Hochwasser in Dresden Behörden rufen Katastrophenalarm aus

Die Pegel der Elbe steigen unaufhaltsam. In Dresden werden Pflegeheime und Wohnhäuser geräumt, in der Sächsischen Schweiz stehen schon ganze Orte unter Wasser. In Tschechien starben bereits vier Menschen in den Fluten.

Dresden - Am Nachmittag mussten in Dresden die ersten Menschen ihre Häuser verlassen. Nach Angaben des Malteser Hilfsdienstes wurde im Stadtteil Pillnitz ein Altenpflegeheim evakuiert. Die rund hundert Bewohner hätten das Gebäude mit Hilfe der Feuerwehr schnell und sicher verlassen können. Bereits beim Jahrhunderthochwasser 2002 war das Altenheim schwer beschädigt worden. Ein weiteres Heim ist ebenfalls bereits geräumt. Helfer bauen in der Stadt Tausende Sandsäcke zum Schutz vor dem Wasser auf. Die Bundeswehr kündigte an, im Bedarfsfall Kommunen und den Freistaat bei der Hochwasserbekämpfung zu unterstützen.

Am Abend wurde nach Angaben der Behörden der Dresdner Stadtteil Gohlis evakuiert, weil ein Damm überzulaufen drohte. Betroffen seien zunächst 380 Menschen. Die berühmte Elbbrücke "Blaues Wunder" ist schon seit dem Nachmittag für den Verkehr gesperrt. Am Vormittag hatte der Elbpegel in Dresden die Sieben-Meter-Marke überschritten. Das Landeshochwasserzentrum sagte für Sonntag in Dresden einen Scheitelpunkt von maximal 7,60 Metern voraus, anschließend soll der Pegel langsam bis Ende nächster Woche wieder auf drei Meter absinken. Beim Hochwasser im August 2002 hatte die Elbe ihren historischen Höchststand von 9,40 Metern erreicht.

Im Landkreis Sächsische Schweiz werden die Evakuierungen fortgesetzt. In der Altstadt von Pirna mussten am Morgen erste Anwohner ihre Häuser verlassen. Teile der Altstadt standen unter Wasser. Am Abend wurde damit begonnen, die Uferbefestigungen der in die Elbe mündenden Gottleuba zu verstärken. In Bad Schandau und Wehlen waren bereits gestern tausend Einwohner in Sicherheit gebracht worden. In Bad Schandau, Rathmannsdorf, Königstein, Kurort Rathen, Wehlen und Pirna galt Katastrophenalarm. In ganz Sachsen verursachten die hohen Pegel Verkehrsbehinderungen. Alle Fähren zwischen Schöna und Torgau haben ihren Dienst eingestellt.

Im Elbtal oberhalb Dresdens musste nach Angaben des Energieversorgers bei 2500 Einwohnern der Strom abgeschaltet werden. Mit steigendem Wasserstand sei mit weiteren Abschaltungen zu rechnen. Einzelne Teilstücke von Bundesstraßen und ein Autobahntunnel der A 17 bei Dresden wurden gesperrt.

Auch in Bayern haben Niederschläge die Wasserstände vieler Flüsse wieder ansteigen lassen. Betroffen waren die Oberläufe der Flüsse vor allem im Fichtelgebirge und im Bayerischen Wald, wie der Hochwassernachrichtendienst am Freitag in München mitteilte. Im Donaugebiet gab es an Naab, Regen und Ilz Ausuferungen und Überflutungen von landwirtschaftlichen Flächen und Straßen. Die Höchststände der vergangenen Tage wurden örtlich nochmals überschritten. Für die Donau selbst erwarten die Experten am Wochenende zwischen Regensburg und Passau wieder steigende Pegel.

Die Lage in den Hochwassergebieten in Sachsen-Anhalt soll sich am Wochenende bei Tauwetter und Regen zuspitzen. "Die Wasserstände in der Elbe steigen", sagte Uwe Fricke vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) am Freitag. "Wir rechnen damit, dass am Sonntag die höchste Alarmstufe IV erreicht wird." Betroffen seien Dessau sowie mehrere Landkreise. "Das bedeutet Sandsäcke schichten und aktive Hochwasserabwehr betreiben", sagte Fricke. Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Wachdienste seien rund um die Uhr im Einsatz. Für die Elbe wird in Dessau am Dienstag ein Höchststand von 6,40 Meter erwartet. "Die Lage ist ernst, aber nicht dramatisch", sagte Fricke.

In Tschechien haben die Überschwemmungen nach Behördenangaben vier Menschen das Leben gekostet. In Terezin (Theresienstadt) ertranken zwei Autofahrer, nachdem ihr Wagen in einen Fluss gestürzt war, teilte die Polizei heute mit. In Südböhmen starb ein Mann während der Evakuierung seiner Wohnung an einem Herzinfarkt. Zuvor war in Mähren ein sechsjähriger Junge ertrunken. In Prag müssen nach den Worten von Oberbürgermeister Pavel Bem U-Bahnhöfe geschlossen werden, falls morgen die höchste Stufe der Hochwasserwarnung ausgerufen werden muss.

ffr/AP/ddp/dpa

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