In der Nacht auf Sonntag sollen in Brandenburg laut Meteorologen noch bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.

In Franken standen vereinzelt Straßen unter Wasser. Auf dem Main in Würzburg wurde die Schifffahrt nach Polizeiangaben eingestellt. Am Oberen Main und der Fränkischen Saale wurden verschiedene Meldestufen überschritten.

In Baden-Württemberg ist ein 46-jähriger Bauarbeiter in einem Hochwassergebiet verschollen. Die Polizei nimmt an, dass der Mann am Freitag in Bad Urach in die Fluten eines Nebenflusses der Erms stürzte, sagte ein Sprecher. Die Suche war bislang erfolglos. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Auf der rund 30 Kilometer langen Strecke zwischen Rheinfelden in der Schweiz und der Schleuse Kembs wurde die Rhein-Schifffahrt eingestellt. Bei Maxau nahe Karlsruhe lag der Pegel am Morgen bei 7,1 Metern und könnte am Sonntag eine Marke erreichen, die zuletzt vor 20 Jahren verzeichnet worden war. Auch dort sollten die Schiffe gestoppt werden. Der Höchststand von neun Metern wird in der Nacht zum Montag erwartet.

Auf dem Neckar fahren zwischen Stuttgart und Heilbronn seit Freitagmittag keine Schiffe mehr. In der Nacht war der Pegel des Neckar stark angestiegen. Heidelberg meldete Hochwasser, die Altstadt sei aber derzeit nicht in Gefahr.

Die detaillierte Wettervorhersage finden Sie hier.

irb/dpa/AFP



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Babs50+ 01.06.2013
1.
Zitat von sysopDPABundesstraßen mussten gesperrt werden, auf der A8 überschwemmte die Enz einen Teil der Fahrbahn, auf der A5 stoppten Erdrutsche den Verkehr: Heftige Regenfälle haben im Süden und Osten Deutschlands erhebliche Schäden verursacht. Für die Nacht werden weitere Niederschläge erwartet. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-in-deutschland-noch-mehr-regen-a-903254.html
Yepp, fühle mich sogar angefeuchtet wenn ich in der Wohnung sitze. Abgesehen davon, dass ich Anfang Juni abends noch die Heizung aufdrehen muss, hab ich heute ein echtes Phänomen gesehen: Sogar der Nachbarshund weigert sich den aufgeweichten und verschlammten Gartenteil zu betreten und holt sich seine Streicheleinheiten und Leckerlis nur noch auf den geplättelten Teilen des Hofes ab! Moderne Sintflut?
Schiebetürverriegler 01.06.2013
2. Killertal
Komme soeben aus Jungingen (Killertal) zurück. Dort ist die Ortsdurchfahrt schon wieder von der Feuerwehr gesperrt worden. Und Leute - es schüttet im Killertal wie aus Kübeln. Die Starzel ist im Ortsbereich vielleicht noch 30cm von der Kante der Bachmauern entfernt - reißend wie ein Wildbach. Über die Straßen des Killertals laufen ganze Bäche und die Feuerwehr hat Warnlampen aufgestellt. Das wird wieder eine ganz enge Kiste.....
eichefranz 01.06.2013
3. Hurra...
...Rostock meldet heute Strandwetter ! Aber vorsorglich, weil der Regen auch zu uns irgendwann kommt,habe ich mir ein Schlauchboot zugelegt ! Ahoi und ein schönes WE !
lullylover 01.06.2013
4.
Endlich unterscheidet mal einer Bayern und Franken. Wird höchste Zeit, Gruß aus Coburg.
spiegelklammer 01.06.2013
5. Schreibt der...
DWD eigentlich nur noch Statistiken, oder beschäftigt er sich auch mit der Wettervorhersage, ursprünglich war für morgen, Sonntag, hier im Südwesten trockenes und heiteres Wetter angesagt, jetzt plötzlich das nächste Regentief im Anzug und die Geduld ist bis Dienstag gefragt. Fronleichnam, Regenwetter und Kühle angesagt, was war, ein herrlich angenehmer Frühsommertag. Vielleicht sollte man sich nicht so sehr auf die Computer verlassen, sondern auch mal einfach auf den Himmel schauen oder ´nen Survivalkurs mitmachen und die einfachsten Wetterregeln lernen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.