Hochwasser in Deutschland Behörden warnen vor Deichbrüchen

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern kämpfen die Menschen gegen das Hochwasser. In Norddeutschland bereiten sich Tausende Helfer auf die Flut vor. Angela Merkel und Joachim Gauck reisen ins Hochwassergebiet. Der Überblick.


Hamburg - In Bayern und Ostdeutschland steht das Wasser meterhoch in Städten und Gemeinden, in den nördlichen Bundesländern wappnen sich die Menschen für die Flut der Elbe. Die Pegelstände werden in Niedersachsen zwar erst Ende kommender Woche den Höhepunkt erreichen. Aber schon seit Tagen verstärken Tausende Helfer die Deiche.

Aufgrund der langen Hochwasserphase bestehe die Gefahr, dass die Deiche durchweichen, warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Das Hochwasser soll bereits ab Freitag auch in Niedersachsen bedrohliche Ausmaße annehmen. Im Landkreis Lüneburg sollen die Deiche mit rund einer Million Sandsäcken auf 70 Kilometern Länge um 30 Zentimeter erhöht werden. 2500 Helfer sind im Einsatz, darunter auch 1200 Bundeswehr-Soldaten. In Lüchow-Dannenberg sieht es ähnlich aus. "Bei uns sind rund 3800 Kräfte im Einsatz, Tendenz steigend", sagte eine Sprecherin des Landkreises.

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Hochwasser: Die Fluten und die Zerstörung
Das Hochwasser in Brandenburg wird die Deiche noch tagelang gefährden. Innenminister Dietmar Woidke schätzte die Situation ernster als 2002 ein. Die Behörden gingen davon aus, dass die Flut noch bis zu eineinhalb Wochen gefährlich sein könne. "Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu", sagte Woidke im rbb-Inforadio.

Die Scheitelwelle der Flut wird erst in den nächsten Tagen erwartet. Dabei ist ungewiss, ob sich die Scheitel treffen - und ob sich die Mengen addieren. Das Wasser werde nicht rasch zurückgehen und daher noch etwa zehn Tage auf die Deiche drücken, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Befürchtet wird eine Verschärfung der Lage, sollte die Elbe die Wassermengen nicht mehr aufnehmen können und es zu einem Rückstau in die Schwarze Elster kommen.

In Mecklenburg-Vorpommern soll erstmals der Krisenstab im Landesinnenministerium zusammentreten. In Schleswig-Holstein, wo der Ort Lauenburg bedroht ist, befürchtet das Umweltministerium "noch nie dagewesene Wasserstände". 4000 Helfer sind in Lauenburg und Umgebung im Einsatz.

Höchstwert in Dresden wohl erreicht

In Dresden hat die Elbe vermutlich den Höchststand erreicht. Um 12 Uhr mittags lag der Pegel bei 8,76 Metern. "Wir sind schon im Scheitelbereich, der Wert ist seit zwei Stunden gleichbleibend", sagte ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. Normal sind knapp zwei Meter. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt mit Semperoper, Schloss, Frauenkirche und Zwinger bisher verschont - anders als bei der Flutkatastrophe 2002.

Weiter nördlich in Sachsen-Anhalt ist die Lage kritisch. In Bitterfeld könnte es zu einem Wassereinbruch kommen. Nach einem Deichbruch floss das Wasser in den Seelhausener See, was die Innenstadt bedroht. Zwei Deichsprengungen durch die Bundeswehr brachten bislang nicht die erhoffte Entlastung. Eine dritte Sprengung wurde abgesagt. Es werde auf andere Weise versucht, für Entlastung zu sorgen, sagte ein Sprecher des Krisenstabs.

Kanzlerin Angela Merkel besuchte am Nachmittag die Region Bitterfeld/Wolfen. Bereits am Dienstag war sie in mehrere Hochwassergebiete gereist. Bundespräsident Joachim Gauck will am Sonntag in Halle (Saale) an einem Gottesdienst teilnehmen. Anschließend sei ein Gespräch mit Betroffenen und Helfern geplant, teilte das Präsidialamt mit.

Auch in Halle blieb die Lage angespannt, obwohl der Pegelstand der Saale zurückging. Bereits am Mittwoch hatten die Behörden 30.000 Bewohnern dringend empfohlen, sich freiwillig aus den bedrohten Gebieten zu entfernen. Ein Damm mitten im Stadtgebiet war so instabil, dass ihn Helfer nicht mehr betreten konnten.

Bundesstraße bei Osterhofen gesperrt

Dramatisch ist die Lage nach wie vor entlang der Donau in Bayern. In der gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing geht das Wasser zwar stündlich um mehrere Zentimeter zurück. Die Gefahr, dass die durchgeweichten Dämme brechen, ist aber weiter hoch. Ministerpräsident Horst Seehofer machte sich in einem Hubschrauber ein Bild von der Lage. "Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen", sagte er in Deggendorf.

Bei Osterhofen musste die Bundesstraße 8 komplett gesperrt werden. "Die Verkehrssituation rund um Deggendorf verschärft sich dadurch weiter", sagte eine Sprecherin. Die Autobahnen A3 und A92 im Krisengebiet seien wegen Überflutung immer noch gesperrt.

In Thüringen entspannte sich die Lage hingegen zusehends. Nur noch an drei Messstellen der Saale - in Kaulsdorf, Rothenstein und Camburg-Stöben - galt die höchste Alarmstufe 3, wie die Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena mitteilte.

hut/dpa/AFP

insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
copperfish 06.06.2013
1. halt
Zitat von sysopAFPIn Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern kämpfen die Menschen gegen das Hochwasser. In Norddeutschland bereiten sich Tausende Helfer auf die Flut vor. Angela Merkel und Joachim Gauck reisen ins Hochwassergebiet. Der Überblick. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-in-deutschland-norden-wappnet-sich-a-904147.html
Was wollen denn diese Katastophentouristen da? Für ein paar lächerlich "lächelnde" Fotos, die niemand braucht, wieder ettliche Leute vom helfen abhalten?! Es sei denn man könnte die Beiden zum Stopfen der Deichlöcher gebrauchen.
Dengar 06.06.2013
2. Merkel
Die fehlt uns hier gerade noch! Echt!! Dessau ruft seine Bürger auf, in Bitterfeld zu helfen, DAS wäre eine Schlagzeile, aber nicht diese hilfebehindernde, per Heli einschwebende Katastrophentouristin!
wireless 06.06.2013
3. Merkel und Gauck reisen in das Katastrophengebiet
Mein Gott, als ob die armen Leute dort nicht schon so genug gestraft sind ...
spiegelklammer 06.06.2013
4. Bild 16
Jeden Helfer seinen Sandsack oder man sieht vor lauter Helfern die Sandsäcke nicht.
gijoe01 06.06.2013
5. So Frau Merkel...
...wo sind nun UNSERE Hilfsmilliarden? Bitte ich frage Sie: WO ist nun der Milliarden-Hilfskredit + Schuldenschnitt den wir jetzt brauchen um unsere Existenz wieder aufzubauen? Ich möchte wissen ob Sie jetzt auch für uns als deusches Volk wieder so unabdingbar und alternativlos in die Presche springen wie ausserhalb der Landesgrenzen?! Ich hoffe nämlich der Hundertmillionenhauch ist nur ein leichtes Winken Ihrerseits auf dem Weg zur Bank gewesen, damit man Ihnen auf dem Weg dorthin wenigstens die Türen öffnet. Die Milliarden müssen her! Und zwar sofort und ohne grosses Gerede. Holen Sie es am besten von den Banken, denen Sie es direkt aus unserer Tasche in deren Rachen geworfen haben! Ich bin so maßlos wütend über diese Situation!!!
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